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Plustek OpticFilm 8200i

Filmscanner

2020 © Thomas Gade



2006 schrieb ich meine erste Rezension über einen Plustek OpticFilm Scanner. Er sah dem 8200i zu Verwechseln ähnlich und trug die Bezeichnung 7200i. Die Begutachtung des Nachfolgers 14 Jahre später kam als Nebenprodukt beim Erstellen eines Artikels über das Scannen von Filmen für eine Fotozeitschrift zustande.

Der OptikFilm 8200i ist seit 2012 auf dem Markt und es gibt keine Anzeichen dafür, dass dieses bewährte Gerät durch ein anderes ersetzt wird.
Er kann Dateien mit 7200 dpi erzeugen. Eine Vorlage in der Größe 24 × 36 mm (Kleinbildnegativ / -dia) wird dazu auf 6083 x 10205 Pixel verteilt. Das entspricht etwa 62 Million Pixel. Eine RGB Datei mit 8 Bit pro Kanal belegt im unkomprimierten TIF Format 186 MB Speicherplatz und mit 16 Bit (48 Bit / RGB) sogar 372 MB.

Das konnten auch die Vorgänger, aber in ihrer Zeit waren gute haushaltsübliche Computer noch zu leistungsschwach, um solche Dateigrößen bequem zu handhaben. Die nötige Geschwindigkeit und Speicherkapazitäten waren erst ab etwa 2012 erschwinglich, also etwa zeitgleich mit dem Erscheinen des OpticFilm 8200i.

Das Scannen in höchster Auflösung mit Infrarotretusche dauert zwar auch heute noch einige Minuten, aber die nachfolgende Bildbearbeitung und Handhabung im Dateisystem meistern moderne Computer rasch und mühelos.

Was hat sich außerdem verändert? Die Auflösung wurde erheblich verbessert. (Siehe unten)

Technische Daten

Marke Plustek
Bezeichnung OptikFilm 8200i
Preis (Feb. 2020) ab 310 € mit SilverFast 8.x SE
ab 440 € mit SilverFast 8.x Ai
Vorlage 35 mm Kleinbildfilm: Filmstreifen und gerahmte Dias
Leuchtmittel LED
Sensor CCD Zeilenscanner
Auflösung 7200 dpi (laut Hersteller) / 4600 dpi mit USAF-Chart gemessen
Defekterkennung Infrarotbasierte Defekterkennung und Retusche
Dichteumfang 3.6
Scanbereich 36.8 mm x 25.4 mm (1.45" x 1")
Anschluss USB 2.0
Abmessungen 120 x 272 x 119 mm
Gewicht 1,6 kg


Plustek OpticFilm 8200i mit je einem Halter für Filmstreifen und gerahmte Dias auf 35 mm Kleinbildfilm

Lieferumfang

Der Scanner wird mit einem Netzteil, USB-Kabel, zwei Filmhaltern, Tasche und Bedienungsanleitung geliefert. Zudem gehört entweder die Scansoftware SilverFast SE Plus 8 oder Ai zum Paket. Mit der abgespeckten SilverFast SE  Plus 8 kostet der Plustek OpticFilm 8200i etwa 310 €, während das Bundle mit Ai ca. 130 € teurer ist.

Software

Der Scanner kann mit VueScan oder SilverFast bedient werden.

VueScan

VueScan gibt es in der Professional Edition für etwa 65 €. (Bezugsquelle: hamrick.com / Preise im Februar 2020) Die günstigere Standard Edition ist nicht für Filmscanner geeignet. VueScan läuft mit allen Windows-Versionen von XP bis 10, macOS und Linux. Darüber hinaus steuert VueScan über 6000 Scanner und kann RAW-Dateien konvertieren. Alles ist beim Kauf einer Pro-Lizenz inbegriffen. Das Programm ist sehr gut und spottbillig.


VueScan 9.7.23

Auch wenn der Plustek OpticFilm 8200i mit einer SilverFast Version geliefert wird, ziehe ich persönlich VueScan vor, dessen logische Bedienung mir mehr entgegenkommt. Im Register Farbe kann man für die Weiß- und Schwarzpunkte besser die nötigen Einstellungen treffen, um automatisch den geringstmöglichen Verlust an Zeichnung in den extremen Lichtern und Schatten zu erhalten bei einer darüber hinaus sehr guten Tonwertumsetzung.

SilverFast

Die Konkurrenz kommt von LaserSoft aus Kiel. Sie heißt SilverFast und gliedert sich in vier Versionen, nämlich SE 8.8 (49 €), SE Plus 8.8 (119 €), Ai Studio 8.8 (299 €) und Archive Suite SE 8.8 (= SE Plus und HDR / 299 €) Eine Lizenz gilt nur für den konkreten Scannertyp. Windows und macOS werden unterstützt, nicht jedoch Linux.

Plustek verkauft den OptikFilm 8200i gebündelt mit SilverFast SE oder SilverFast Ai. Wer die umfangreichere Ai Version mit Dia zum Kalibrieren (IT8-Target) haben möchte, sollte den Scanner gleich damit kaufen anstatt später nachzurüsten. Ein Preisvergleich für das Paket aus Scanner und SilverFast Ai 8 lohnt sich.


SilverFast Ai 8.8

SilverFast wird häufig zusammen mit verschiedenen Scannern verkauft und genießt deshalb einen hohen Bekanntheitsgrad. Zudem ist es eine ausgereifte Software, die sehr gute Bildergebnisse ermöglicht. Jedoch ist mir die Oberfläche zu bunt und unübersichtlich strukturiert. Ferner gibt es eine Reihe Kürzel, deren Sinn man erst kennenlernen muss. Es dauert daher eine Weile, bis man sich mit SilverFast vertraut gemacht hat.

Scanzeiten

Exemplarisch wurden einige Scanzeiten gemessen. VueScan ist schneller als SilverFast. Die Werte können in der Praxis etwas variieren. Das kommt wohl durch die individuelle Datenverarbeitung der Programme für jedes einzelne Bild zustande.

Aufgabe VueScan 9.7.23 SilverFast 8.8 Ai
Vorschau 0:17 0:17
Kodachrome 3600 dpi, IR 1:58 Vorschau: 3.17 **
Verarbeitung: 0.33
Kodachrome 7200 dpi, IR 4:43 nicht gemessen
SW-Negativ, 3600 dpi 1:17 1:43
SW-Negativ, 7200 dpi 3:15 4:46

** Für die Vorschau wird das Bild mit der eingestellten DPI-Zahl gescannt. Daher dauert sie relativ lange. Das Scannen besteht anschließend nur im Verarbeiten und Speichern der bereits zur Vorschau erzeugten Daten.

Infrarotgestützte Erkennung und Retusche von Defekten

Der Plustek OpticFilm 8200i unterstützt die infrarotgestützte Erkennung und Retusche von Schmutz, Kratzern und Fingerabdrücken auf Filmen. Parallel befindet sich der OpticFilm 8100 auf dem Markt. Das Fehlen des I hinter der Zahl gibt an, dass der Scanner keine Defekterkennung mit Infrarot anbietet. Das gilt übrigens auch beim Gebrauchtkauf von Vorgängern dieser Modelle.

Das Verfahren funktioniert mit Farbnegativen, farbigen Dias und chromogenen Schwarzweißfilmen, die mit dem Farbprozess C 41 entwickelt werden, nämlich  Ilford XP2 und Kodak BW400CN. Konventionelle Schwarzweißfilme sind jedoch nicht kompatibel.

Für die infrarotgestützte Erkennung folgt nach der Erfassung des RGB-Bildes ein zweiter Scanvorgang. Dadurch verlängert sich der gesamte Zeitraum der Digitalisierung beträchtlich. Jedoch ist die Verzögerung zu vernachlässigen, wenn anderenfalls aufwändige Retuschen mit einem Bildbearbeitungsprogramm notwendig wären.

Die Technik liefert mit normalen Dias und Farbnegativen gute Ergebnisse.

Jedoch werden Defekte auf Kodachrome Dias nur teilweise erkannt und retuschiert, wie folgende Ausschnitte aus einem Bild zeigen.


Schmutz auf einem Kodachrome Dia. Ausschnitt aus einem Bild


Ergebnis mit Vuescan. Der Staub wird nur unvollständig erkannt und retuschiert.


Ergebnis mit SilverFast. Der Staub wird nur unvollständig erkannt und retuschiert.

SilverFast hat einen speziellen Kodachrome Modus! Bei diesem Scanner ist als Aufnahmematerial deshalb unbedingt Kodachrome anzugeben, weil die Einstellung für andere Dias heftige Artefakte beim Retuschieren durch SilverFast erzeugt.


Vergleich mit einem Nikon Coolscan 4000, der die Defekterkennung auf Kodachromes deutlich besser beherrscht.

Die infrarotgesteuerte Schmutz- und Kratzererkennung nebst Retusche zeigt beim Plustek OptikFilm 8200i lediglich bei Kodachromes Schwächen, bei denen nicht alle Defekte erkannt und korrigiert werden.

Der Kodachrome wird seit 2009 nicht mehr produziert. Er musste in einem speziellen Prozess entwickelt werden, den Kodak nur bis in das Jahr 2006 anbot. Danach wurden die weltweit noch eingeschränkten Kodachrome Filme in den US-Staat Kansas zu Dwayne’s Photo geschickt. Annahmeschluss war dort der 30. Dezember 2010.

Deshalb sind Kodachromes bei der Bewertung von Filmscannern nur noch sinnvoll, wenn historische Bestände digitalisiert werden, in denen sich dieses Aufnahmematerial befindet. Wer jedoch zu jüngeren analogen Fotografen gehört, kann heute solche Dias gar nicht mehr produzieren.

Maximale Auflösung gemäß USAF-Chart



Zum Testen des Trennungs-/Auflösungsvermögens wurde ein USAF-Balkendiagramm mit 3600 dpi und 7200 dpi gescannt. Die Auswertung erfolgte gemäß der Anleitung von LaserSoft.
Der Downloadlink dafür ist hier: https://www.silverfast.com/show/resolution-target/de.html



Gescannt mit 3600 dpi. Zentraler Ausschnitt. In der sechsten Reihe sind die vertikalen Balken der fünften Gruppe zu trennen und in der zweiten Reihe der sechsten die horizontalen. Das entspricht vertikal ca. 2900 dpi und horizontal 3650 dpi. Durchschnittlich also 3275 dpi. Der eingestellte dpi-Wert wird gut genutzt.



Gescannt mit 7200 dpi. Zentraler Ausschnitt. In der dritten Reihe sind die vertikalen Balken und in der vierten die horizontalen der sechsten Gruppe getrennt sichtbar. Das entspricht ca. 4350 dpi. Zwar ist das deutlich geringer als die eingestellten 7200 dpi an Infos enthalten könnten, aber das Trennungsvermögen des Plustek OptikFilm 8200i ist dennoch beachtlich.

Die hohe Auflösung des Plustek OptikFilm 8200i überraschte mich. Beim Scannen mit 7200 dpi ergab sich nämlich, dass der Plustek OptikFilm 8200i stärker auflöste als mein Nikon Coolscan 4000 ED, der mitsamt seinem etwa gleich starken Nachfolger, dem Nikon Coolscan 5000, für ein hohes Trennungsvermögen bekannt ist. Die Auswertung eines digitalisierten USAF 1951 Resolution Testdias bestätigte den Eindruck.

Geräuschkulisse

Der Plustek OpticFilm 8200i scannt mit einer Scanzeile, die von einer Mechanik bewegt wird. Das geschieht relativ leise, während vergleichsweise ein Nikon Coolscan 4000 / 5000 richtig laut ist. Daher kann der OpticFilm 8200i auch nachts in einer hellhörigen Umgebung oder in einem Büro verwendet werden.

Fazit

Der Plustek OptikFilm 8200i ist ein unkomplizierter und sehr guter Scanner. Die beiden Filmhalter für Filmstreifen und gerahmte Dias sind verhältnismäßig solide gebaut und einfach zu bedienen. Das Auflösungsvermögen ist sehr hoch und beim Scannen verschiedener Vorlagen konnte ich nie eine Schwäche bezüglich des Dichteumfangs feststellen. Sowohl in den extremen Lichtern und Schatten ließ sich stets eine gute Zeichnung erzeugen.

Lediglich bei der infrarotgestützten Retusche von Kodachromes zeigte er Schwächen.

Wer sich für SilverFast als Software zum Betreiben dieses Scanners entscheidet, sollte unbedingt die etwas teurere Ai Version nehmen, um alle Möglichkeiten auszuschöpfen.

Mir persönlich gefällt VueScan besser, weil es sich hinsichtlich der möglichen Ergebnisse nicht von SilverFast unterscheidet und spottbillig ist. Da mit einer Lizenz alle von VueScan unterstützten Dateien und Scanner zu handhaben sind, macht es aus meiner Sicht mehr Sinn, diese Software vorzuziehen und flexibel für die unterschiedlichsten Geräte zu gebrauchen.

Preislich ist der Plustek OptikFilm 8200i sehr attraktiv. Für knapp über 400 € ist er mit SilverFast 8.x Ai erhältlich. Erfreulich ist auch seine zurückhaltende Geräuschkulisse. Bei Nichtgebrauch verschwindet er in der beigefügten Tasche, um im Schreibtisch oder woanders staubgeschützt verstaut zu werden.


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