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Teleskop als Teleobjektiv

2015 © Thomas Gade

Index 1. Teleskop als Teleobjektiv
2. Welche Optik beim Linsenfernrohr (Refraktor) ?
3. Kamera richtig an das Teleskop anschließen
4. Das richtige Stativ

Linsenteleskope mit ED Objektiven


Ein Linsenfernrohr besteht aus einem Tubus, an dessen einen Ende sich ein Objektiv befindet und am anderen ein Okularauszug. Der Tubus ist ein hohles Rohr, das innen gegen Streulicht matt geschwärzt ist und am Rand, aber außerhalb des Strahlengangs der Optik, einige und umlaufende zusätzliche Streulichtblenden aufweisen kann. Diesen Teleskoptyp nennt man Refraktor im Gegensatz zum Spiegelteleskop, das man Reflektor nennt.

Im wesentlichen gibt es zwei verschiedene Refratortypen, nämlich den Achromaten und den Apochromaten. Zur Erläuterung des Unterschieds betrachten wir, was mit Licht passiert, das durch einen Glaskörper wandert.

Auffächerung eines Lichtstrahls in Regenbogenfarben beim Durchgang durch Glas


Strahlengang im Prisma

Zur Verdeutlichung stellen wir dar, wie Licht durch ein Prisma aufgefächert wird. Ein Lichtstrahl trifft auf zwei schräg zueinander stehende Glasoberflächen und wandert durch das dazwischen befindliche Glas. Auf der Austrittsseite sieht man den zuvor weißen Lichtstrahl in Regenbogen aufgefächert.

Dispersion-Optik



Betrachtet man den Querschnitt von Linsen, sieht man, dass wie beim Prisma zwei schräg zueinander stehende Glasoberflächen mit dem Glas dazwischen im Weg des Lichtstrahl sind. Er wird genauso gebrochen und aufgefächert wie vom Prisma. Der Grad der Auffächerung (Dispersion) ist abhängig von der Glassorte. Es gibt sogenannte 'Low dispersion' oder 'Extra low dispersion' Gläser, bekannt als LD oder ED Glas in Objektiven.

Beispiel für Farbsäume vom Objektiv ohne LD/ED Glas:

Noflexar 600mm
Foto mit Teleobjektiv ohne ED Glas
Farbsäume
Im Detail kann man die Farbsäume erkennen.

Achromatischer Refraktor

Der klassische Refraktor hat ein Objektiv aus zwei Linsen, die aus Kronglas und Flintglas bestehen. Dieses Design wurde Mitte des 18. Jahrhunderts erfunden und heißt Achromat. Das sekundäre Spektrum ist bei dieser Optik bedeutend stärker ausgeprägt, als beim modernen ED Refraktor. Für Feldstecher mit niedrigen Vergrößerungen sind achromatische Objektive völlig in Ordnung. Doch für hohe Vergrößerungen sind Öffnungsverhältnisse von 1:15 und mehr nötig, um störende Farbsäume an Kanten zu vermeiden. Das Öffnungsverhältnis ergibt sich aus dem Durchmesser des Objektivs und seiner Brennweite. Ein Objektiv mit einem Durchmesser von 60 mm und einer Brennweite von 900 mm hat ein Öffnungsverhältnis von 1:15.

Vixn 80L Refraktor
Refraktor Vixen 80L. Zweilinsiger Achromat mit 80mm Öffnung und 1200mm Brennweite (1:15)
Das klassische Linsenfernrohr mit achromatischem Objektiv ist verhältnismäßig lang und dünn. Durch die Bauart ist die Hebelwirkung auf das Stativ und den Kopf / die Montierung beträchtlich. Deswegen zittert das Bild bereits bei geringer Berührung oder etwas Wind.

Apochromatischer Refraktor


Durch die Verwendung anderer Glassorten zur Herstellung von Objektiven, konnte man das sekundäre Farbspektrum, also die farbigen Säume an Kanten, erheblich reduzieren. Allerdings war die Produktion solcher Glassorten sehr teuer und dementsprechend auch die damit hergestellten optischen Produkte. Beim apochromatischen Refraktor treten selbst bei hohen Vergrößerungen idealerweise keine Farbsäume auf. Dies vollständig zu realisieren ist praktisch kaum möglich, aber die sogenannten Apochromaten haben Objektive, die dies weitgehend erreicht haben.

Skywatcher ed 80
Sky-Watcher ED80. Zweilinsiger ED Apo mit 80mm Öffnung und 600mm Brennweite (1:7,5)
Der ED Apo ist erheblich kürzer als der klassische Achromat.

Exkurs - Preisentwicklung

Jahr Marke Bezeichnung Typ Öffnung/
Brennweite
Preis
2000 Vixen ED80S ED Apo 80/720mm 2990 DM / 1500 €
2000 Vixen ED 102S ED Apo 102/920mm 4990 DM / 2500 €
2000 Vixen 80M Achromat 80/910mm 990 DM / 500 €
2011 Sky-Watcher Pro ED 80 ED Apo 80/600mm 350 €
2014 Sky-Watcher Pro ED 80 ED Apo 80/600mm 600 €
2015 Sky-Watcher Pro ED 100 ED Apo 100/900mm 850 €


Anhand der Tabelle kann man erkennen, dass ED-Teleskope im Jahr 2000 sehr teuer waren. Ab 2003 kamen unter bis dato unbekannten Marken sehr billige Teleskope auf den Mark, die zunächst und häufig ungerechtfertigt als Chinaschrott bezeichnet wurden, jedoch kann man seit 2014 ein starkes Ansteigen der Preise für ED-Refraktoren wahrnehmen. Dennoch sind sie erheblich billiger als vor 15 Jahren.
Der momentane Preisanstieg zeigt vor allem die Schwäche des Euro. Ferner muss man berücksichtigen, dass beim aktuellen Kauf eines ED-Refraktors in der Regel ein stabiler Koffer, ein 2" Zenitprisma, ein lichtstarkes Sucherfernrohr und zwei Okulare nebst Rohrschellen und Prismenschiene im Angebot enthalten sind.

Achromat oder Apo zum Fotografieren?


Linsenfernrohre mit klassischen Objektiven (Achromat) bieten erst ab einem Öffnungsverhältnis von 1:12 eine Abbildung, die einigermaßen farbrein ist. Bei größeren Öffnungsverhältnissen treten störende Farbsäume auf. Daher sind fotografisch brauchbare Achromate verhältnismäßig lang und lichtschwach. In der Praxis ist ihre Brennweite mit meist über einem Meter bereits so lang, dass das Flimmern der Luft fast immer stört.


Mit ED Optiken kann man Objektive bauen, die bereits bei F 1:6 schon gute Farbkorrekturen ermöglichen. Solche Teleskope sind bei gleicher Öffnung kürzer und lichtstärker als günstige Achromate. Der Preis für ED Objektive (Apo oder dicht dran) ist mittlerweile so niedrig, dass man für ernsthafte fotografische Nutzungen nicht darauf verzichten sollte.



Test: Vergleichsaufnahmen mit diversen Teleobjektiven



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