Negative zu Positiven wandeln
2015 / 2022 © Thomas Gade
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Der analoge Film spielt heute als Aufnahmematerial nur noch eine Nebenrolle. Neben den neu belichteten Filmen gibt es jedoch sehr viele Negative aus der Vergangenheit. Vielfach besteht der Wunsch, sie zu digitalisieren. Möglich ist dies mit speziellen Filmscannern, die jedoch relativ langsam sind. Alternativ fotografiert man Dias und Negative einfach mit der Digitalkamera und einem Makroobjektiv. Mit guter Technik und Arbeitsweise sind die Ergebnisse mindestens ebenso gut wie beim herkömmlichen Scannen.
Aber Negative sind eine besondere Herausforderung, weil die Tonwerte der Bilder auf dem Filmstreifen umgekehrt sind. Was in natura hell ist, zeigen Negative dunkel, während die Schatten hell sind. Genauso verhält es sich mit den Farben.
Vom Negativ zum Positiv - Verschiedene Methoden
Ich stelle verschiedene Wege zur digitalen Entwicklung von Negativen zu Positiven vor. Es gibt aber auch andere Möglichkeiten, die im Prinzip ähnlich sind.Schwarzweißfotos sind relativ unkompliziert zu handhaben, weil keine Farben im Spiel sind. Die Tonwertumkehrung (Invertieren) und das Heranschieben der Schwarz- und Weißpunkte an die Tonwertkurve im Histogramm oder in der Gradationskurve reichen vielfach schon aus, um einigermaßen gute Bilder zu erhalten. Allerdings können Kratzer als sehr helle Stellen im Negativ oder dunkle Streifen im Positiv sowie Randbereiche um das eigentliche Negativ Tonwerte produzieren, die außerhalb des Bereichs für das eigentliche Bild liegen. Im Laufe der Zeit bekommt man dafür ein Gespür und gewinnt die nötige Erfahrung, um dies zu erkennen und die Schwarz- und Weißpunkte an die richtigen Stellen zu verschieben.
Colornegative
Invertieren der Tonwerte reicht nichtDie Tonwerte der digitalen Repros von Colornegativen sind schwieriger umzukehren, weil die Farben im Ergebnis natürlich wirken müssen. Bislang können RAW-Konverter abfotografierte Farbnegative nicht selbst stimmig interpretieren. Leider reicht es nicht, die digitalen Kopien einfach zu invertieren.
Farbnegative sind nämlich nicht zum Scannen konzipiert worden, sondern Bestandteil eines fotochemischen Verfahrens, das farbige Abzüge auf Papier ergibt. Gute Software von Scannern kommt damit klar, aber bislang fehlt RAW-Konvertern oder Digitalkameras diese Fähigkeit. Theoretisch sind negative und positive Farbtöne eindeutig definiert, kommen im Farbnegativ jedoch nicht exakt so vor. Zudem bleichen sie im Laufe der Zeit unterschiedlich stark aus, je nach Farbstoff. Die transparenten Filme sind außerdem durch die sogenannte Maskierung rötlich, orange oder bräunlich eingefärbt.
Gradationskurve und Histogramm
Die wichtigsten Werkzeuge für diese Arbeit sind die Gradationskurve und das Histogramm, auch Tonwertkurve genannt. Zum Verständnis der Methoden ist es wichtig, mit diesen Werkzeugen vertraut zu sein. Man muss außerdem wissen, was ein Weißpunkt und ein Schwarzpunkt sind und wie man diese im Zusammenspiel mit der Tonwertkurve korrekt positioniert.
Gemeinsam sind sie die wichtigsten Kontroll- und Einstellmöglichkeiten für Tonwertumkehrung, Farbkorrektur, Kontrast und Helligkeit. Jedes anständige Bildbearbeitungsprogramm sowie auch RAW-Konverter enthält diese Werkzeuge in ähnlicher Form. Die individuelle Ausführung, Darstellung und Bedienbarkeit fallen jedoch unterschiedlich aus. Gute Programme bieten die Möglichkeit, optimale Einstellungen für ein Bild zu kopieren und auf andere Bilder anzuwenden.
Falls das nötige Basiswissen fehlt, können diese beiden Artikel helfen, diese Lücke zu schließen:

Gradationskurve
Histogramm (Tonwertkurve)
Schwarzweißnegative

Bei Schwarzweißnegativen entfallen die Farben. Deshalb sind sie mit RAW-Konvertern und Photoshop leicht zu bearbeiten. Zunächst werden die Tonwerte umgekehrt. Anschließend passt man die Helligkeit und den Kontrast an. Damit ist die Entwicklung zum Postiv im Wesentlichen beschrieben.
Index - Schwarzweißnegative entwickeln:
Schwarzweißnegative
Nachtrag 2021:
Einige Beiträge sind bereits einige Jahre alt, aber immer noch aktuell. Prinzipiell hat sich die Vorgehensweise bis heute nicht geändert. Es steht immer noch aus, dass ein Hersteller eines RAW-Konverters endlich ein gutes Invertierungstool für abfotografierte Farbnegative in seine Software integriert. Warum das bislang nicht geschah, ist seltsam, weil diverse Scanprogramme die farbrichtige Umkehrung der Tonwerte beherrschen. Eine neue Software muss speziell dafür nicht entwickelt werden.
© Thomas Gade | photoinfos.com | ISSN 3054-4769 (Online). Unsere Texte und Bilder sind urheberrechtlich geschützt. Jede Nutzung ist nur mit schriftlicher Erlaubnis des Verfassers gestattet und stets honorarpflichtig.