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Sony α6700 E-Mount Systemkamera

2024 © Thomas Gade

Sony α6300 Sony α6700




Die Sony α6700 ist eine spiegellose Systemkamera mit einem Sensor im APS-C Format. Er bietet wegen des Crop-Faktors Vorteile, wenn lange Brennweiten gefragt sind. Man kann entgegensetzen, dass manche Vollformat-Sensoren über 40 Megapixel haben und deutlich mehr Spielraum für kleine Ausschnitte bieten, aber trotzdem sind die Objektive größer und jene mit entsprechender Auflösung auch ziemlich teuer.

Ich mag große Schärfentiefe, die leichter mit kleinen Sensoren zu haben ist. Andere Fotografen, die mit offener Blende bewusst eine geringe Schärfentiefe als Stilmittel einsetzen, ziehen das Vollformat vor.

Systemkameras nutze ich vor allem zum Fotografieren und kaum zum Filmen. Deshalb nehme ich wahr, dass die Sony Alpha 6700 4K-Videos mit 120 pro Sekunde aufnehmen kann, finde es aber nicht wichtig. Wer sich stärker für Videos interessiert, beurteilt das anders.

Sony α6300 versus Sony α6700

Was kann die Sony Alpha 6700 fotografisch besser als die Sony Alpha 6300? Der Unterschied zwischen 24 und 26 Megapixel ist zu gering, um relevant zu sein. Die neue Kamera hat 759 versus 594 Phasenvergleich-Autofokuspunkten. Das Display der neuen Version hat eine etwas höhere Auflösung. Die elektronischen Sucher bieten jeweils 2,36 Megapixel. Als maximaler ISO-Wert kann bei der Alpha 6700 ISO 102.400 eingestellt werden, während bei der Alpha 6300 bei ISO 51.200 Schluss ist. In beiden Fällen sind das Werte, die keine brauchbaren Bilder mehr liefern. Beide haben Autofokus-Tracking.

Die Belichtungszeiten von 1/4.000 bis 30 s sind gleich, nur beim elektronischen Verschluss ist die Alpha 6700 mit 1/8000 Sekunde schneller. Statt bei -1 EV beginnt bei der Alpha 6700 der Autofokus bei -2 EV.  

Relevante Vorteile

Am wichtigsten sind folgende Unterschiede:  Die Sony Alpha 6300 hat noch keine interne Bildstabilisierung, während die Alpha 6700 eine 5-Achsen-Bildstabilisierung enthält. Außerdem bietet die jüngere Kamera Focus Bracketing an, also das Erstellen einer Bilderserie mit von Bild zu Bild minimal veränderter Fokussierung, um aus dem Bilderstapel anschließend per Focus Stacking ein Foto mit erheblich größerer Schärfentiefe zu errechnen, als mit einer einzigen Aufnahme zu realisieren wäre.  Die Alpha 6700 einen größeren Akku, der entsprechend länger durchhält. Dafür ist die Kamera knapp 20 % schwerer und dicker als die ältere Version.

Technische Daten

Hersteller Sony
Bezeichnung Sony α6700 / alpha 6700
Einführung Juni 2023
Typ Systemkamera ohne Schwingspiegel (DSLM)
Format APS-C (23,6 x 15,8 mm)
Bildforamte JPG, HEIF, RAW
Film 4K bis 120 fps / Full HD bis 120 fps
Belichtungszeit 1/4000 bis 30 Sekunde
Blitzsynchron 1/160 s
Auflösung 6192 - 4128 (26 MB)
Bildstabilisator ja, Sensor-Shift
Gewicht 493 g betriebsbereit
Abmessungen 120 x 67 x 49 mm
Akku NP-FZ100 mit 7,2V und 2280mAH
Preis Gehäuse 1500 € (Juni 2024)


Blick auf das Bajonett und den Sensor

Elektronischer Sucher



Der Videosucher mit 2.359.296 Bildpunkten und 100 % Bildfeldabdeckung ist alltagstauglich. Er hat einen Vergrößerungsfaktor von 1,07-fach und einen Dioptrienausgleich von -4,0 bis 3,0 dpt. Der Sucher wird seit der Sony Alpha 6300 mit 2,4 Megapixeln angeboten und ist inzwischen das 5. Modell aus der Reihe mit dieser Auflösung. Hier wäre ein Update fällig gewesen.


Aufgeräumte Rückseite mit typischen Bedienelementen.


Offene Klappe am Fach für den Akku.


Akku in der Kamera laden

Der Akku kann in der Kamera geladen werden. Ein externes Ladegerät ist mir lieber, das leider nicht zum Lieferumfang gehört. Im Sony-Shop kann es separat für 79,99 € erworben werden. Ein zweiter Akku kostet 65 €. Viel Geld. Deswegen werden viele Fotografen wohl alternative und viel billigere Sets aus Akkus und Ladegerät erwerben.

Kein Infrarot Empfänger

Der Infrarot Empfänger zur Fernauslösung, der in den früheren Modellen vorhanden war, wurde bei der Sony Alpha 6700 gestrichen. Die Multi-USB Buchse, u.a. für den Kabelauslöser, wurde durch einen USB-C Steckplatz ersetzt. Per Smartphone und App oder Bluetooth Fernbedienung lässt sie sich noch auslösen. Es ist aber schade um die simple Infrarot Lösung.


Größenvergleich: Sony a6700 mit 18-135mm Zoom neben einer Olympus OM-D E-M1 III mit Panasonic Lumix 14-140mm

Fokus Bracketing

Die Sony Alpha 6700 hat endlich Fokus Bracketing, um Bilderserien zum Focus Stacking aufzunehmen!


Einzelfoto mit Sony 90mm Makroobjektiv


Mehr Schärfentiefe durch Fucus Stacking

Klapp- und schwenkbares Display



Das Display der Sony Alpha 6700 ist nicht mehr nur nach oben und unten zu klappen, wie bei den Vorgängern, sondern kann zu Seite geschwenkt und gedreht werden.

Speicherkartenslot

Speicherkarten haben seitlich ein eigenes Fach und stecken nicht mehr wie bei den Vorgängern im Akkuschacht.

High ISO Performance

Ein wichtiger Fortschritt, den ambitionierte Fotografen erwarten, sind deutliche Steigerungen des High ISO Potenzials. Insbesondere weil eine Reihe Smartphones mittlerweile exzellente freihändige Nachtaufnahmen ermöglichen und Systemkameras hier frühere Vorteile nicht verlieren dürfen. Wie sich die Sony α6700 schlägt, zeigt unsere ISO Reihe.

Bewertung

Die Sony α6700 dürfte vor allem Fotografen und Filmemacher ansprechen, die ein kompaktes und leichtes Gehäuse bevorzugen.  Mit dem Sony E 18-135 mm Zoomobjektiv  entsteht eine Kombination, die ins Urlaubsgepäck passt und auch in der Schultertasche beim Fahren mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder mit dem Fahrrad kaum stört. HEIF ist ein attraktiver Kompromiss zwischen JPEG und RAW. Makrofotografen werden die Fokus Bracketing Funktion begrüßen.

1500 € (Juni 2024) sind jedoch eine Menge Geld für ein Sony Alpha 6700 Gehäuse ohne Objektiv. Dafür hätte man in einer Kamera aus 2023 gerne einen besseren elektronischen Sucher mit höherer Auflösung sowie eine ausführliche Bedienungsanleitung und ein Ladegerät im Lieferumfang. Der Autofokus sollte mit weniger Licht auskommen. Der Verzicht auf einen Infrarot Empfänger ist eine unnötige Schwäche.

Zunehmend problematisch für diesen Kameratyp sind Smartphones mit immer besseren fotografischen und filmischen Fähigkeiten in einer kleinbildäquivalenten Spanne von 15 mm (Ultraweitwinkel) bis etwa 200 mm Brennweite, die Ansprüche vieler Nutzer vollständig erfüllen. Smartphones sind heutzutage ein Muss. Angehörige der Zielgruppe für diese Kamera haben ihre Smartphones immer dabei. Durch kurze Produktzyklen werden Spitzengeräte aus dem Vorjahr zu attraktiven Preisen verkauft.

Das Preis-/Leistungsverhältnis aktueller Systemkameras ist im Verhältnis zum Smartphone heute nicht mehr so attraktiv wie noch vor zehn Jahren. Außerdem fragt sich jemand mit einem guten Smartphone, ob eine Drohne oder eine neue Actioncam mehr Spaß macht als eine neue Systemkamera. Dazu kommen zahlreiche leistungsstarke Systemkameras im sehr guten Zustand aus zweiter Hand, die günstig zu haben sind. Für weniger als 1900 € (Kitpreis Sony a6700 mit 18-135mm Zoom) sind dort richtig gute Vollformat-Systemkameras mit Objektiven erhältlich.

Wer automatisches Focus Bracketing durch die Kamera und Zeitlupe bei 4K nicht benötigt, wird eventuell zwischen früheren Modellen und der Sony Alpha 6700 keinen so großen Unterschied entdecken, dass sich ein Upgrade lohnt.

Die Sony Alpha 6700 gefällt mir gut, aber in diesem Bereich fehlt ein ähnliches Produkt mit einem guten 18 bis über 100 mm Zoomobjektiv für knapp 1000 €, um mehr Smartphone-Usern, die zunehmend auf weitere Technik verzichten, einen Kaufanreiz zu bieten.

... weiterblättern: Bildqualität bei verschiedenen ISO-Werten

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