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Filmolino Slidescan

Dias automatisch scannen

2022 © Thomas Gade

  1. Dias scannen oder abfotografieren
2. Diaprojektor zum Abfotografieren nutzen 3. Abfotografieren automatisieren mit Filmolino


Scannen mit der Digitalkamera und einem modifizierten Diaprojektor

Dias automatisch abfotografieren


2015 stelle ich in der Zeitschrift c‘t digitale Fotografie das Zusammenspiel aus einem modifizierten Diaprojektor mit einer Digitalkamera zum Abfotografieren von gerahmten Kleinbilddias vor. In der Praxis hält man die Fernbedienung für den Diaprojektor in einer Hand und die Fernbedienung für die Kamera in der anderen. Abwechselnd wird das Dia gewechselt und anschließend fotografiert. Das geht schnell, ist jedoch ziemlich eintönig. Besser wäre es, ein Gerät zu verwenden, das diesen Job übernimmt. Allerdings konnte ich den Vorgang nicht automatisieren.
Ich stellte mir das nicht besonders schwer vor, aber meine eigenen Fähigkeiten reichten nicht für eine Lösung. Die damalige Suche nach Fachkundigen, die eine praxistaugliche Schaltung entwickeln konnten, verlief erfolglos. Entweder begriffen sie mein Anliegen nicht oder sie antworteten in einer mir unverständlicher technischen Sprache.


Filmolino Slidescan

Im Januar 2022 erreichte mich eine E-Mail von den Schweizern Roger Ludwig und Francesco Bagnato, Inhaber der Lubasol GmbH. Seit 2018 tüftelten sie an einem vollautomatischen Multiformat-Filmscanner namens Filmolino, mit dem das Abfotografieren von Fotos auf Filmen durch einen motorischen Filmtransport und einer zentralen Steuerung des Prozesses erheblich beschleunigt wurde. Auf der Website zum Produkt standen viele interessante Hintergrundinformationen: https://filmolino.com


Wenn die das konnten, ... Mir fiel der Wunsch nach dem oben genannten Steuergerät für die Kombination aus Diaprojektoren Kamera ein. Ich rief Roger Ludwig an. Er verstand die Idee sofort und sie weckte sein Interesse. Anfang Mai meldete er, dass er mir einen lauffähigen Prototypen zur Verfügung stellen konnte.

Wow! Der Zoll auf dem Wege von der Schweiz Deutschland verzögerte die Ankunft, aber knapp zwei  Wochen später erreichte das Paket sein Ziel. Darin befand sich ein kleines schwarzes Kästchen mit Kabel und einem Rundstecker, der in die Buchsen einiger Diaprojektoren passte. Es hatte sogar einen Namen: Filmolino Slidescan.



Viele Diaprojektoren sind für frühere externe Steuerungen mit Rund-Steckverbindungen  (umgangssprachlich DIN-Buchse) für mehrpolige Stecker ausgestattet. Am Kabel des Filmolino Slidescan befindet sich ein DIN-Stecker, der kompatibel ist mit vielen Buchsen an entsprechend ausgestatteten Diaprojektoren. Über diese Verbindung wird der Filmolino Slidescan mit dem nötigen Strom aus dem Diaprojektor versorgt und kann den Diawechsel anweisen.

Bedienung über Tasten oder Smartphone

Tasten am Filmolino Slidescan ermöglichen eine eingeschränkte Bedienung. Mehr Einstellmöglichkeiten bieten Smartphones über eine WLAN-Verbindung.

Mit meinem Samsung Galaxy S7 und einer älteren  Android-Version klappte die Verbindung auf Anhieb. Das neuere Samsung S20 FE  zeigte sich zunächst widerspenstig, weil für die WLAN-Verbindung zum Filmolino Slidescan eine andere zum FRITZ!Box-Router mit Internetverbindung gekappt werden musste. Das scheinen jüngere Apps nicht zu mögen. Man muss die automatische Verbindung zum Heim-WLAN ausschalten, sonst kommt sinngemäß die Meldung: „Die andere Verbindung nehme ich nicht, weil damit kein Internet vorhanden ist und deshalb stelle ich die ursprüngliche Verbindung wieder her.“

Bis diese Weigerung durch das Deaktivieren der automatischen Verbindung zum WLAN zuhause geklärt war, ging mir die Begründung für viele aktuelle Updates nicht aus dem Kopf, nämlich dass sie dazu beitragen, Benutzererlebnisse zu verbessern. Nun ja!

Der Filmolino Slidescan ließ sich anschließend abwechselnd mit beiden Smartphones verbinden und über sie bedienen.

Einstellungen über App im Browser

Steht die Verbindung, kann mithilfe eines Web-Browsers die Eingabe von Parametern erfolgen. Beispielsweise über die Anzahl der Fotos in einer Aufnahmeserie, Intervallzeiten zwischen den einzelnen Vorgängen sowie auch Ergänzungen, um nach und nach mehr Kamerasysteme mit dem Gerät kompatibel zu machen.




Die Kamera wird mit einem Kabel an die Buchse des Filmolino Slidescan angeschlossen oder erhält das Signal zum Auslösen per Infrarot.



Mithilfe dieser Steuereinheit ist es problemlos möglich, ein komplettes Diamagazin mit 50 Bildern in wenigen Minuten zu verarbeiten. Mehr als 5-10 Sekunden sind pro Bild nicht nötig. Wird auf den Autofokus verzichtet, geht es noch schneller. Wird auf den Autofokus nicht verzichtet, muss man ihm aber auch die nötige Zeit geben. Die Dauer ist abhängig von der Leistungsfähigkeit des AF-Systems und ist in der Praxis zu ermitteln.




Meine Kamera, eine DSLR von Pentax, ist per Kabel mit dem Filmolino Slidescan verbunden. Strom erhält er über seine Kabelverbindung aus dem eingeschalteten Diaprojektor. Die Kamera mit dem 90 mm Makroobjektiv und der Diaprojektor sind korrekt zueinander auszurichten.

Für einen Test stelle ich die Intervalle zwischen den Aufnahmen so ein, dass alle sechs Sekunden eine Aufnahme erfolgt. Die Kombination verarbeitet ein Magazin mit 50 Fotos in fünf Minuten. Glücklicherweise verhakt kein Diarahmen, was durchaus passieren kann.

Es gibt nämlich unglaublich viele Arten von Diarahmen für Kleinbildfilm. Vorgeschrieben ist nur das Außenformat 5 x 5 cm. Die Stärke kann aber zwischen 1- 3,5 Millimeter variieren. Bei manchen sind die Ecken gerundet und bei manchen spitz. Deshalb sind sie unterschiedlich geeignet für die Wechselsysteme von Diaprojektoren.

Alle Autofokusfelder aktivieren

Von den 50 Aufnahmen sind sechs unscharf. Der Grund: Der Autofokus meiner Kameras beschränkt sich auf ein mittleres Feld ein. Zum Abfotografieren von Dias ist das nicht ideal, weil sich dort manchmal eine Bildpartie ohne Konturen befinden kann, beispielsweise ein Stückchen vom Himmel oder eine unscharfe Stelle im Hintergrund. Deshalb aktiviert man für diese Aufgabe am besten alle AF-Sensoren.

Schärfepriorität nutzen

Falls die Kamera die Möglichkeit bietet, aktiviert man die Schärfepriorität. Sie löst dann erst aus, nachdem der Autofokus scharf gestellt hat.

Autofokus deaktivieren

Oder man deaktiviert den Autofokus. Zuvor vergewissert man sich, dass der Film nach jedem Diawechsel stets in der Schärfeebene liegt und nicht etwas davor oder dahinter. Ein guter Diaprojektor sollte das bei Diarahmen des gleichen Typs in einem Magazin gewährleisten.

Nicht zu stark abblenden

Starkes Abblenden zum Vergrößern der Tiefenschärfe ist bei Makroobjektiven zu vermeiden, weil Unschärfe durch Beugungseffekte auftritt und möglicherweise doch Ungleichheiten bei der Leuchtquelle sichtbar werden. Die LED Leuchtpaneele basieren nämlich häufig auf Platinen, auf denen rasterartig mehrere LED angebracht sind. Durch eine Streulichtscheibe entsteht der Eindruck einer gleichmäßigen Leuchtfläche, aber bei manchen können die Helligkeitsunterschiede auffallen.

Blende 5,6 oder 8 bieten bei meinem Objektiv die höchste Bildqualität. Die Schärfentiefe reicht auch für leicht gekrümmte Dias. Stärker abzublenden bringt eher Nachteile als Vorteile.



Schlichte und eindeutige Bedienoberfläche. In der oberen grauen Leiste steht rechts der Punkt Config. Klickt man darauf, tauchen diverse Einstellmöglichkeiten auf.




Diaprojektoren – Kompatibilität

Diaprojektoren mit einer runden 6-poligen Buchse für externe Steuergeräte sind am leichtesten mit dem Filmolino Slidescan zu verbinden. Es gibt genügend solcher Diaprojektoren für 2-stellige Beträge auf dem Gebrauchtmarkt.

Beim Blättern in alten Katalogen aus dem Fachhandel finde ich kaum Infos über Anschlussbuchsen. Manchmal werden 10-polige oder 6-polige erwähnt. Meistens fehlen konkrete Angaben.

Im Laufe der Zeit sollte aus Benutzer-Feedbacks eine Liste mit kompatiblen Diaprojektoren zu finden sein. Wahrscheinlich werde ich bei zukünftigen Flohmarktbesuchen nicht vermeiden können, die Rückseite von Diaprojektoren auf das Vorhandensein von Buchsen zu prüfen, um Infos beitragen zu können.

Folgende Diaprojektoren erwiesen sich als kompatibel:

Leitz Pradovit R152, Leitz Pradovit R150 und Kindermann diafocus 2500 TL


Wer Super Slides (38 x 38 mm) in 5 × 5 Diarahmen scannt, benötigt einen Projektor, der diese Fläche gleichmäßig ausleuchtet.

Vermarktung noch unklar

Die Vermarktung des Filmolino Slidescan ist schwierig, weil das Gerät einen WLAN Funksender enthält. Es müsste für die CE-Kennzeichnung in einem Prüflabor getestet werden. Die Kosten dafür betragen einige tausend EUR/CHF. Eine Produktion lohnt sich erst, wenn mindestens 500 Stück verkauft werden können. Die Aussichten dafür werden von den Machern aktuell nicht besonders gut eingeschätzt.
Der Preis für ein fertiges Gerät würde etwa um die 129 € zzgl. einiger € für ein Kabel zur Kamera liegen. Alternativ oder parallel möchte Lubasol Bausätze ohne Gehäuse (keine CE Kennzeichnung nötig) für etwa 70 EUR verkaufen. Das setzt aber auch einige 100 Käufer voraus.

Man darf nicht vergessen, dass vor einer Vermarktung möglichst viele potentielle geeignete Systemkameras zu berücksichtigen sind, die der Filmolino korrekt bedienen muss. Auch sind Tests mit weiteren Diaprojektoren nötig, um mehrere kompatible nennen zu können.

Gewährleistung und Kundenzufriedenheit sind bei einem Produkt dieses Typs heikel, weil alte Diaprojektoren eingebunden werden, die für gute Ergebnisse von den Benutzern zu modifizieren sind. Es gibt sie nämlich nicht fertig von der Stange zu kaufen.


Kaufinteresse ermitteln

Aktuell wird eruiert, ob und in welchem Umfang Interesse vorhanden ist. Davon ist abhängig, ob zukünftig fertige Geräte oder Bausätze angeboten werden. Falls Sie sich für einen Filmolino Slidecan interessieren, teilen Sie das den Entwicklern auf dieser Webseite mit: https://filmolino.com/slide-scan/

Daten für Selbstbau im Internet

Freundlicherweise haben die Entwickler einen anderen Weg geebnet, der jetzt schon zu beschreiten ist. Die Daten für das Projekt sind im Internet auf GitHub kostenlos einzusehen und herunterzuladen:

https://github.com/filmolino/SlideScan
Den Machern ist natürlich bewusst, dass viele mit solchen Infos nichts anfangen können und würden ihnen deswegen gerne mehr anbieten. Wie bereits erwähnt, macht das ökonomisch allerdings nur Sinn, wenn genügend Interessenten das Projekt durch den Kauf eines Filmolino Slidescans unterstützen.



Fazit

Der Pototyp des Filmolino Slidescan funktioniert. Das Umrüsten eines Diaprojektors zum Abfotografieren von Dias ist einfach. Etwas mehr Mühe macht es, den Diaprojektor und die Kamera korrekt und solide zueinander auszurichten. Für wenige Magazine reicht eine improvisierte Anordnung mithilfe eines soliden Stativs. Für größere Mengen wäre es sinnvoll, auf einem Grundbrett solide Halter an richtigen Positionen anzubringen, um die Komponenten nachhaltig und leicht in richtiger Anordnung aufzubauen.

Der Rest ist dann so einfach, dass die Schrecken bisheriger sehr lange dauernder Scanvorgänge wohl der Vergangenheit angehören.

Man kann einwenden, dass diese Technik keine automatische Retusche von Schmutz und Kratzern beinhaltet und deshalb herkömmlichen Scanverfahren unterlegen ist. Bei sauberen Dias wiegt das jedoch nicht so schwer wie die erhebliche Zeitersparnis, die eine Bewältigung größerer Bestände von Dias überhaupt erst möglich macht. Außerdem unterdrückt die diffuse Beleuchtung die Sichtbarkeit vieler Defekte. Wer bis heute Dias aus einigen Jahrzehnten analoge Fotografie noch nicht gescannt hat, weil es einfach zu kompliziert war und zu lange dauerte, sollte dieses Verfahren unbedingt nutzen und nicht länger warten, bis irgendwann auch die automatische Defektkorrektur einfließt, weil die Haltbarkeit von Dias begrenzt ist. Viele sind heute bereits schadhaft und farbstichig. Sie werden durch eine weitere Lagerung nicht besser.


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