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smc PENTAX-DA* 300 mm F4 ED [IF] SDM

Test / Erfahrungsbericht / review - 2019 © Thomas Gade


Pentax K-3 II mit smc Pentax-DA* 300mm F4 ED [IF] SDM Teleobjektiv und 1.4x Telekonverter auf SIRUI Stativ

Technische Daten

Hersteller Ricoh
Bezeichnung smc Pentax-DA* 300mm F4 ED
Preis 10/2020 ab 1100 €
Brennweite 300 mm
Blende 4 bis 32
Nahgrenze 1,4 m
Filterdurchmesser 77 mm
Gewicht des Tubus Tubus: 1070 g / Sonnenblende 90 g / Stativfuß: 80 g
Anschluss KAF2
Anzahl der Blendenlamellen 9
Produktionszeitraum seit 2008


Pentax K-3 mit smc Pentax-DA* 300mm F4 ED Teleobjektiv

Optische Qualität

Zum Vergleich langer Brennweiten fotografiere ich von meinem Balkon ein ca. 600 Meter entferntes Hausdach mit zwei Fahnenmasten und einer Kuppel. Siehe: Teleobjektive - Vergleich


Das Testmotiv mit 300mm

Ich verglich das Abbildungsvermögen des Pentax-DA* 300mm F4 ED Teleobjektivs mit meinem Sigma Apo AF 300mm F4, das mir seit Jahren gute Dienste leistet sowie mit dem Pentax DA 55-300mm Telezoom, welches in seiner Preisklasse einen guten Ruf hat.

Ausschnitte 800 x 533 Pixel / Es erfolgte keine Schärfung der Bilder.


Pentax DA 55-300mm / auf 300mm und Blende 5,8


Pentax DA 55-300mm / auf 300mm und Blende 8

Das preiswerte Telezoom ist am langen Ende mit voller Öffnung (5,8) und mit Blende 8 brauchbar, aber mit einem 24 MP / APS-C Sensor nicht mehr richtig scharf.


Sigma Apo AF 300mm F4 - Blende 5,6


Pentax DA* 300mm F4 ED - Blende 5,6

Mit Blende 5,6 ist die Leistung der beiden Festbrennweiten Pentax-DA* 300mm F4 ED und Sigma Apo Af 300mm F4 sehr gut und nahezu gleich. Beide sind deutlich besser als das Pentax-DA 55-300mm.

Vergleich der 300mm Festbrennweiten mit Blende 4 in der Ecke links oben


Sigma Apo AF 300mm F4 mit Blende 4. Ausschnitt aus der Ecke links oben.

Das Sigma Apo AF 300mm F4 zeichnet in den Ecken etwas weicher als das Pentax DA* 300mm F4 ED. Kombiniert man das Sigma Apo AF 300mm F4 mit einem Telekonverter tritt die Schwäche stärker zutage. Das Sigma Apo AF 300mm F4 übetrifft das Pentax DA 55-300mm im äußeren Telebereich um Längen. Aber die Optik des Pentax DA* 300mm ist einen Tick schärfer.


Pentax DA* 300mm F4 ED mit Blende 4. Ausschnitt aus der Ecke links oben.

Der Ausschnitt zeigt eine etwas kontrastreichere und schärfere Darstellung der Details. Der Unterschied ist nicht stark, könnte aber sichtbar sein, wenn es um feinste Details geht.

Blende 4 mittig


Sigma Apo AF 300mm F4 - mit Blende 4


Pentax-DA* 300mm F4 ED mit Blende 4

Die Abbildungsqualität des Pentax-DA* 300mm Teleobjektivs ist bereits bei voller Öffnung sehr gut. Die Schärfe stimmt und Farbsäume treten kaum auf. Das Sigma ist bei voller Öffnung schwächer.

Die beiden Festbrennweiten übertreffen das Pentax DA 55-300mm Telezoom deutlich am langen Ende. Der Unterschied zwischen dem Sigma Apo AF 300mm F4 und dem Pentax DA* 300mm ist ab Blende gering, aber beim genauen Hinsehen sichtbar. In der Praxis kann der geringe Abstand durch geschicktes Schärfen verringert werden.

Ohne Bildbeispiele: Das Pentax-DA* 300mm F4 ED liefert auch mit einem 1,4x Telekonverter von Kenko eine gute Bildqualität, die durch leichtes Abblenden gesteigert wird. Das alte Sigma verträgt sich mit dem Telekonverter nicht ganz so gut.

Zwei Autofokus-Antriebe

Eine gute Abbildungsleistung ist nur eine Seite der Medaille und nützt nur etwas, wenn beim Fotografieren präzise scharf gestellt wird. Das gilt besondere für starke Teleobjektiven, die mit großen Öffnungen nur eine geringe Schärfentiefe anbieten. Wenn das Autofokussystem schwächelt und nicht schnell genug reagiert, versagt die beste Optik.

Das Pentax DA* 300mm enthält einen eigenen Motor namens SDM zum fast lautlosen und schnellem Scharfstellen. Darüber hinaus hat es auch den herkömmlichen Stangenantrieb, der mit einem Autofokus Motor im Kameragehäuse gekuppelt wird.

Es ist daher sowohl mit modernen Gehäusen kompatibel, die den SDM unterstützen, aber auch mit alten, die nur den Stangen-AF anbieten. Leider ist es in den Menüs moderner Kameras nicht möglich, statt SDM auf die Stange umzuschalten.

Es kann aber Vorteile haben, auf SDM zu verzichten und ausschließlich die Stange zu benutzen. Beispielsweise, wenn bereits ein guter Telekonverter vorhanden ist, der nicht mit SDM kompatibel ist. Darüber hinaus hat SDM auch eine Achillesferse, die in den einschlägigen Foren einige Diskussionen hervorgerufen hat und Ricoh veranlasste, bei neueren Objektiven einen anderen internen Antrieb zu verbauen.

Der SDM wird nämlich bei längerer Nichtbenutzung träge. Es kommt vor, dass er nach dem Betätigen des Auslösers gar nicht oder mit einer deutlichen Verzögerung reagiert. Wenn er jedoch arbeitet, dann stellt er rasch scharf. Aber die Verzögerungen sind störend. Bei einem häufig genutzten Objektiv mag das keine Rolle spielen, aber ein schweres 300 mm Teleobjektiv wird oft nur saisonal benutzt. Wenn es deshalb vor einem einem fotografischen Einsatz Training benötigt, um dann einigermaßen flott und zuverlässig zu reagieren, ist das ärgerlich. In den Foren berichten manche vom SDM genervten Anwender, dass sie ihre Objektive zum Service schickten, um vermeintliche Defekte zu beheben. Häufig wurden die SDM Motoren ausgetauscht, was das Problem nicht dauerhaft behob und rund 200 € kostete.

SDM deaktivieren

Die Pentax Nutzer fanden deshalb einen Weg, um SDM auch für moderne Gehäuse zu deaktivieren, um ihren Stangen-AF zu aktivieren. 

Dazu muss man die Software im Objektiv modifizieren. Möglich ist dies mithilfe älterer DSLRs von Pentax, die dazu in einen Debug-Modus versetzt werden. Das betreffende Objektiv ist dabei an das Gehäuse montiert.

SDM ausschalten und Stangen-AF aktivieren

Die Schritte mit einem Pentax K100D Gehäuse:

1. Einlegen einer leeren SD Karte
2. Beim Einschalten werden die Tasten INFO und AE-L gedrückt.
3. Innerhalb von 5 Sekunden danach ist zu drücken: MENU, MENU und INFO
4. Es öffnet sich der Debug-Mode. Man muss ihn in der ersten Zeile einschalten. Statt dis (disable) steht dann dort en (enable)
5. Drücke einmal: MENU
6. Lens Eprom R/W wählen und auf OK drücken.
7. Eine neue Liste öffent sich. Darin zu LENS EPROM STORE navigieren und OK drücken.

Die Kamera schreibt nun die Firmware des Objektivs auf die SD Karte.
Die Datei heißt: LENSEEP.LNS

8. SD Karte entnehmen. Die Datei LENSEEP.LNS wird als Original kopiert und so gespeichert, dass man sie wiederfindet und weiß, dass sie die originale Firmware des Objektivs ist, für den Fall, dass man sie wieder verwenden möchte.
9. Endung LNS durch TXT ersetzen. Öffnen der Datei mit Notepad.
10. In der Spalte 03 werden alle "C0" durch "80" ersetzt.
11. Die Datei wird gespeichert und die Endung wieder in LNS umbenannt. Einlegen der SD-Karte in die Kamera.
12. Schritte 2, 3, 5 und 6 wiederholen.
13. LENS EPROM LOAD wählen und OK drücken. Vorgang abwarten bis 'complete' angezeigt wird. Kamera ausschalten.
14. Schritt 2 und 3 wiederholen
15. Im Debug-Mode wird 'en' wieder auf 'dis' eingestellt und der Debug-Mode mit 'Exit' verlassen.
16. Kamera ausschalten

Das Objektiv wird nun mit allen Kameras über die Stange scharf gestellt. SDM ist nicht mehr ansprechbar. Leider ist der Stangenautofokus relativ laut und wirkt recht altertümlich.

Kein Focus Limiter!

Wie man bei diesem Objektiv auf einen Focus-Limiter verzichten konnte, ist nicht nachvollziebar. Zum hochwertigen 300mm Teleobjektive gehört auf jeden Fall ein Schalter, um den Scharfstellbereich einzugrenzen. Werden beispielsweise fliegende Vögel am Himmel fotografiert, die den Autofokus verwirren, neigt er dazu, vom Nahbereich bis in die Ferne nach scharfzustellenden Motiven zu suchen. Ein mehrmaliges Durchlaufen des gesamten Einstellbereichs belastet die Mechanik und dauert zudem lange. Besser ist es, dann den Nahbereich ausklammern zu können oder umgekehrt für Nahaufnahmen den Fernbereich zu deaktivieren.

Beim Pentax-DA* 300mm F4 ED wurde auf diesen Schalter verzichtet. Das kann fotografische Situationen anstrengend werden lassen, in denen der Autofokus Mühe hat, das gemeinte Motiv zu identifizieren, um es scharf zu stellen. Hat es von fern auf nah umgestellt, verharrt es dort ein Weilchen, bis es sich dazu bequemt, es nochmals am anderen Ende zu versuchen. Grausam!

Im Gegensatz dazu bietet das HD Pentax-D-FA 150-450mm Telezoom gleich drei Einstellbereiche an (Full, 2-6m, 6m-∞).

Die fehlende Möglichkeit, den Fokussierbereich begrenzen zu können, wertet dieses Objektiv leider stark ab.


Dieser Fasan trappelte auf einem Feld wenige Meter von mir entfernt vorbei. Nur zweimal löste die Pentax K-3 in mehreren Sekunden aus während der Autofokus mehrmals den gesamten Scharfstellbereich durchlief. Keines der beiden Fotos wurde scharf. Ärgerlich, weil der Fasan rasch wieder verschwunden war. Eine verpasste Gelegenheit.

Zwischen Hoffen und Bangen

Das Fotografieren von Motiven in Bewegung, wie fliegende Vögel oder ein über das Feld laufender Fasan, ist in Kombination mit einer Pentax K-3 möglich, aber die Trefferquote ist miserabel. Der Autofokus reagiert einfach zu langsam und stellt nicht das gewünschte Motiv scharf. Ich habe deshalb einige einmalige Fotosituationen verpasst.

Mit der Pentax K-70 geht es etwas besser, aber nicht wirklich gut. Im Internet gibt es von Naturfotografen lobende Worte für das Pentax DA* 300mm F4 ED und sie zeigen schöne Bilder auf ihren Webseiten oder auf einschlägigen Fotoplattformen. Man erfährt nicht, wieviele Fotos wegen des lahmen AF mißlangen, aber wohl nicht ohne Grund liest man gelegentlich den Hinweis, dass diese Kombination nicht so gut für sportliche Ereignisse geeignet sei.

Für Porträts, Architektur, Zoo, Landschaft und andere Situationen, die einen Autofokus nicht so stark fordern, ist das Pentax DA* 300mm F4 ED sehr gut geeignet. Wer aber einen schnellen, treffsicheren Autofokus für aktionsreiche Momente braucht, sollte eine Alternative suchen.

Fazit

Beim Pentax DA* 300mm fällt es mir schwer, meine positive Haltung zur Marke aufrecht zu erhalten. Seine Optik ist sehr gut, während der träge Autofokus mit fehlendem Focus-Limiter enttäuscht. Ich halte diese 300mm Festbrennweite für eine schlampige Konstruktion. Ricoh sollte eine verbesserte Version herausbringen.

Verlassen Sie sich nicht auf dieses Objektiv bei einer flotten Sportveranstaltung. Jenseits schneller Actionfotografie ist es jedoch sehr gut. Zum Neukauf kann ich nicht raten; mit seinen Mängeln ist es den Preis nicht wert. Im sehr guten Zustand auch zweiter Hand ist es bis ca. 600 € akzeptabel.

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