Exakta / Pentacon Balgengerät
2026 @ Thomas Gade
Das Pentacon Balgengerät, auch bekannt als Großes Balgennaheinstellgerät, ist der Nachfolger des früheren Ihagee/Exakta-Balgengeräts. Beide Modelle sind nahezu baugleich, unterscheiden sich jedoch in der Lackierung. Die Exakta-Versionen waren meist schwarz, während die Pentacon-Modelle blaumetallic lackierte Teile aufweisen. Es existieren Varianten mit M42-Gewinde, Exakta-Bajonett und Praktica-Bajonett.
Das Gerät besteht aus einer relativ langen Führungsschiene, die auf einer Basis mit Stativanschluss (1/4" und 3/8") sitzt. Diese Basis enthält eine Triebfunktion, die die Schiene als präzisen Einstellschlitten (Focus-Rail) bewegt. Der Balgenaufsatz umfasst die Objektiv- und Kamerastandarte, die durch den faltbaren Balgen verbunden sind und Profile haben, die exakt auf die Schiene passen. Der Aufsatz wird auf die Schiene geschoben. Die verschiebbaren Standarten lassen sich jeweils mit Klemmschrauben fixieren. Die Auszugsverlängerung beträgt 35 bis 210 mm. Die genaue Länge liest man an der senkrechten Rückfläche des Kameraträgers an einer Skala ab mit schwarzer Zahlenreihe für normale Objektive und roter für das spezielle Jena T 2,8/50 mm in versenkter Fassung.
Bei festem Abstand zwischen Objektiv und Kamera dient der Zahntrieb an der Basis zur Schärfeeinstellung, indem er die gesamte Schiene samt Balgen, Objektiv und Kamera vor- und zurückbewegt. Ist der Abstand zum Motiv fix vorgegeben, kann man alternativ nur den Kameraträger allein verschieben, um präzise zu fokussieren. Das ist übrigens die einzige korrekte Methode, wenn eine Bilderserie zum Fokus Stacking aufgenommen wird.
Das Kameragehäuse wird je nach Modell über Bajonett oder M42-Gewinde (ggf. mit Adapter) an der Kamerastandarte befestigt. In beiden Fällen lässt sich die Kamera quer, hoch oder schräg drehen. Das Objektiv wird entsprechend per Bajonett oder Schraubgewinde montiert. Praktisch jede Brennweite zwischen etwa 35 und 135 mm eignet sich dafür. Kürzere Brennweiten sind nur bei extremer Vergrößerung oder für spiegellose Systemkameras mit kürzerem Auflagemaß sinnvoll, längere Brennweiten eher bei weniger extremem Nahbereich oder für ferne Motive.

Ursprüngliche Version. Bild aus Bedienungsanleitung für Ihagee Vielzweckgerät.
Heute kaum noch relevant, aber damals wichtig: Für Praktica-Objektive mit elektronischer Blendensteuerung gab es spezielle Zwischenringe mit Kabel für die Blendensteuerung. Die mechanischen Springblenden älterer Objektive konnten mithilfe eines Spezialzwischenrings mit Drahtauslöseranschluss mit einem Doppeldrahtauslöser unmittelbar vor der Aufnahme geschlossen werden. Bei senkrechter Arbeitsweise, etwa am Reprostativ oder Ihagee Vielzweckgerät, muss die Schiene nach dem Einstellen der Höhe festgeklemmt werden, damit sie nicht durch das Gewicht nach unten rutscht.
Zur Schonung des Balgens bei Nichtgebrauch schiebt man die Träger einfach zusammen, sodass der Balgen nicht unnötig gedehnt bleibt.
Optional gibt es einen Halter für gerahmte Dias oder Kleinbild-Filmstreifen (Diakopiervorsatz/Filmhalter), der über eine Bohrung und einen Feststellknopf am Gerät montiert wird.
Seltsam: Die Schiene und der Balgen sind separate Produkte.
Insgesamt ist es ein robustes und gut gebautes Balgengerät aus DDR-Produktion. Heute sind vor allem die M42-Versionen interessant, da sich daran viele gute Objektive und Kameras verschiedener Marken leicht adaptieren lassen. Die Exakta- und Praktica-Bajonette spielen jedoch kaum noch eine Rolle. Die lange Schiene und der weit auseinanderziehbare Balgen bieten eine hohe Flexibilität für unterschiedliche Objektivbrennweiten oder relativ starke Vergrößerungen im Nahbereich.
Gebraucht kaufen
Ein gut erhaltenes Exemplar ist ab 50 € zu haben. Mit Dia-/Filmhalter kostet er etwas mehr. Nur Geräte mit M42 Anschlüssen erlauben eine einfache Adaptierung anderer Objektive und Kameragehäuse als von Exakta und Praktika.
© Thomas Gade | photoinfos.com | ISSN 3054-4769 (Online). Unsere Texte und Bilder sind urheberrechtlich geschützt. Jede Nutzung ist nur mit schriftlicher Erlaubnis des Verfassers gestattet und stets honorarpflichtig.