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Canon EOS R5

Vollformat. Spiegellose Systemkamera mit 45 Millionen Pixel. Mirrorless. Test. Review. Erfahrungsbericht

2021 © Thomas Gade

Im April 2021 erhielt ich leihweise eine Canon EOS R5, um einen Artikel über die High-ISO Fähigkeiten aktueller Kameras schreiben zu können. Im Vordergrund stand die Frage, welche Veränderungen durch das allmählichen Steigern der ISO-Werte am Vollformatsensor mit 45 Million Pixel zustande kamen. Ab welchem ISO-Wert wurden qualitative Beeinträchtigungen sichtbar und bis zu welchem ISO-Wert waren sie akzeptabel?

In diesen Test einbezogen wurde das RF 800mm F11 IS STM Teleobjektiv mit sehr langer Brennweite. Es war erst einige Monate auf dem Markt und wurde von vielen Fotografen aufgrund seines relativ niedrigen Preises (ca. 1050 €) und seiner geringen Lichtstärke skeptisch betrachtet.

Außerdem wollte ich mit dieser Kamera meinen Eindruck vom RF 24-105mm F4 IS USM Zoomobjektiv überprüfen. Im Jahr 2019 hatte ich es als nicht ganz scharf an der Canon EOS RP (26,2 MP / Vollformat) empfunden.

Schließlich interessierte es mich, wie gut diese Kamera mit einem Makroobjektiv Negative und Dias abfotografierte. Die Auflösung sollte mit einem USAF 1951 Resolution Test Chart gemessen werden, um Vergleiche mit anderer Technik zu ermöglichen.


Canon EOS R5. Spiegellose Systemkamera. Vollformatsensor mit 45 Millionen Pixel

Auspacken

Beim Auspacken kommt ein unspektakulär gebautes Kameragehäuse zum Vorschein, dessen grundsätzliche Bedienung erfahrenen Fotografen nur wenige Rätsel aufgibt. Allerdings benötigt man zum besseren Kennenlernen eine gute Bedienungsanleitung, die trotz des hohen Preises nicht inbegriffen ist. Dazu äußere ich mich auf einen anderen Seite.

Lieblose Verpackung bei dem hohen Preis

Der hohe Einkaufspreis (4500 €) passt nicht zur einfachen Verpackung aus nur einem Millimeter dünner Wellpappe mit zwei halbtransparenten PVC-Einlagen. Ich verglich sie mit anderen Verpackungen. Deutlich mehr Mühe gegeben haben sich u.a. die Hersteller eines günstigen Akku-Ladegerätes, Samsung für ein Smartphone und Ricoh für die Pentax K-70.

Technische Daten

Hersteller Canon
Bezeichnung Canon EOS R5
Einführung 2020
Preis (Body) 4500 €
Aufnahmeformat Vollformat
Auflösung 45 Millionen Pixel
Bajonett RF
ISO 100 - 51200
Reihenaufnahmen Max. Ca. 12 B/s mit mechanischem Verschluss oder 20 B/s mit elektronischer Verschlusszeit
Display 3,2 Zoll mit 2,1 Millonen Bildpunkte
Sucher 5,76 Millionen Bildpunkte
Video 4K/120p         8K/24/25/30p
ISO 100 - 51200
Abmessungen 138,5 x 97,5 x 88 mm
Gewicht Ca. 650 g (738 g mit Akku und Speicherkarte)



Das rückwärtige Display kann zu Seite weggeklappt werden. In der Position kann es am Scharnier gedreht werden.

Bewegliches Display

Es gibt verschiedene Typen von beweglichen Displays. Persönlich gefällt es mir am besten, wenn es nach unten und nach oben geklappt werden kann, wie an der Canon EOS M6 II. Für Makroaufnahmen in Bodennähe oder Fotografie an der Reprosäule ist das ideal.

Bei der Canon R5 wird es erst zur Seite geklappt, um nach oben und unten gedreht werden zu können. Ob einem das mehr zusagt, ist wohl eine subjektive Geschmacksfrage. Allerdings hat diese Anbringung den Vorteil, die Oberfläche des Displays in der Fototasche besser zu schützen, indem es nach innen gedreht wird und somit seine rückseitige Kunstoffabdeckung zur Außenseite wird. Braucht man das? Mir ist noch nie ein Display sichtbar verkratzt oder gebrochen. Früher klebte ich Schutzfolie auf die Displays meiner Pentax DSLRs, verzichtete aber bei meinen letzten Modellen darauf, die trotz häufigen Gebrauchs bislang alles ohne sichtbare Gebrauchsspuren wegsteckten. Die Displays von Canon werden sicherlich ebenso robust sein, sodaß viele Fotografen ihre Glasoberfläche auch beim Verstauen außen lassen.



Oberseite der Canon EOS R5. Die Bedienungselemente sind aufgeräumt und logisch angeordnet.

Autofokus

Meine ca. 20 Jahre alte Canon EOS 3 für Kleinbildfilm hat einen exzellenten Eye-Control Autofokus. Nach einer Kalibrierung kann sie die Pupillenbewegung beim Einblick in den Sucher verfolgen und so erkennen, welche Bildpartie scharf gestellt werden soll.

Leider verfügt die Canon EOS R5 nicht über diese Technik. Für meinen Geschmack stellt sie bei Motiven mit ausgeprägter räumlicher Tiefe in der Standardeinstellung zu oft die falschen Bildpartien scharf. Deshalb vermisse ich an ihr die Eye-Control Funktion, die weder von Tasten noch von Joysticks zu ersetzen ist.

Allerdings ist das Autofokussystem der Canon EOS R5 im weiten Rahmen individuell zu konfigurieren. Im Menu gibt es eine Registergruppe für den Autofokus. Unter 1 ist bei AF-Methode eine Einstellung zu finden, die am besten zum eigenen fotografischen Verhalten passt. Man muss sich mit den Möglichkeiten vertraut machen, um passend für verschiedene Aufnahmesituationen die besten Einstellungen für eine optimale Trefferquote zu treffen.

Abgesehen von solchen Anfangsschwierigkeiten, ist der Autofokus der Canon EOS R5 hervorragend. Wirklich überrascht hat mich die starke AF-Leistung mit dem lichtschwachen RF 800mm F11 Teleobjektiv.

Befindet sich die Kamera auf einem Stativ, tippt man auf die relevante Partie im Bild, die scharf zu stellen ist. Unmittelbar danach löst die Kamera aus. Das alles geschieht meistens ohne erkennbare Zeitverzögerung.


Canon EOS R5 Systemkamera mit dem RF 24-105mm F4L IS USM Zoomobjektiv.

Fokus-Stacking mit der Canon EOS R5

Was ist Fokus Stacking (Focus-Stacking) in diesem Fall? Die Canon EOS R5 erstellt automatisch eine Bilderserie. Zwischen den einzelnen Fotos verändert die Kamera die Schärfeeinstellung vom der kürzesten bis zur längsten Entfernung im Bild. Die Kamera benötigt dafür ein kompatibles Objektiv mit Autofokus. Das nennt man Fokus-Bracketing.

Die Bilderserie wird anschließend am Computer mit einer Fokus-Stacking-Software zu einem einzigen Bild mit großer Schärfentiefe zusammengerechnet. Das nennt man Fokus-Stacking. Die Canon EOS R5 rechnet die Bilderserie nicht selbst zu einem Bild zusammen.

Um Fotos mit erweiterter Schärfentiefe zu machen, wird im Register 5 unter dem Symbol Kamera die Funktion Fokus-Bracketing aktiviert. Dort kann man eine beliebige Menge Einzelfotos von 1 bis 999 einstellen. Weiterhin ist die Fokus-Abstufung einstellbar sowie eine Belichtungsglättung aktivieren.



Bilc aus einer Fokus-Bracketing-Serie aus 22 Einzelfoto. Ein Teil des Balkons ist scharf. Der Hintergrund ist unscharf.



22 Fotos mit Helicon Focus zu einem Foto verrechnet. Das Ergebnis ist von nah bis fern scharf.

Objektive mit EF(-S) Anschluss an RF adaptieren

Um Objektive mit EF oder EF-S Anschluss an Kameras mit RF Bajonett zu montieren, gibt es Adapter von Canon und Drittherstellern. Die Kommunikation zwischen dem Gehäuse und den Objektiven erfolgt über elektronische Kontakte, die von den Adaptern durchgeschliffen werden. Offenbar hat sich durch den neuen EOS R Anschluss die Steuerung der elektronischen Funktionen in den Objektiven nicht verändert. EF(-s)-Objektive lassen sich am Adapter genauso verwenden wie an einer EOS DSLR.

Beim Test einer Canon EOS RP im Jahr 2019 verwendete ich den EF/EOS R Adapter von Canon. Wie erwartet, funktionierte er ausgezeichnet. Ich vermisste an ihm allerdings einen Stativanschluss. Deshalb bestellte ich diesmal den ‚Auto Focus Adapter EF-EOS R‘ (50 € / 88 g ohne Stativanschluss, ) von mmlite mit einem abschraubbaren Stativanschluss. Er ließ sich wie das Original anschließen, wackelte nicht und verband das zum Testen verwendete Telezoom Canon 100-400mm IS USM einwandfrei mit der Canon EOS R5.

Ob man teure Technik mit einem günstigen Adapter von einem Dritthersteller zum Sparen einer zweistelligen Summe kombinieren möchte, muss jeder selbst entscheiden. Empfehlen möchte ich es nicht.

Mir ging es lediglich um die Frage, ob es eine brauchbare Alternative mit Stativanschluss zu den originalen Adaptern von Canon gibt, wo ich diese Möglichkeit bisher nicht fand.

Fotografieren ohne Objektive mit RF oder EF(-S) Anschluss

Die Standardeinstellungen der Canon EOS R5 lassen das Auslösen der Kamera nicht zu, wenn an ihr kein passendes Objektiv angeschlossen ist. In der vorletzten Registergruppe ist unter Punkt 4 bei ‚Ohne Objektiv auslösen‘ die Einstellung von OFF auf ON zu verändern.

Bildstabilisierung auch mit manuellen Objektiven

Die Bildstabilisierung in der Kamera kann nur einwandfrei funktionieren, wenn ihr die Brennweite des verwendeten Objektivs bekannt ist. Moderne Fotoobjektive mit  EF, EF-S und RF Anschluss melden sie dem Kamerabody über elektronische Kontakte.
Es gibt aber viele optische Systeme, wie beispielsweise Teleskope oder ältere Objektive, die dazu nicht in der Lage sind. Handelt es sich um feste Brennweiten, können die Werte im Menü der Kamera eingetragen werden. Die nötigen Einstellungen erfolgen im siebten Register der zum Symbol Kamera gehörenden Gruppe. In der ersten Zeile steht ‚IS (Bildstabilisator) Modus‘.
Der ‚IS Modus‘ ist einzuschalten, die‚Foto-Stabilisierung‘ auf ‚Immer‘ zu stellen und unter ‚Brennweite‘ den korrekten Wert einzutragen.

Welche alternativen Optiken lohnen sich nicht?

Digiscoping mit Spektiven

Viele gut ausgestattete Naturbeobachter verfügen über hochwertige Spektive, die mit einer richtigen Adaptierung auch als Teleobjektive verwendet werden können. Das Verfahren nennt sich Digiscoping. Vergessen Sie es mit der Canon EOS R5! Ihr Vollformatsensor mit 45 Millionen Pixeln gehört nicht an ein Spektiv, egal wie gut es ist. Jeder teure Adapter ist nur eine unnötige Geldverschwendung.

Um Längen besser ist die Verwendung eines Canon RF 600mm F11 oder Canon RF 800mm F11 Teleobjektivs. Beide sind leicht und im Verhältnis zu ihren Brennweiten erstaunlich kompakt und preiswert. Sie wurden im Sommer 2020 vorgestellt und überzeugten trotz ihrer geringen Lichtstärke mit unerwartet guten optischen Leistungen. Mit diesen Objektiven kann dank effizienter Bildstabilisierung und zuverlässigem Autofokus mindestens bei Tage freihändig fotografiert werden. Ein Stativ ist meistens überflüssig.

Manuelle Zoomobjektive

Ältere Zoomobjektive ohne die Fähigkeit, der Kamera ihre eingestellte Brennweite mitzuteilen, sind nicht mit ihrer Bildstabilisierung kompatibel. Zumindest dann nicht, wenn die Brennweite zwischen den Aufnahmen verstellt wird.

Einige Teleskope

Viele Refraktoren (Linsenteleskope) der Hobbyastronomen verfügen mittlerweile über exzellente Objektive und sehr gute Scharfstelltechnik. Am Okularauszug befinden sich zum Fokussieren Drehräder, davon eines mit einem 1:10 Getriebe, dass eine äußerst präzise Einstellung ermöglicht. Für. An solchen Teleskopen ist eine Canon EOS R5 gut zu gebrauchen.

Für die meisten anderen Hobbyteleskope gilt das nicht, weil sie das Potential der Canon EOS R5 nur geringfügig ausnutzen können.

Canon EOS R5 am TS Photo Line 80 mm ED Refraktor


Canon EOS R5 am TS Photo Line 80mm ED Refraktor

Moderne Linsenteleskope mit ED-Objektiven der Hobbyastronomen bieten für relativ wenig Geld eine erstaunlich hohe Bildqualität, die in der Geräteklasse vor 20 Jahren rar und teuer war. Wer eines hat, kann es auch als Teleobjektiv für irdische Motive einsetzen. Siehe: Fotografieren mit einem Teleskop

Ich verwende ED-Refraktoren gerne dafür. Beispielsweise zum Fotografieren von Kranichen auf Feldern, Landschaft-Fernaufnahmen und natürlich auch für Ansichten vom Mond. Am besten sind dafür Bodys geeignet, die deutlich unter 1 kg wiegen. Diesen Punkt erfüllt die Canon EOS R5 bestens, aber sie verhält sich sehr merkwürdig an Teleskopen.

Seltsamerweise sind nämlich die Belichtungszeiten von 1/1000 Sekunde bis 1/8000 Sekunde nicht zu verwenden.

Ab 1/1000 Sekunde taucht am unteren Bildrand ein dunkler Streifen auf, der bis 1/8000 Sekunde immer breiter wird.


Wie er zustande kommt, ist mir bislang unverständlich, weil sich im Teleskop während der Aufnahme nichts verändert. Es gibt keine sich schließende Blende oder eine andere Variable. Die Ursache kann nur im Body liegen. Eigentlich schade, weil mich ein Vergleich mit dem RF 800mm F11 interessiert. Während der zweiwöchigen Ausleihe dieser Kamera fand ich dazu keine Lösung.


Links: 1/750 s. Das Bild ist vollständig ausgeleuchtet.
Rechts: 1/1500 s. Der untere Bildrand ist etwas abgedunkelt.



Links: 1/3000 s. Der dunkle Bildrand ist nicht mehr zu übersehen.
Rechts: 1/6000 s. Der dunkle untere Bildrand ist noch breiter.


Canon EOS R5 am Teleskop auf einer astronomischen Montierung

Die genannten Einschränkungen gelten natürlich nicht für die Astrofotografie, weil hier nur selten mit ultrakurzen Belichtungszeiten gearbeitet wird. Wer allerdings gerne die Sonne fotografiert, um Sonnenflecken und die granulatartigen Strukturen auf ihrer Oberfläche festzuhalten, dürfte mit 1/500 sec. als praktisch kürzeste Belichtungszeit nicht glücklich sein. Um sie möglichst scharf abzubilden, werden nämlich mindestens zehn Aufnahmen mit möglichst kurzen Belichtungszeiten gemacht, die mit Stackingfunktionen zum Reduzieren der Unschärfe durch Flimmern zu einem wesentlich verbesserten Bild zusammengerechnet werden. Tipp: Die Canon EOS M6 II macht sich sehr gut am Refraktor und bietet durch ihren Cropfaktor noch mehr Fernrohrwirkung.

Canon EOS R5 mit Balgen und Makroobjektiv als Filmscanner


Canon EOS R5 mit Balgen und Makroobjektiv an der Reprosäule zum Abfotografieren von Dias.


Eine Messung mit einem USAF 1951 Resolution Testdia zeigt die drei horizontalen und vertikalen Balken im vierten Element der 6. Gruppe. Daraus ergibt sich eine Auflösung von 4600 DPI. Das ist mehr als die meisten Filmscanner zu leisten imstande sind. Die legendären Nikon Coolscan 4000 und 5000 (real ca. 3800 dpi) werden locker geschlagen. Mit gutem Willen mag man auch kleinere Balken in der Gruppe 6 als getrennt betrachten. Ev. ist dies mit einem noch besseren Objektiv als das sehr gute Rodenstock APO-Rogadon D 75mm sicherer zu entscheiden. Allerdings sind die meisten Kleinbildfilme bereits mit ca. 3000 dpi erschöpfend aufzulösen. Ein Kinderspiel für diese Kombination.

Siehe: Vergleich maximales Auflösungsvermögen von Scannern und Digitalkameras


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