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Pentax K-1 II DSLR

Review, Test, Erfahrungsbericht - 2020 © Thomas Gade


Pentax K-1 II mit smc Pentax-FA 1:1.7 50mm

Seit 1980 fotografiere ich mit Pentax-Kameras. Mein Umstieg zur digitalen Spiegelreflex erfolgte Ende 2004 mit dem Kauf einer Pentax ist* DS. Anfangs weckte der kleine APS-C Sensor den Wunsch nach einem Sensor im Format des 24x36mm Dias oder Negativs, bekannt vom Kleinbildfilm.

Mit der Zeit gewöhnte ich mich an das APS-C Format und erwarb zugehörige Objektive. Seit der Pentax K-5 (16 Megapixel), vorgestellt in 2010, hatte diese Linie einen hohen Reifestand erreicht. Es folgten exzellente Modelle wie die K-5 II, K-3, K-3 II, K-70 und KP. Aktuell benutze ich die Pentax K-70 und die K-3 II.

Ricoh brachte erst 2016 mit der Pentax K-1 die erste Vollformat-DSLR heraus. 2018 wurde sie von der Pentax K-1 II abgelöst. Beide verfügen über einen 36 Megapixel Vollformatsensor.

Neugierig auf das Vollformat von Pentax

Durch das Schreiben von Artikel für Zeitschriften und Websites, nutze ich häufig Leihgeräten verschiedener Markenhersteller mit Sensoren vom Format 1" bis zum Vollformat.

Für Naturaufnahmen, bei denen lange Brennweiten gefragt sind, schätze ich kleine Sensoren wegen des Cropfaktors und der relativ starken Teleleistung von Objektiven, die gar nicht so lange Brennweiten haben. Ein 300 mm Teleobjektiv hat am 1“ Sensor eine Brennweite von rund 850 mm. Die Kombination ist leicht, klein und praktisch in der Handhabung, während eine gleichwertige Optik für den Vollformatsensor groß, teuer und unhandlich ist. An Kameras mit MFT Sensor ist das Panasonic Leica DG Vario-Elmar F4-6.3 ASPH OIS (kleinbildäquivalent 200-800 mm) eine hervorragende Lösung. Die Optik ist mit rund 1 kg Gewicht und blitzschnellem Autofokus ideal wenn verhältnismäßig geringes Gewicht und Größe eine hohe Priorität genießen.

Rauschen: Vollformat versus APS-C

Je mehr Pixel auf einer Fläche zusammengedrängt sind, desto anfälliger sind Sensoren für Rauschen und andere qualitätsmindernde Faktoren. Zum Vergleich:

  APS-C Vollformat
Abmessung 23,5 mm x 15,6 mm 35,9 mm x 24 mm
Fläche 366,6 mm² 816,6 mm²
Pixel pro mm² 65750 44270
Pixel pro APS-C Fläche 24 Megapixel 15,5 Megapixel
Vom Vollformat mit der geringerer Pixeldichte ist beim Erhöhen der ISO-Werte eine langsamere Zunahme des Rauschens zu erwarten als beim APS-C Sensor. Dies gilt für Sensoren aus etwa derselben Produktionszeit.

Im Gegenzug haben kleine Sensor Nachteile. Beispielswiese treten bläuliche Säume an den Kanten der Flügel von fliegenden Vögeln bei ahnlicher Abbildungsgröße stärker auf als bei größeren Sensoren. Durch die verhältnismäßig hohe Pixeldichte auf kleinen Sensoren sind die Herausforderungen zum Kompensieren des Rauschens bei höheren ISO-Werten größer. Dies geht zulasten der feinen Details, beispielsweise im Gefieder von Vögeln.

Fotos von fliegenden Vogelschwärmen mit zahlreichen Vögeln leiden darunter, wenn die schnellen Bewegungen durch kurze Belichtungszeiten kompensiert werden müssen. In der Praxis werden deshalb ISO-Werte zwischen 1600 und 3200 bei Tage eingstellt.

Betrachtet man die Fotos im Ganzen, fallen die Schwächen in der Detaildarstellung kaum auf. Anders sieht es auch, wenn ein Beschnitt erfolgt. Die sehen vom APS-C Sensor bei den genannten ISO-Werten besser aus als von kleineren Formaten. Ein Vollformatsensor mit 36 Megapixel bietet dazu noch mehr Spielraum.

Das sollte mit einer Pentax K-1 II ausprobierte werden. Die Hamburger  Ricoh Niederlassung stellte sie mir im Oktober2020 einige Tage zur Verfügung. Ich beschloss daraufhin, sie nicht nur an Zugvögeln auszuprobieren, sondern auch zu testen, wie gut man mit ihr Dias und Negative abfotografieren konnte.

Dem Leihgerät war ein häufiger Gebrauch mit wohl nicht immer sanftem Umgang anzusehen. Es hatte bereits 74050 Auslösungen hinter sich. Ich konnte allerdings keine technischen oder funktionellen Mängel erkennen.

Untersuchungssschwerpunkte

Hauptsächlich interessierte mich folgendes:

1. Bringt das größere Sensorformat etwas beim Fotografieren von Tieren in freier Natur, die aufgrund der Fluchtdistanz üblicherweise nur mit Teleobjektiven aufgenommen werden?

2. Benötigt man unbedingt (sofort) neue und teure Objektive für das Vollformat? Sind einige APS-C Objektive auch für das Vollformat geeignet?

3. Eignet sich die K-1 II zum Digitalisieren von Negativen und Dias?


Größenvergleich: Pentax K-3 II (APS-C Sensor) neben der Pentax K-1 II

Technische Daten

Hersteller Ricoh
Bezeichnung Pentax K-1 II
Produktion ab 2018
Preis (Oktober 2020) ca. 1820 €
Sensor Vollformat (35,9 x 24 mm)
Auflösung 36,15 Megapixel (7360 x 4912 Pixel)
Video Full HD / 4K **
Bildstabilisierung Sensor-shift shake reduction, SRII Shake Reduction, 5-Achsen
Display 3,2" - 1.04 Megapixel
Objektiv Anschluss Pentax K (KAF4)
GPS integriert
Astrotracer ja, ohne Zubehör möglich
Pixelshift ja
Eingebauter Blitz nein
Gewicht (nur Gehäuse) 1,008 kg mit Akku und einer Speicherkarte, 930 g nur Gehäuse

Auflösung

Die Pentax K-1 II hat eine maximale Auflösung von 7360x4912 Pixel. Für JPG-Dateien können neben der vollen Auflösung auch geringere Pixelmengen gewählt werden. Darüber hinaus kann man statt der gesamten Fläche des Sensors nur einen mittigen Ausschnitt in der Größe eines APS-C Sensors nutzen, wenn man beispielsweise Objektive verwendet, deren Bildkreis nicht das volle Format ausleuchtet.

Vollformat / 35 mm full-frame
RAW JPG L JPG M JPG S JPG XS
36,15 MP 36,15 MP 22,1 MP 11,9 MP 2,46 MP
         
APS-C Ausschnitt
RAW JPG L JPG M JPG S JPG XS
15,36 MP 15,36 MP 11,89 MP 8 MP 2,46 MP

Meine Meinung dazu: Speicherkarten sind heute so billig und haben so hohe Speicherkapazitäten, dass sie keinen Grund zur Verringerung der Auflösung bieten. Wenn JPG-Bilder erstellt werden, dann eigentlich nur im Format JPEG-L und mit höchster Auflösung, also mit der Einstellung ★★★ im Menü. Eine geringere Auflösung ist nur dann angebracht, wenn beim Continuous Shooting eine hohe Bildfrequenz sowie auch hohe Anzahl an Bildern während der Serienbelichtung zustande kommen soll.


Pentax K-1 II mit smc Pentax-M 1:2 85mm

Video Auflösung

Videos sind möglich im Format HD (1280 x 720 Pixel) mit bis zu 60 vollen Bildern pro Sekunde und Full HD (1920 x 1080) mit bis zu 30 vollen Bildern pro Sekunde. Im Halbbildverfahren, interlaced, werden auch 60 Aufnahmen erreicht.

Das Full HD Format ist längst Standard und ambitionierte Videofilmer nutzen inzwischen auch das 4K Format.

Ricoh hätte dieser Pentax ein bisschen mehr Video-Power zugestehen können. Wenigstens 60 volle Bilder pro Sekunde für Full HD oder auch 120 Bilder pro Sekunde wären zeitgemäßer.

Schwenkbares Display




Die Bildkontrolle über ein Display auf der Rückseite einer Kamera ist ein wesentliches Merkmal der digitalen Fotografie. Kann man es nach oben schwenken, bietet dies erhebliche Vorteile bei der bodennahen Fotografie oder an der Reprosäule sowie auch bei anderen Anwendungsmöglichkeiten, wo die bequeme Betrachtung des Displays wichtig ist.

Hält man eine Kamera an den ausgestreckten Arme nach oben, um beispielsweise über einen Zaun oder über eine Menschenmenge hinweg zu fotografieren, ist eine seitliche Schwenbkarkeit des Displays für Aufnahmen im Hochformat oder nach unten für das Querformat wichtig, um die Kamera leicht auf das Motiv auszurichten.

Die Pentax K-1 II erfüllt solche Wünsche mit einem raffinierten Mechanismus, den ich von anderen Herstellern so nicht kenne. Eine Display-Halterung lässt sich an vier verschiebbaren Streben in verschiedene Positionen etwas drehen und schwenken. Darüber hinaus kann das Display selbst von dieser Halterung stufenlos nach oben geklappt werden. Um das Display um 90° nach oben zu schwenken, muss seine Halterung an den Streben ein bisschen vom übrigen Gehäuse weggezogen werden.

Die hohe Flexibilität und weitgehende Verstellbarkeit ist sehr angenehm. Der filigrane Mechanismus lässt aber Zweifel an der Haltbarkeit aufkommen. Ob diese berechtigt sind, kann nur die Praxis zeigen und bislang habe ich in Foren über Fototechnik dazu keine negativen Meldungen gelesen.

Befindet sich die Kamera an einer Reprosäule mit Blick nach unten, wäre es gut, wenn das Bild auf dem Display um 180° drehbar wäre, weil man es sonst nur auf dem Kopf stehend sieht. Dieser Wunsch ließe sich über ein Firmware-Update sicherlich leicht realisieren. Ich bitte um Nachbesserung!


Pentax K-1 II mit smc PENTAX-FA 1:1.7 50mm Objektiv und etwas ausgeklapptem Display

Akkus

Die Stromversorgung der Pentax K-1 II erfolgt erfreulicherweise über Akkus, die schon von einigen Topmodellen für das APS-C Format bekannt sind, was die Koexistenz solcher Gehäuse in einer Fotoausrüstung vereinfacht, weil nicht unterschiedliche Akku-Typen geladen und mitgeführt werden müssen.


Links: Pentax K-1 II / Rechts: Pentax K-3 II. Die Akkus sind baugleich und liefern die gleiche Spannung und Strommenge.

GPS-Modul mit Kompass statt eingebautem Blitz

Der bei den meisten DSLR eingebaute, aufklappbare Blitz fehlt, um Platz für ein GPS-Modul mit Kompass zu erhalten. Es ermöglicht eine Standortbestimmung während des Fotografierens und fügt die Koordinaten den Exifdaten der Bilddateien hinzu. Diese Funktion ist nicht immer aktiv, sondern muss aktiviert werden und verbraucht dann auch Strom.

Astrotracer für die Astrofotografie



Das integrierte GPS-Modul befähigt die Pentax K-1 II bei längeren Belichtungszeiten zum Ausgleichen der scheinbaren Sternbewegung. Ricoh nutzt dazu den beweglichen Sensor (eigentlich für die Bildstabilisierung). Mit einem Klick auf das Bild gelangt man zu einer Seite mit einer näheren Beschreibung, die an dieser Stelle den Rahmen sprengen würde.

Pixel-Shift-Resolution

Die Pentax K-1 II Kamera hat einen Pixelshift-Modus. Dabei werden vier Aufnahmen gemacht, bei denen der Sensor um jeweils einen Pixel nach links, rechts, unten und oben verschoben wird. Damit werden die Nachteile der Bayer-Matrix ausgeglichen, durch welche die Hälfte der Rezeptoren grünes Licht misst und die andern zur Hälfte jeweils rotes und blaues Licht registrieren. Die kompletten RGB-Farbinformationen für alle 36 Millionen Pixel müssen deshalb durch eine Interpolation zu Stande kommen. Mit Pixel-Shift ist eine bessere Interpretation der Meßwerte möglich, um die Auflösung zu verbessern.

Die RAW-Dateien der Pentax PixelShift Resolution enthalten vier Einzeldateien. Der Dateicontainer trägt die übliche Endung DNG oder PEF der normalen RAW-Dateien, ist jedoch ca. 155 MB groß.

Was fehlt?

Eine Top-Kamera, die 2018 vorgestellt wurde, sollte einen Touchscreen haben, um auf dem Display antippen zu können, worauf die Kamera scharf stellt. Das bietet im LiveView Modus Vorteile, beispielsweise im bodennahen Bereich, wo der Einblick in den Sucher kaum möglich ist.


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