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HD PENTAX-D FA 150-450mm F4.5-5.6 ED DC AW

Test / Erfahrungsbericht / review - 2020 © Thomas Gade


Pentax K-70 mit HD Pentax-D FA 150-450mm F4.5-5.6 ED

Das HD PENTAX-D FA 150-450mm ist ein leistungsstarkes Telezoom. Durch seine Größe, sein Gewicht und auch preislich gehört es nicht mehr in die Kategorie normaler Objektive, sondern bedient mit guter Lichtstärke einen anspruchsvollen Telebereich, der besonders für Sport- und Naturfotografen interessant ist. Seine variable Brennweite von 150-450 mm entspricht an einem APS-C Sensor kleinbildäquivalent 225-675 mm. Für seine 2,3 kg müssen Fotografen die nötige Tragkraft haben, um es mit der Kamera in der Hand zu halten oder zu Fuß bei Exkursionen mitzunehmen.


Drei Pentax Teleobjektive zum Größenvergleich:
HD Pentax-D FA 150-450mm, Pentax-DA* 300mm F4 ED und HD Pentax-DA 55-300mm PLM

Technische Daten

Hersteller Ricoh Imaging
Bezeichnung HD PENTAX-D FA 150-450mm F4.5-5.6 ED DC AW
Brennweite 150 - 450 mm (kleinbildäquivalent 225 - 675 mm)
Blende 4.5-5.6 bis 22-27
Nahgrenze 2.0 Meter
Filterdurchmesser 86 mm
Anschluss Pentax KAF3
Dichtung Gegen Staub und Feuchtigkeit
Gewicht des Tubus 2 kg ohne Sonnenblende, 2,3 kg mit Sonnenblende
Optik 18 Linsen in 14 Gruppen
Anzahl der Blendenlamellen 9
Produktionszeitraum ab 2015
Preis 10/2020 ca. 2100 €


Das Pentax DFA 150-450mm Telezoom mitsamt einer Pentax K-1 II DSRL wiegt über 3 kg und ist fast zu schwer für die freihändige Fotografie. Ein gutes Stativ sollte die Kombination tragen. Die Bilder gelingen vom Stativ besser mit ausgeschalteter Bildstabilisierung.

Sonnenblende


Weiche Gummisonnenblende statt Hartplastik

Das Verwenden der Sonnenblende ist empfehlenswert, um seitliches Streulicht zu blockieren, das sonst in den Tubus einfällt und durch Reflexion die Bildqualität verringern kann.

Mir gefallen große Sonnenblenden aus Hartplastik nicht. Sie machen Objektive unhandlich und stoßempfindlich. Das häufige Abmachen und umgekehrt wieder Anbringen für den Transport oder als Sonnenblende empfinde ich als unbequem und als überflüssige mechanische Belastung des Objektivs. Daher verwende ich flexible weiche Sonnenblenden aus Gummi, die trotz ihrer kürzeren Bauweise ausreichend Schatten für die vergütete Optik spenden. Sie lassen sich leicht zusammenfalten und bieten an der Vorderseite einen Prallschutz.

Die mitgelieferte lange Sonnenblende ist allerdings vorzuziehen, wenn durch Abkühlung der Luft eine Taubildung auf der Frontlinse entgegen gewirkt werden sollt.



Zoom Lock Schalter

Trägt man das Objektiv mit nach unten gerichteter Frontlinse, kann der vordere Tubusteil durch sein Gewicht allmählich ausfahren. Um das zu vermeiden, stellt man die Brennweite auf 150mm und blockiert den Zoommechanismus mit dem Zoo Lock Schalter.

Focus Range Limiter

Der Focus Limiter dieses Objektivs hat drei Einstellungen: Full, 2-6m und 6m-∞. Diese Optionen sind extrem wichtig für den flotten Autofokus langer Brennweiten. Beschränkt man den Scharfstellbereich von 6m bis Unendlich, werden die außerhalb dieses Bereichs liegenden Entfernungen gar nicht berücksichtigt. Das ist bsp. gut beim Fotografieren von fliegenden Vögeln, die den Autofokus häufig verwirren. Die Vorgabe eines eingeschränkten Einstellbereichs verhindert die Suche nach der besten Schärfe in Entferungsbereichen, die gar nicht in Frage kommen.

AF Schalter und Preset Schalter

AF Cancel wird genutzt, um den Autofokus durch die Kamera zu deaktivieren. Preset Mode wiederholt eine gespeicherte Scharfeinstellung. AF aktiviert den Autofokus.

AF Druckschalter

Am Ring mit den Schaltern gibt es rundum in 90° Schritten vier zusätzliche runde Druckschalter, die den Autofokus auslösen. Sie erfüllen die gleiche Funktion, wie der halb eingedrückte Auslöser am Kameragehäuse.

Stativfuß

Zum Objektiv gehört ein abnehmbarer Stativfuß, der unterwegs auch als Tragegriff fungiert. Er ist an einer drehbaren rundumlaufende Schelle (Ring) befestigt, der ein Umschalten vom Quer- zum Hochformat ermöglicht.


Im Einsatz an einer Pentax K-70 auf einem Stativ. Anstelle der starren lange Sonnenblende wurde eine kürzere und flexible Modell aus Gummi genommen, die beim Pirschen durch Gestrüpp dem Objektiv vorderseitig einen Prallschutz bietet.

Was leistet dieses Objektiv bei 450 mm und Blende 5,6?

Für viele Fotografen ist vor allem die Leistung am langen Ende wichtig, weil die kürzeren Brennweiten auch mit kompakten Telezooms bedient werden können. Die Frage, wie gut dieses Zoomobjektiv mit der längsten Brennweite bei voller Öffnung abbildet, ist daher von großer Bedeutung. Ihre Antwort entscheidet, ob sich eine darüber hinausgehende Betrachtung überhaupt lohnt.


Haubentaucher mit erbeutetem Fisch. Entfernung ca. 5 Meter.
360mm Brennweite, Blende 7.1, 1/800 sec, ISO 1600, Pentax K-70

Wenige Meter neben meinem Boot kam ein Haubentaucher mit einem erbeuteten Fisch an die Wasseroberfläche. Ich fotografierte ihn mit 360 mm Brennweite und Blende 7.1 mit ISO 1600 mit einer Pentax K-70. Auf wenige Meter Distanz ist die Schärfentiefe so gering, dass durch die Bewegung des Vogels und das Schaukeln meines Bootes ständig Entfernungsveränderungen zustande kommen, die nur selten eine optimale Schärfe zu lassen. Jedoch ist die Trefferquote ordentlich und Bild zeigt, was unter solchen Umständen mit der verwendeten Technik möglich ist.


Ausschnitt aus dem Bild. Die Abbildungsqualität ist sehr gut.

Ab welcher Blende scharf?


Pentax K-70 mit HD-Pentax D-FA 150-450mm. Eingestellt: 450 mm. Fernsehantenne auf einem Hausdach

Für den Vergleich wartete ich auf eine Lücke in den Wolken, um direkten Sonnenschein zu nutzen. Die Bilder sollen zeigen, ob und wie stark bei diesem Motiv Farbsäume bei voller Öffnung auftreten und auch die Schärfe im Vergleich mit Blende 8.

450mm / Blende 5.6
Bereits mit offener Blende ist die Abbildung gut. Allerdings muss dafür die Schärfe präzise eingestellt sein, sonst befindet sich das Motiv außerhalb der Schärfentiefe. Das Bild wurde nicht geschärft. Digital können der Schärfeeindruck und die Detaildarstellung verbessert werden.


450mm / Blende 8
Mit Blende 8 ist die Abbildung mit 450 mm Brennweite deutlich verbessert und erreicht ihr Maximum. Um diese Leistung zu nutzen, darf die Luft nicht flimmern.

Bereits bei offener Blende bildet dieses Objektiv schon gut ab. Leichtes Abblenden verbessert die Abbildungsqualität noch. Eine Darstellung der Abbildungsleistung mit kürzeren Brennweiten erspare ich mir. Sie ist insgesamt sehr gut und erreicht ihr Maximum jeweils eine Blendenstufe unter der vollen Öffnung.

Chromatische Abberrationen

Bereits bei voller Öffnung treten Farbsäume am APS-C Sensor kaum auf. Die Objektivkorrektur von Adobe oder DxO PhotoLab kann minimale Verzeichnungen und Farbsäume automatisch stark reduzieren.



Die Strukturen eines Kraftwerks, teilweise direkt vor einem blauen Himmelshintergrund, eignen sich gut, um Verzeichnung zu erkennen und auch Farbsäume an kritischen Kanten. Die geometrischen Strukturen der freistehenden Treppe auf der linken Bildseite vor dem Himmel sind besonders prädestiniert, um farbige Kanten vor dem homogenen Hintergrund erkennbar zu machen.

Legen Sie bei diesem Bild die Schärfe nicht auf die Goldwaage, weil vom Kohlekraftwerk immer etwas Wärme aufsteigt und die Luft etwas wabert. Es geht um die Farbsäume.

Bei dieser Aufnahme mit 450 mm Brennweite und Blende 6.3 sind beim Pixel Peeping am Gerüst moderate farbige Kanten erkennbar. Die automatische Korrektur mit Programmen von Adobe oder DxO PhotoLab 3, basierend auf konkreten Profilen für dieses Objektiv, minimiert die Abbildungsfehler.


Zwei Ausschnitte von 400x400 Pixel. Links ohne Objektivkorrektur in Adobe Photoshop CC, rechts mit.

Bokeh

Selten äußere ich mich zum Bokeh eines Objektivs. Gemeint ist damit die Darstellung der unscharfen, verschwommenen Bildbereiche. Beim Betrachten einiger Ergebnisse mit dem 150-450 mm Zoomobjektiv empfand ich den Hintergrund jedoch bemerkenswert.


Kraniche auf Maisfeld. 410mm, Blende 5.6


Kraniche auf Maisfeld. 450mm, Blende 5.6

Die Fotos zeigen Kraniche auf Maisfeldern. Die Schärfentiefe ist gering auf den ganzen Bildern, die hier nur angeschnitten gezeigt werden. Sowohl der Vordergrund als auch den Hintergrund sind auf den Bildern unscharf. Die Kraniche sind nur in einem schmalen Entfernungskorridor scharf. Der unscharfe Hintergrund ist bei diesen Motiven durch deformierte Zerstreuungskreise relativ unruhig.


Fliegende Kaniche. Ausschnitt aus einem Bild. 450mm / Blende 5.6

Unruhiger Hintergrund mit Kringeln im Laub eines Baumes.


Silberreiher im Linumer Teich. 450mm, Blende 7.1

Schöner Unschärfeverlauf. Die weißen Stippen auf dem Wasser im Vordergung sind treibende Gänsefedern.


Gelbe Blüte der Topinambur. 160mm / Blende 7.1. Zwei Meter Entfernung

Bei diesem Bild sind keine unruhigen Kringel im Hintergrund erkennbar. So etwas nennt man chremiges Bokeh.

Wer mit diesem Objektiv arbeitet, sollte seine Abbildung im unscharfen Bereich anhand einiger Testaufnahmen vergleichen, um die jeweiligen Effekte bereits beim Fotografieren berücksichtigen zu können.

DFA 150-450mm needs repair

Bei allem Lob soll ein Wermutstropfen nicht unerwähnt bleiben. Im pentaxforum.com berichteten mehrere Nutzer, dass sich ihre 150-450mm Objektive ohne erkennbar Ursache in zwei Teile trennten. "The entire outer housing (for lack of a better word) came off yesterday! Never dropped, never abused..." Ob das nur bei einigen frühen Modellen auftrat und ein eventueller Kontruktionsmangel behoben wurde, ist mir unbekannt. Ricoh bietet eine 2-jährige Garantie. Sicherheitshalber sollte man einen Händler suchen, der eine verlängerte Garantie anbietet.

Fazit

Scharfes Objektiv! Dieses 150-450mm Telezoom liefert bereits mit offener Blende eine exzellente Bildqualität. Mehr als eine Blende muss man definitiv nicht abblenden, um die maximale Leistung zu erhalten.

Bei 450 mm finde ich Blende 7.1 am vorteilhaften. Mit ISO 1600 sind damit noch kurze Belichtungszeiten für bewegte Motive erzielbar, während die Bildqualität nahe am Maximum ist. Aber auch mit Blende 5,6 werden die Bilder gut. Empfehlenswert ist in jedem Fall die Nutzung einer automatischen Abbildungskorrektur, die entweder in der Kamera zu aktivieren ist und/oder im RAW-Konverter.

Der Autofokus arbeitet an meiner Pentax K-3 II und K-70 sehr gut. Die Bildstabilisierung funktioniert selbst bei längster Brennweite hervorragend. Fotos mit 450mm sind bei Tageslicht und ISO 400 problemlos aus der Hand zu machen.



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