Digital oder analog fotografieren?
2007 © Thomas GadeParadigmenwechsel in der Fototechnik
Wer die Fotozeitschriften ab Mitte der 1980er Jahre las, fand gelegentlich Beiträge, die nahelegten, dass sich eine ernsthafte Entwicklung der digitalen Fotografie abzeichnete. Ihre ersten Einsätze hatte die Digitalfotografie bereits in sehr spezialisierten Bereichen hinter sich, in denen finanzielle Aspekte kaum eine Rolle spielten. Man denke etwa an die Raumsonde Voyager, die auf ihrem jahrelangen Weg durch das Sonnensystem beeindruckende Fotografien der äußeren Planeten zur Erde funkte. Auch das Hubble-Teleskop, das sich in einer Umlaufbahn um die Erde befand, war im Prinzip eine ferngesteuerte Digitalkamera mit einem sehr großen optischen System. Im Amateurbereich hatte sich der Übergang vom Super-8-Film zum Videoband bereits in den 1980er Jahren vollzogen. Die Technik für eine alltagstaugliche digitale Fotografie, die einer breiten Käuferschicht als Alternative zur klassischen Fotografie angeboten werden konnte, stand jedoch noch lange nicht zur Verfügung. Dafür waren bezahlbare Systeme erforderlich, die folgende Komponenten umfassten:- qualitativ hochwertige Aufnahmesensoren
- kompakte und leistungsfähige Akkus
- günstige Speichermedien mit hoher Kapazität und Haltbarkeit
- Software zur Bildverwaltung und -bearbeitung
- Druck- und Labordienstleistungen für digitale Dateien
- leistungsfähige Farbdrucker
Die ersten Digitalkameras waren erhebliche Stromverbraucher, die pro Batterieladung nur wenige Aufnahmen in vergleichsweise geringer Qualität ermöglichten. Dies änderte sich jedoch im Laufe der Zeit deutlich. Eine Olympus C-5060 aus dem Jahr 2004 mit 5,1 Megapixeln, guter Optik, integriertem Blitz und umfangreichen Einstellmöglichkeiten war bereits ein leistungsfähiges Werkzeug der digitalen Fotografie. Mit einer Akkuladung konnten mehrere Hundert Aufnahmen bei aktiviertem Display erstellt werden. Dies war sowohl Verbesserungen der Kameratechnik als auch der Akkutechnologie zu verdanken. Ein Nickel-Cadmium-Akku im AA-Format speicherte Anfang der 1980er Jahre etwa 500 mAh – und dies nur bei sorgfältiger Behandlung. Der sogenannte Memory-Effekt, der bei Teilentladung und anschließender Wiederaufladung auftrat, verringerte die Kapazität zusätzlich. Moderne Nickel-Metallhydrid-Akkus litten deutlich weniger unter diesem Effekt und erreichten Kapazitäten von bis zu 2600 mAh pro AA-Zelle. Zudem standen Ladegeräte zur Verfügung, die Akkus in sehr kurzer Zeit wieder aufladen konnten – teilweise innerhalb von etwa 15 Minuten.
Wer hätte damals gedacht, welche Fortschritte bei digitalen Speichermedien noch bevorstanden? Ihre Kapazität stieg trotz sinkender Preise kontinuierlich an. So konnten bereits um 2007 auf einer nur wenige Quadratzentimeter großen Speicherkarte bis zu 8 GB Daten gespeichert werden. Schon 512 MB reichten für mehrere hundert Bilder im komprimierten JPEG-Format aus.
Im Pressebereich setzten sich Digitalkameras um die Jahrtausendwende zunehmend durch. Die Vorteile lagen auf der Hand: Film- und Entwicklungszeiten entfielen, ebenso das Scannen von Negativen oder Dias. Bilddateien konnten direkt über Netzwerke übertragen werden. Eine Kamera mit etwa 4 Megapixeln lieferte bereits eine für redaktionelle Zwecke ausreichende Qualität. Selbst in Studios, in denen zuvor Fachkameras und Mittelformatsysteme eingesetzt wurden, ersetzten digitale Rückteile zunehmend klassische Filmhalter.
Doch Pixel allein waren nicht entscheidend. Es bestanden weiterhin Bedenken hinsichtlich der langfristigen Archivierung digitaler Daten. Wie lange würden Datenträger halten? Diese Frage war aus der analogen Fotografie durchaus bekannt.

COLOR FOTO 9/1994. Bericht über die Haltbarkeit von Diafilmen
Filme galten als besonders langlebig, doch dies war nur teilweise zutreffend. Zahlreiche Dias und Farbnegative zeigten bereits nach wenigen Jahren deutliche Farbverschiebungen oder waren von Pilzbefall betroffen. Filmmaterial auf Nitrozellulosebasis (bis in die 1960er Jahre verwendet) hatte sich zum großen Teil bereits zersetzt. Auch viele Pressefilme waren verloren gegangen, weil sie nicht ausreichend fixiert oder gewässert worden waren. Das sogenannte Essigsäure-Syndrom, dem insbesondere großformatige Filme zum Opfer fielen, führte ebenfalls zu erheblichen Schäden. Neben zahlreichen zerstörten Aufnahmen existierten jedoch auch Filme und Glasplatten, die über ein Jahrhundert alt waren. Bei sachgemäßer Verarbeitung und Lagerung konnten analoge Fotomaterialien sehr langlebig sein. Ob digitale Datenträger diese Haltbarkeit erreichen würden, war damals ungewiss. Bei intakten analogen Negativen stellte sich diese Frage nicht in gleicher Weise.
Die Authentizität fotografischer Bilder hatte durch die digitale Technik an Bedeutung verändert. Digitale Dateien ließen sich vergleichsweise einfach manipulieren. Neben Tonwertkorrekturen wurden Retuschewerkzeuge und Filter eingesetzt. Manipulierte Bilder fanden zunehmend Eingang in journalistische und dokumentarische Kontexte, wobei deren Veränderungsgrad oft nicht transparent war. Auch dies war kein grundsätzlich neues Phänomen, ließ sich digital jedoch wesentlich einfacher umsetzen.
Der Fotomarkt befand sich in einer Phase des Umbruchs zwischen analoger und digitaler Technik. Kunden entschieden sich zunehmend für moderne Systeme, ohne dass dies zwangsläufig das Ende der klassischen Fotografie bedeutete. Hochwertige analoge Kameras blieben weiterhin über viele Jahre nutzbar. Gleichzeitig wurden viele Entscheidungen getroffen, in welchem Umfang digitale Fotografie eingesetzt werden sollte, etwa bei privaten oder gesellschaftlichen Ereignissen. Kompakte Digitalkameras waren hier gut geeignet, und die Möglichkeit der sofortigen Bildkontrolle wurde häufig als Vorteil empfunden – auch wenn die Darstellung auf kleinen Displays erfolgte.
Konventionelle Fototechnik wurde zu dieser Zeit sehr günstig angeboten. In vielen Fotogeschäften wurden Lagerbestände stark reduziert, und auf Plattformen wie eBay waren gut erhaltene Spiegelreflexkameras inklusive Objektiven, Blitzgeräten und Taschen bereits für etwa 50 Euro erhältlich. Auch Filme und Entwicklungsgutscheine wurden auf diesem Weg weitergegeben. Bemerkenswert war, dass diese Ausrüstungen tatsächlich noch Käufer fanden und weiterhin genutzt wurden. Wer Interesse an einem Fotolabor hatte, konnte hochwertige konventionelle Technik zu einem Bruchteil der ursprünglichen Preise erwerben. Noch nie zuvor war analoge Fototechnik so günstig verfügbar. Da sich in vielen Haushalten noch Millionen funktionsfähiger Kameras befanden und nicht alle Fotografen vollständig auf digitale Systeme umgestiegen waren, blieb die Filmfotografie weiterhin bestehen. Studiofotografen trennten sich zunehmend von Mittelformatsystemen, die in modernen Produktionsprozessen weniger gefragt waren. Deren Vorteil lag ursprünglich im großen Filmformat sowie in Wechselmagazinen für unterschiedliche Filmtypen oder Polaroid-Testaufnahmen. Viele dieser Funktionen wurden in der digitalen Fotografie überflüssig, da die Belichtung unmittelbar am Display kontrolliert werden konnte und Dateien flexibel weiterverarbeitet wurden. Für professionelle Anwendungen standen inzwischen digitale Spiegelreflexkameras mit bis zu 16 Megapixeln von Herstellern wie Kodak, Canon und Nikon zur Verfügung. Diese reichten für anspruchsvolle Katalogproduktionen problemlos aus. Die frei werdenden Mittelformatsysteme gelangten zunehmend in den Amateurbereich, wo sie unabhängig von Produktionszwängen genutzt wurden. Häufig waren diese hochwertigen analogen Ausrüstungen sogar günstiger erhältlich als digitale Einsteiger-SLRs.
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