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Sony RX10 Mark IV Bridgekamera

2019 © Thomas Gade

Index 1. Megazoom von Zeiss + digitaler Zoom
  2. Autofokus, mit Stativ fotografieren, Makro / Pflanzenfotos
  3. Stromversorgung, Belichtungszeiten, Flimmern, JPF oder RAW? Tierfotos
  4. Bildqualität bei niedrigen und hohen ISO-Werten, Bewertung / Fotos aus Berlin
  5. Bilder von Booten

Autofokus

Die Sony RX10 IV hat einen elektronischen Sucher und eine schwenkbaren Touchscreen zum Einstellen des Motivs.

Beim Blick durch den elektronischen Sucher entscheidet die Automatik des Autofokus selbst, worauf scharfgestellt wird. In vielen Fotosituationen mit Brennweiten zwischen 24-200 mm erledigt die Automatik diesen Job einwandfrei. Jedoch gelingt das häufig nicht im Nahbereich, wenn verschiedene Elemente mit räumlicher Tiefe vorhanden sind. Dann stellt die Kamera irgendwas scharf, jedoch nur selten das gewünschte Bildelement. Das gilt zunehmend auch außerhalb des Nahbereichs für Brennweiten ab 300 mm.

Sony sollte dem nächsten Modell die von Canon bekannte Eye-Control Technik spendieren, welche erkennt, worauf die Pupille des Fotografen gerichtet ist, um darauf scharfzustellen. Diese Verbesserung würde die Kamera enorm aufwerten.

Fokussieren mit dem Touchscreen

Das Scharfstellen mithilfe des Touchscreens ist viel sicherer. Ein kurzes Antippen des Bildelements reicht. Das geht freihändig, aber noch besser mit der Kamera auf einem Stativ.



Ein kurzes Antippen des scharfzustellenden Bildelements auf dem Display sorgt für die richtige Schärfe. Im Nahbereich ist das besonders wichtig.

Autofokus mit Gesichtserkennung

Werden Personen aufgenommen, erkennt die Kamera Gesichter und stellt auf die Augen scharf. Das gelingt eindrucksvoll bei Serienaufnahmen oder Videos wenn Personen sich vor der Kamera bewegen. Wird die Kamera auf eine Person gerichtet, die auf sie zu läuft, gelingt es dem Autofokus, die Scharfeinstellung schnell genug zu verändern, um eine hohe Trefferquote zu gewährleisten. Auch hier ist ein Stativ vorteilhaft, um das Gesicht, auf das es ankommt, auf dem Touchscreen anzutippen. Die Kamera weiß dann, wem der Autofokus zu folgen hat.

Offene Blende

Die Belichtungsautomatik neigt dazu, kaum abzublenden. Das ist kein Problem für das scharfzeichnende Zeiss-Objektiv. Aber spätestens ab 110 mm (300 mm für KB) ist die Schärfentiefe gering und die Aufnahme misslingt wenn auf das falsche Bildelement scharfgestellt wird. Ein stärkeres Abblenden löst das Problem nicht und bei kleineren Blenden als 8 lässt die Schärfe durch Beugungseffekte nach, was bei der hohen Dichte der winzigen Pixel auf dem relativ kleinen Sensor einen Einbruch der Bildqualität bewirken kann. Es ist daher richtig, dass die Kamera vorzugsweise die Blendenwerte 4 und 5,6 anstrebt, die bei einer vergleichbaren Brennweite für APS-C Kameras hinsichtlich der Schärfentiefe den Blenden 8 und 11 entsprechen.

Die stärkere Lichteinfall hat zudem den Vorteil, niedrigere ISO-Werte nutzen zu können, die wesentlich zur hohen Bildqualität beim 1" Sensor beitragen.

Mit Stativ fotografieren

Um sicher und schnell scharf zu stellen, steht die Kamera vorzugsweise auf einem Stativ. Dann ist es leicht, auf dem Touchscreen die korrekte Stelle zu markieren, die flott scharf gestellt wird. So gelingen mehr scharfe Bilder als freihändig.

Ich setzte das Dreibeinstativ R-3213X (1,8 kg) von Sirui mit einem Sirui VH-10 Fluid Videoneiger (920 g) oder dem SIRUI L-20S (433 g) Panoramaneiger ein. Das Stativ und die Köpfe sind für höhere Belastungen gedacht als die relativ leichte Sony RX10 Mark IV und bilden eine solide Basis. Der Panoramaneiger hat nur eine kurze Arca-Swiss-kompatible Klemme. An der Kamera sollte deshalb eine etwa 12 cm lange Schiene befestigt sein, um sie beim ausgefahrenen Zoomobjektiv gut ausbalanciert aufzusatteln. Sonst besteht die Gefahr, dass die Kamera nach dem Lösen der vertikalen Klemme am Stativkopf nach unten klappt. Die Schiene vom Sirui VH-10 bietet bereits einen ausreichend langen Verstellweg.



Sony RX10 IV auf stabilem Stativ von Sirui. So zeigt die Bridgekamera am besten, was sie kann.

Das Gesamtgewicht der Kamera mit dem Stativ liegt je nach Stativkopf zwischen 3,4 bis 3,9 kg. Diese Info dürfte vor allem Naturfotografen begeistern, die zu Fuß mit ihrer Fototechnik unterwegs sind. Die Traglast diese Kombination ist relativ gering und tauglich für Outdoor-Exkursionen.

Fernauslöser

Wenn die Kamera von einem Stativ getragen wird, ist es konsequent, einen Fernauslöser zu verwenden. Die Sony RX10 IV bietet dafür verschiedene Möglichkeiten. Überraschend ist der altehrwürdige Drahtauslöseranschluss, den kaum jemand an einer gegenwärtigen Digitalkamera erwartet.


Viele Anschlüsse. Die Sony RX10 IV ist sogar mit dem altehrwürdigen Drahtauslöser kompatibel.


Auch drahtlos ist das Auslösen möglich. Entweder mit einem zusätzlichen Funk-/Infrarotauslöser oder per Smartphone über WLAN.

Display trotz Sonnenlicht gut sehen

Der elektronische Sucher bietet Vorteile, wenn das Bild des Displays durch Sonnenlicht kaum zu sehen ist. Aber manchmal ist der Touchscreen zum exakten Fokussieren unerlässlich. Problematisch kann helles Umgebungslicht sein. Zum Kompensieren lässt sich im Menü eine höhere Helligkeit einzustellen. Wird das Display mit der darüber gehaltenen Hand abgeschattet, befindet sie sich ihre Kante vor dem Okular des elektronischen Suchers, worauf die Kamera annimmt, dass der Fotograf hineinblickt. Daraufhin schaltet sie das Display ab.

Das Problem löst man am besten mit einer kleinen Bastelarbeit. Aus einem schwarzen Karton wird eine Abdeckung geschnitten, die Sonnenlicht vom Display fernhält. Um diese Sonnenblende an der Kamera zu befestigen, wird an sie eine Plastikabdeckung für den Blitzschuh geklebt. Befindet sich die Kamera auf einem Stativ, stört die Sonnenblende überhaupt nicht.


Selbstgebastelte Abschattung aus schwarzem Karton für das Display

Makrofotografie

Bei 24 mm beträgt die kürzeste Distanz zwischen dem Motiv und der Frontlinse etwa 3 cm. Je stärker man in den Telebereich zoomt, desto mehr entfernt sich die Naheinstellgrenze. Im Telebereich muss man mindestens 1,40 m vom Motiv entfernt sein. Beim Testen fiel auf, dass Objekte bei den kürzesten Aufnahmedistanzen für verschiedene Brennweiten etwa gleich groß abgebildet werden. Man kann also nicht stärker vergrößern, wenn man im Weitwinkelbereich ganz nahe an ein Motiv heran rückt anstatt mit starker Teleeinstellung aus über 1 m Entfernung zu fotografieren.

Aus freier Hand ist es nahezu unmöglich, eine Pflanze im Nahbereich scharf zu fotografieren. Die Eigenbewegung des Fotografen sowie der Pflanze vom Wind überfordern die Kamera, bzw. die geringe Schärfentiefe. Bewegungsunschärfe wäre mit hohen ISO Werten und sehr kurzen Belichtungszeiten reduzierbar, aber nicht die kontinuierliche Abstandsveränderung zwischen Kamera und Motiv.


Bei 8,8 mm (24 mm für KB) beträgt der kürzeste Abstand zwischen Frontlinse und Motiv 3 cm. Mit längerer Brennweite verlängert sich die Naheinstellgrenze, aber der Abbildungsmaßstab bleibt bei der Sony RX10 IV über den gesamten Zoombereich etwa gleich.    

Die Trefferquote beim freihändigen Fotografieren von Bienen, Schmetterlingen und Hummeln bei Pflanzenblüten oder Libellen am Schilfhalm ist niederschmetternd, wenn keine Windstille vorherrscht. Das ist nicht der Sony RX10 IV anzulasten, sondern generell ein Problem in der Makrofotografie in freier Natur. Mit Stativ gelingen viel mehr gute Fotos, weil Bewegungen des Fotografen wegfallen, die auch bei Windstille auftreten. Allerdings warten Insekten nur selten darauf, dass Fotografen es mitsamt der Kamera aufstellen. Idealerweise steht die Kamera deshalb auf einem Stativ vor einer Pflanze, deren Blüte immer wieder von Insekten angeflogen wird. Das Anvisieren des Insekts und Antippen auf dem Display zum Scharfstellen gelingt mit Übung immer besser. Leichtes Spiel hat man morgens kurz nach Sonnenaufgang, wenn Libellen vom Tau benetzt und von der nächtlichen Kälte erstarrt an Schilfhalmen klammern.

 

Wespe in blühender Ackerwinde. ISO 100, 1/1000 s, 220 mm (600 mm für KB). Näher heran kommt man ohne Nahlinse nicht heran.



Ausschnitt aus dem Bild. Die Schärfe bleibt erhalten. Die Ausschnittsvergrößerung ist erstaunlich gut.


Bildbeispiele: Pflanzenfotos




Nahaufnahme. Bittersüßer Nachtschatten. 220 mm (600 mm für KB). Ausschnitt



Ackerwinde. Nahaufnahme



Blühendes Seifenkraut aus eineinhalb Meter mit 190 mm (517 mm für KB)

Index 1. Megazoom von Zeiss + digitaler Zoom
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  5. Bilder von Booten



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