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Gradationskurve

Juli 2005 © Thomas Gade

Gradationskurve I

Gradationskurve II



Die Gradationskurve ist zunächst eine diagonale Linie von links unten nach rechts oben in einem quadratischen Feld. Links neben und unterhalb des Feldes befinden sich Tonwertskalen, die von Schwarz nach Weiß verlaufen. In der Mitte der unteren Skala befindet sich ein kleines Schaltfeld mit einem weißen und einem schwarzen Dreieck. Damit lässt sich festlegen, ob die Skala links mit Schwarz oder Weiß beginnt. Mit ihr lassen sich Helligkeit, Kontrast und Tonwerte sehr gezielt beeinflussen.

Warum sieht die Gradationskurve so merkwürdig aus? Wäre ein Satz verschiebbarer Regler – ähnlich einem Audio-Equalizer – nicht verständlicher? Der Grund liegt in der Geschichte der Fotografie. Die Entwickler der Bildbearbeitungsprogramme orientierten sich nicht an Audiotechnik, sondern an den Gradationskurven, wie sie jahrzehntelang in den Datenblättern von Filmen, Fotopapieren und Entwicklern veröffentlicht wurden. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts waren Fotofachleute damit vertraut. Die digitale Gradationskurve übernahm deshalb bewusst diese Darstellungsform. Dabei ist es bis heute geblieben.

An den beiden Enden der Diagonale befinden sich Punkte, die mit gedrückter linker Maustaste verschoben werden können. Zusätzlich lassen sich durch Mausklick weitere Punkte auf der Linie erzeugen. Für die folgenden Beispiele werden jedoch ausschließlich die beiden Endpunkte verwendet.

Ebenso wichtig ist das Histogramm mit seinen verschiebbaren Schwarz-, Weiß- und Mitteltönen. Jede Veränderung der Gradationskurve wirkt sich unmittelbar auf das Histogramm aus. Es zeigt als Grafik die Verteilung der Helligkeitswerte im Bild. Links liegen die dunklen Tonwerte, rechts die hellen. Je höher ein Bereich im Histogramm ist, desto häufiger kommt dieser Tonwert im Bild vor.

Deshalb blenden die meisten Bildbearbeitungsprogramme das Histogramm direkt im Fenster der Gradationskurve ein. Häufig steht zusätzlich auch ein separates Histogramm zur Verfügung. In den folgenden Beispielen ist es jeweils innerhalb der Gradationskurve dargestellt.


Das Bild mit den Mohnblumen enthält Tonwerte vom tiefen Schwarz bis zu sehr hellen Bereichen. Der Schwerpunkt liegt jedoch bei den dunklen und mittleren Helligkeiten. Die Gradationskurve verläuft zunächst als Diagonale von der linken unteren Ecke (Schwarz) zur rechten oberen Ecke (Weiß).


Wird der rechte Endpunkt der Gradationskurve bis zur Mitte nach unten gezogen, entfallen alle Tonwerte zwischen Mittelgrau und Weiß. Das Bild besteht anschließend nur noch aus Tonwerten zwischen Schwarz und Mittelgrau. Gleichzeitig wird das Histogramm auf die linke Hälfte zusammengedrückt.


Hier wurde der linke Endpunkt bis zur Mitte nach oben verschoben.

Dadurch besteht das Bild nur noch aus mittleren bis hellen Tonwerten. Alle dunklen Bildbereiche gehen verloren. Das Histogramm wird auf die rechte Hälfte des Tonwertbereichs verschoben.


Hier wurde der linke Endpunkt noch weiter angehoben.

Das Bild enthält jetzt ausschließlich mittlere und helle Tonwerte. Das Histogramm befindet sich entsprechend nur noch im mittleren Bereich.


Die Gradationskurve kann auch vollständig umgekehrt werden. Dazu wird der linke Endpunkt nach oben und der rechte Endpunkt nach unten verschoben. Dadurch entsteht ein Negativbild: Helle Tonwerte werden dunkel, dunkle Tonwerte werden hell. Gleichzeitig werden die Farben in ihre jeweiligen Komplementärfarben umgewandelt.


Wird die Diagonale waagerecht gestellt, besitzen alle Pixel denselben Helligkeitswert. Liegt die Linie genau in der Mitte, zeigt das Histogramm nur noch eine senkrechte Linie beim mittleren Tonwert. Das gesamte Bild wird einheitlich grau; sämtliche Kontraste und Farben gehen verloren.

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