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Canon EOS M6 II

Kompakte APS-C Systemkamera mit 32 Millionen Pixel. Test, Review, Erfahrungsbericht

2021 © Thomas Gade




Die Canon EOS M6 II ist ein kleines spiegelloses Kameragehäuse. Komplett mit Akku, Speicherkarte, 15-45mm Kitobjektiv und elektronischem Sucher wiegt die Kamera etwa 560 g.

Der leichtgewichtige Winzling enthält einen APS-C Sensor mit 32 Millionen Pixeln und bietet zum Fotografieren und zum Filmen nahezu alles, was man sich von einer zeitgemäßen, gut ausgestatteten Digitalkamera wünscht. Sie ist auf bequeme Mobilität getrimmt und dafür weniger für große zupackende Hände im Profialltag gedacht, für die große Gehäuse besser geeignet sind.

Während konkurrierende APS-C Kameras 24-26 Millionen Pixel bieten, traut Canon sich mit 32 MP mehr zu. Die höhere Auflösung darf jedoch nicht allzu stark mit Einbrüchen in der High-ISO Bildqualität einher gehen.

Theoretisch sind mit 32 MP mehr Details aufzunehmen. Dafür müssen die Objektive mithalten können. Die Vor- und Nachteile des 32 MP APS-C Sensors sollen untersucht werden.


Canon EOS M6 II mit einem aufsteckbaren elektronischen Sucher und 15-45mm Kitobjektiv

Technische Daten

Hersteller Canon
Bezeichnung Canon EOS M6 II
Einführung 2019
Preis 780 € für den Body
  1000 € für Set: Canon EOS M6 Mark II, EF-M 15-45 mm und EVF-DC2
Aufnahmeformat APS-C
Auflösung 32,5 Millionen Pixel
Objektivanschluss EF-M
Reihenaufnahmen Max. 14 Bilder pro Sekunde (oder mit 30 B/s im RAW-Burst-Modus)
Display 3 Zoll, ca. 1.040.000 Bildpunkte
Sucher optionaler elektronischer Sucher
Video 4K-Videos mit 30 B/s und Full HD-Videos sogar mit 120 B/s
ISO 100 bis 25.600, erweiterbar auf 51.200
Abmessungen Ca. 119,6 x 70,0 x 49,2 mm
Gewicht 408 g



Canon EOS M6 II Body neben dem 15-45mm Kitobjektiv und dem aufsteckbaren elektronischen Sucher. Leider belegt er den Blitzschuh.



Das rückwärtige Display kann in eine bequeme Position geklappt werden.


Für Selfies und Vlogger ist das senkrecht hochgeklappte Display gedacht. Das Bild wird für diese Position automatisch gedreht, um nicht auf dem Kopf zu stehen.


Canon EOS M6 II mit elektronischem Sucher. Rückseite mit Display


Ein winziger Blitz kann herausgeklappt werden.

Fokus-Stacking mit der Canon EOS M6 II

Was ist Fokus Stacking (Focus-Stacking) in diesem Fall? Die Kamera erstellt automatisch eine Bilderserie. Zwischen den einzelnen Fotos verändert die Kamera die Schärfeeinstellung vom der kürzesten bis zur längsten Entfernung im Bild. Die Kamera benötigt dafür ein kompatibles Objektiv mit Autofokus. Das nennt man Fokus-Bracketing.

Die Bilderserie wird anschließend am Computer mit einer Fokus-Stacking-Software zu einem einzigen Bild mit großer Schärfentiefe zusammengerechnet. Das nennt man Fokus-Stacking. Die Canon EOS M6 II rechnet die Bilderserie nicht selbst zu einem Bild zusammen.

Um Fotos mit erweiterter Schärfentiefe zu machen, wird im Register 5 unter dem Symbol Kamera die Funktion Fokus-Bracketing aktiviert. Dort kann man eine beliebige Menge Einzelfotos von 1 bis 999 einstellen. Weiterhin ist die Fokus-Abstufung einstellbar sowie eine Belichtungsglättung aktivieren.  


Auf einer Serie mit 10 Einzelfotos. Dieses zeigt den scharfgestellten Hintergrund.


Scharf von vorne bis hinten. Die dafür erstellten Bilder wurden mit Helicon Focus gestackt. Es geht aber auch mit dem RAW Konverter von Canon.

Arca-Swiss Schiene blockiert Steckplatz der Speicherkarte

Ich probierte Fokus-Bracketing / Focus-Stacking mit dem 15-45mm Kitobjektiv. Es funktionierte einwandfrei. Beim Test wurde allerdings eine Schwäche der kompakten Bauweise dieser Kamera erkennbar. Heutzutage ist die Verwendung von Arka-Swiss Schienen für Klemmsysteme auf Stativ Standard. Nutzt man dazu das Stativgewinde am Gehäuse, lässt sich die Klappe zum Schacht mit dem Akku und der Speicherkarte nicht mehr vollständig öffnen. Beim Fokus-Bracketing möchte man aber die Ergebnisse aus dem Fokus-Stacking meistens rasch prüfen. Dazu muss man die Speicherkarte entnehmen können, um die Bilderserie am Computer zu verarbeiten.

Canon sollte bei Folgemodellen etwas mehr Abstand einbauen.

Ein Ausweg ist die Verwendung des EF(-S) / EOS-M Adapters, der einen eigenen Stativfuß hat. Dazu muss man ein Objektiv mit EF(S) Anschluss adaptieren, wie das Canon Macro Lens EF 100mm F:2.8 L IS USM.


Die Arca-Swiss-Schiene für Schnellwechsel-Systeme auf Stativen verhindert das Öffnen der Klappe für die Steckplätze des Akkus und der Speicherkarte.

Canon EF Objektive an EF-M Anschluss

Die Vielfalt der Anschlüsse für Objektive mit integrierter elektronischer Blendensteuerung und Autofokus von Canon ist verwirrend: EF, EF-S, EF-M, RF. Objektive mit dem EF-Bajonett gibt es seit 1987. Bis April 2014 hatte Canon 100 Millionen Objektive mit EF-Bajonett in einer breiten Palette hergestellt. Dazu kamen diverse EF-Objektive von Drittherstellern.

Anschluss max. Format Auflagemaß Durchmesser Einführung
EF 24x36 mm 44 mm 54 mm 1987
EF-S APS-C 44 mm * 54 mm 2003
EF-M APS-C 18 mm 47 mm 2012
RF 24x36 mm 20 mm 54 mm 2018

* Der Objektivtubus ragt weiter in die Kameragehäuse hinein. Das ist möglich, weil die Schwingspiegel der APS-C DSLRs kleiner sind als in Vollformatkameras. EF-S-Objektive sind an Vollformatkameras nicht verwendbar.

Objektive mit EF und EF-S Anschluss können an EF-M adaptiert werden. Umgekehrt klappt das allerdings nicht. Der Canon Mount Adapter EF-EOS M (100 €) ermöglicht die Nutzung von Objektiven mit EF(-S) Bajonett am EF-M Anschluss Der Autofokus und die Blendensteuerung bleiben erhalten. Von Drittherstellern gibt es nahezu baugleiche Adapter, die wenige als die Hälfte kosten. Die robusten Adapter haben sinnvollerweise (abschraubbare) Stativanschlüsse.

Durch die Adaptierbarkeit der EF und EF-S Bajonette steht Nutzern der Canon EOS M-Serie eine große Vielfalt an Fotoobjektiven zur Verfügung.


Canon EF / EF-M Adapter

Bei der Wahl der adaptierbaren Objektive sollte man beachten, dass die EOS M6 II einen APS-C-Sensor mit 32 Millionen Pixel hat. Diese extrem hohe Auflösung auf einem relativ kleinen Sensor lässt sich nur mit sehr guter optischer Leistung ausnutzen. Einige EF-Fotoobjektive sind damit überfordert.

Beispiel: Canon EF 100-400mm F4.5-5.6 L IS USM

Dieses Telezoom wurde für das Vollformat entwickelt und hat einen sehr guten Ruf. Es wurde an der Canon EOS M6 II mit APS-C Sensor mit 32 Millionen Pixel getestet.


Canon EOS M6 II mit Canon EF 100-400mm F4.5-5.6 L IS USM III Zoomobjektiv

Canon EOS M6 II mit EF /EF-M Adapter und Canon EF 100-400mm F4.5-5.6 L IS USM. Mit 2,07 kg Gewicht keine leichte Kombination. Bewährt sich dieses Objektiv an der Canon EOS M6 II? Ist ev. sogar noch der EF 2x Extender zur Verlängerung der Brennweite sinnvoll?

Siehe Test: Canon EF 100-400mm F4.5-5.6 L IS USM

Ich fasse das Ergebnis kurz zusammen:  Ohne Telekonverter ist das Canon 100-400 mm IS USM Teleobjektiv fotografisch gut an der Canon EOS M6 II verwendbar, kommt aber durch die hohe Pixelmenge auf dem kleinen Sensor an seine optische Leistungsgrenze.
Der fotografische Einsatz von Telekonvertern macht in der Kombination keinen Sinn mehr, im Gegenteil. Filmemacher können das Objektiv aber auch mit Telekonvertern verwenden.

Das schwere und große Objektiv mutet seltsam an dem kompakten und leichten Body an. Sicherlich gibt es für die Canon EOS M6 II alternative Teleobjektive, die ähnliches leisten und nicht so schwer sind.

Mit Fremdobjektiven fotografieren

Mit Standardeinstellungen löst die Kamera ohne ein EF-M (oder adaptiertes EF und EF-S Objektiv) oder ganz ohne Objektiv gar nicht aus.

Um die Canon EOS M6 II an einem Mikroskop, Teleskop, Spektiv, Balgengerät oder einem Nicht-EF Objektiv zu benutzen oder völlig ohne Objektiv auszulösen, ist im Menu Indivualfunktionen unter C-FN III: Operation/Weiteres  unter Punkt 4‚ Ohne Objektiv auslösen aktivieren.

Am ED Refraktor (Naturfotografie / Astrofotografie / Fernaufnahmen)



Hobbyastronomen verwenden heutzutage gerne Refraktoren (Linsenteleskope) mit hervorragenden ED Objektiven, die aus Gläsern bestehen, mit denen sehr gute Korrekturen von Farbfehlern möglich sind. Ich nutze solche Teleskope gerne für Fernaufnahmen, bei denen ein Stativ sinnvoll ist. Beispielsweise für Horste von Störchen. Dazu sucht man sich eine Position mit gutem Blick zum Nest, baut ein Stativ auf, montiert darauf sein Fotoequipment, stellt scharf und löst aus, wenn bei den Störchen etwas Interessantes passiert. Oder man aktiviert eine Intervallschaltung, die alle paar Sekunden oder Minuten eine Aufnahme macht. Auch zum Filmen ist diese Kombination klasse.

Ich testete die Canon EOS M6 II an einem TS PhotoLine 80mm ED Refraktor mit 560 mm Brennweite. Er hat einen extrem guten Fokussierer mit Grob- und Feintrieb am Okularauszug. Das leichte Gehäuse der Kamera ist weder in horizontaler Ausrichtung noch beim Blick nach oben (Astrofotografie) eine zu starke Belastung für die Mechanik. Das hoch oder herunterklappbare Display der Canon EOS M6 II gefällt mir sehr gut in dieser Kombination.

Mithilfe der digitalen Lupe und dem Feintrieb am Teleskop kann extrem präzise scharf gestellt werden.

Mich interessierte, ob der Refraktor überhaupt zum 32 Million Pixel Sensor im APS-C Format passt. Kleinbildäquivalent beträgt die Brennweite knapp 900 mm. Dunst und Flimmern der Luft haben bei so langer Brennweite fast immer einen negativen Einfluss auf die Bildqualität. Das betrifft weiter entfernte Objekte meistens deutlich stärker als nahe.


560 mm Brennweite (900mm Kleinbildäquivalent beim Cropfaktor 1,6) ISO 400, 1/4000 Sekunde.


Kleiner Ausschnitt aus dem Bild

Am Tag dieses Tests wechselte das Licht minütlich und Sturmböen fegten über Berlin hinweg. Daher verwendete ich ein sehr schweres Stativ von Linhof mit einer massiven astronomischen Klemmung anstelle eines normalen Stativkopfes. Sonst wäre es bei den vorherrschenden Windverhältnissen gar nicht möglich gewesen, scharfe Aufnahmen zu machen. Die Fahnenmasten zitterten vom Sturm wie die Stangen einer Stimmgabel. Deshalb wählte ich als Belichtungszeit eine 1/4000 Sekunde und machte 30 Aufnahmen, aus denen ich zwei einigermaßen scharfe auswählen konnte. Ich hätte den Test zusätzlich gerne mit dem EF 2x Extender von Canon (doppelte Brennweite) fortgesetzt. Das erschien mir jedoch aussichtslos bei den vorherrschenden Windverhältnissen.

Unter besseren Bedingungen dürfte die Kombination mehr leisten. Aber auch so ist das Ergebnis beeindruckend.

Man vergleiche es mit anderen Fotos von meinem Testmotiv: Teleobjektiv

Wer diese leichte spiegellose APS-C Kamera von Canon hat und einen guten ED Refraktor mit stabilem (!!!) Stativ, kann damit eine Menge Spaß haben und gute Bilder produzieren.

Astrofotos am Teleskop

Die Canon EOS M6 II ist leicht am Teleskop adaptierbar und eignet sich aufgrund ihrer hohen Auflösung besonders gut zum Fotografieren des Mondes und der Sonne. Das sind sehr helle und relativ große Himmelsobjekte. In der Kombination mit dem TS 80mm ED Refraktor befindet sich eine exzellente Optik mit 560 mm Brennweite an dem Kameragehäuse. Das Öffnungsverhältnis (Blende) beträgt 1:7. Aufgrund der ständig schwankenden Sichtbedingungen - Flimmern der Luft - sind einzelne Fotos fast immer etwas unscharf. Zwar gibt es Zeiträume und Orte mit hervorragenden Sichtbedingungen, jedoch erleben wir sie in Deutschland nur selten. Deshalb werden Fotos von der Sonne und vom Mond durch Aufnahmeserien erstellt. Man fotografiert sie 20-50 mal nacheinander und verrechnet (stacken) diese Fotos am Computer zu einem. Die Software vergleicht die Bilder, erkennt anhand verschiedener selbst gesetzter Ausrichtpunkte ihre jeweils leicht unterschiedlichen Positionen auf einen Fotos und erstellt jeweils einen Mittelwert, an dem dieser Punkt sich im fertigen Bild befindet. Auf diese Weise werden Verformungen durch das Flimmern fast gänzlich beseitigt und auch eine höhere Schärfe und Detailauflösung realisiert.


Canon EOS M6 II am TS PhotoLine 80 ED Refraktor auf parallaktischer Montierung

Es ist auf jeden Fall sinnvoll, eine gute Nachführeinrichtung zu verwenden, um beispielsweise dem Mond auf seiner Bahn zu folgen, damit er während der Aufnahmeserie immer an derselben Stelle auf dem Sensor abgebildet wird. Zwar gibt es Programme, die beim Verzicht auf eine Nachführung den Versatz von Bild zu Bild ausgleichen, jedoch funktioniert das nicht immer zufriedenstellend.

Siehe auch:  Fotografieren mit dem Teleskop, Adaptierung der Kamera



14. 5. 2021 Mondsichel. Canon EOS 6 Mark II am TS PhotoLine 80 ED


Ausschnitt aus dem Bild. Das Flimmern der Luft beschränkt die Detailauflösung.

Negative und Dias abfotografieren

Fotografiert wurde mit einem Rodenstock Apo-Rodenstock D 1: 4 f=75mm M1:2 (auf Blende 5,6) an der Canon EOS M6 II. Das manuelle Scharfstellen ist nicht leicht. Es wäre besser, wenn die digitale Lupe (5x und 10x bei MF) für das Display der Kamera noch stärker vergrößern würde. Das gilt allerdings für die meisten digitalen Kameras.


Canon EOS M6 II mit Balgengerät und Rodenstock Apo-Rodenstock D 1: 4 f=75mm M1:2 an einer Reprosäule

Überraschung: Mit ISO 100 wurde 1/100 Sekunde belichtet. Trotz Selbstauslöser mit zweisekündiger Pause zwischen dem Drücken des Auslöser und der Belichtung waren die Bilder minimal verwackelt. Mit ISO 400 und 1/400 Sekunde konnte diese Unschärfe minimiert werden. Noch besser gelänge es sicherlich mit einem kurzen Blitz anstelle des LED Leuchtpults. Mit einigen Experimenten muss man sich an die optimale Arbeitsweise herantasten.

Auflösung
3649 dpi vertikal, 3649 dpi horizontal

Das Bild zeigt einen kleinen Ausschnitt von einem Dia mit einem USAF 1951 Resolution Chart.

Siehe auch: Vergleiche mit Scannern und digitalen Kameras

Das Rodenstock Apo-Rodagon D 75mm stammt aus dem 20. Jahrhundert. Es ist sehr gut, aber es gibt inzwischen etwas bessere Makroobjektive. Außerdem gibt es für jüngere Objektive Korrekturprofile, mit deren Hilfe die Abbildungsqualität verbessert werden kann. Möglicherweise kann eine integrierte Bildstabilisierung die minimale Bewegungsunschärfe verhindern.

Auf jeden Fall ist die Auflösung hoch genug, um die allermeisten Kleinbildnegative erschöpfend aufzulösen.



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