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Pentax auto 110

Spiegelreflexkamera-System für den Pocketfilm

2021 © Thomas Gade


Pentax auto 110 super für Pocketfilm mit Winder und diversen Wechselobjektiven. Größenvergleich mit Obst und Gemüse

Die PENTAX auto 110 ist eine vollautomatische SLR (Single-Lens-Reflex) Kamera mit dem Aussehen einer Spiegelreflexkamera für den Kleinbildfilm. Nur bedeutend kleiner.

Sie wurde 1978 mit drei Wechselobjektiven eingeführt. Neben dem Standard-Objektiv Pentax-110 24 mm f/2 .8 gehörte dazu das Pentax-110 18 mm f/2.8 Weitwinkel und das Pentax-110 50 mm f/2.8 Teleobjektiv. Zum System zählten außerdem ein Winder, das Blitzgerät AF 130P, Nahlinsen, Filter und andere Teile.

1981 folgten drei zusätzliche Objektive: 20-40mm Zoom, 70mm, 18mm Pan Focus

1982 kam das verbesserte Gehäuse Pentax auto 110 super mit dem Winder II heraus.

Das Kamerasystem wurde bis 1985 angeboten. Es wurde manchmal als Pentax System 10 bezeichnet. Das war der offizielle Name beim Hersteller. Allerdings setzte sich in der Werbung und in anderen Veröffentlichungen rasch der Name Pentax-110 System durch. Es ist das einzige System mit Wechselobjektiven für den Pocketfilm.

Technische Daten für die Kameragehäuse

Hersteller Asahi Optical K. K. Asahi Optical K. K.
Bezeichnung Asahi PENTAX auto 110 PENTAX auto 110 super
Produktion 1978 1982-1985
Filmformat 110 / Pocketfilm
13 x 17 mm
110 / Pocketfilm
13 x 17 mm
ISO 64/100 und 400 64/100 und 400
Belichtungszeiten 1 s bis 1/750 s 1 s bis 1/400 s
Blitz-Synchronzeit 1/30 s 1/60 s und 1/125 s *
Größe 99 x 56 x 32mm 99 x 56 x 32mm
Gewicht 159 g 164 g
Batterie 2 x S76 2 x S76
Selbstauslöser nein ja
Gegenlichttaste nein ja / +1.5 EV

* 1/60 s für ISO 100 und 1/125 s für ISO 400


Pentax auto 110 mit 24mm, 18mm und 50mm Objektiven und Winder.

UV-, Skylightfilter, Nahlinsen / Close-Up

Weil für die kleinen Objektive keine Filtern zum Anschrauben handelsüblich waren, lieferte Pentax passend die Nahlinsen S 31 und S 16 für das 24mm Standard-Objektiv, W 21 für das 18mm Weitwinkel sowie T 26 und T 43 für das 50mm Teleobjektiv und für alle auch passende UV- und Skylight-Filter und kleine Gummisonnenblenden.

Für das 70mm Tele und 20-40mm Zoomobjektiv mit 49 mm Filtergewinden waren solche Filter und Nahlinsen im Rahmen des geschlossenen Systems unnötig.

Kombination aus Verschluss und Blende im Gehäuse

Bis auf ein spezielles 18 mm Objektiv mit fest eingestellter Entfernung, haben alle übrigen f/2.8 als größte Öffnung. In den Objektiven gibt es keine verstellbare Blende.


Vier Lamellen im Gehäuse fungieren als Blende und Verschluss

Stattdessen befinden sich im Kameragehäuse direkt hinter dem Bajonett vier Lamellen, die geöffnet und geschlossen werden können. Sie kombinieren den Verschluss mit einer verstellbaren Blende. Je nachdem, welche Öffnung (Blende) für die korrekte Belichtung erforderlich ist, übernehmen die vier Lamellen die Rolle der Blende und öffnen sich entsprechend nur teilweise.

Da sich diese Kombination aus Verschluss und variabler Öffnungsgröße (Blende ) vor dem Schwingspiegel befindet und deshalb offen sein muss, um ein Bild auf der Mattscheibe zu sehen, wurde der Schwingspiegel so konstruiert, dass er den dahinterliegenden Film bis zur eigentlichen Belichtung lichtdicht abschirmt.

Der Verzicht auf eine verstellbare Blende in den Objektiven ist aus heutiger Sicht nicht so schön, weil sie mithilfe von Adaptern an modernen spiegellosen Systemkameras mit kleinen Sensoren verwendet werden können. Das geht allerdings nur mit voller Öffnung oder man muss sich selber Blenden basteln, die wie Deckel vor die Frontlinsen aufgesetzt werden.



Belichtungsprogramm der Pentax auto 100 super. Die Kamera stellt sowohl die Blende als auch die Belichtungszeit selber ein. Die Grafik mit den möglichen Kombinationen stammt aus der Bedienungsanleitung.

Zwei Filmempfindlichkeiten

Die Filmempfindlichkeit erkennt die Kamera durch Teile an der Filmkassette. Kodak hatte diese Erkennung durch die 110 Filmnorm festgelegt. Sie schreibt lediglich vor, dass es eine niedrige und hohe Empfindlichkeit gibt, ohne indes genau anzugeben, welche ASA/ISO-Werte damit gemeint waren.

Pentax definiert ASA/ISO 80 als niedrig, was Filme mit ASA/ISO 64 bis 100 abdeckt. Für hoch wird der Wert ASA/ISO 320 angenommen und gilt für Filme mit ASA/ISO 200 bis 400. Dabei wird auf den Belichtungsspielraum der Negativfilme gesetzt.


Die Miniaturisierung machte auch vor den Bedienungsanleitungen nicht Halt. Für das Pentax-110-System waren sie kaum gößer als Spielkarten.

Pentax auto 110 versus Pentax auto 110 super

Die 1982 eingeführte Pentax auto 110 super unterscheidet sich in einigen Punkten von ihrer vier Jahre älteren Vorgängerin.

Zum Transport des Films und Spannen des Verschlusses muss der Spannhebel an der Pentax Auto 110 zweimal betätigt werden gegenüber nur einmal bei der Pentax Auto 110 super. Außerdem hat sie eine Gegenlichttaste sowie einen Selbstauslöser.

Die kürzeste Belichtungszeit beträgt bei der älteren Pentax auto 110 1/750 sec, während bei der späteren Pentax auto 110 super bereits bei 1/400 sec Schluss ist. Welcher Grund zu dieser Verschlechterung führte, konnte ich nicht ergründen.

Die Blitzsynchronzeit beträgt bei der Pentax auto 110 1/30 sec. Die Pentax auto 110 super unterscheidet zwischen der niedrigen und höheren ISO Einstellung. Für ISO 100 wird mit 1/60 sec geblitzt und für ISO 400 mit 1/125 sec.

Die Pentax auto 110 wurde als Sonderedition "Safari" in braun/oliv-farbenen Tönen angeboten.

Oft als komplettes Set verkauft



Die Pentax Auto 110 wurde gerne mitsamt den drei Objektiven 18 mm, 24 mm, 50 mm, mit Winder, Blitzgerät und zahlreichen Filtern und Nahlinsen in Schmuckkoffern, Schatullen und Taschen verkauft.

Zum Gebrauch oder für die Vitrine?

Der Verkauf von Sets aus der Pentax auto 110 mit mehreren Objektiven und Zubehör in speziellen Koffern und Schmuckschatullen entsprang wohl der Idee, sie so als Sammlungsgegenstand für die Vitrine zu positionieren. Zu weit gedacht? Vergessen wir nicht, dass aus Japan, dem Herkunftsland des Pentax auto 110 Systems, winzige Bonsaibäume stammen und Netsuke, kleine kunstvoll aus Knochen oder Elfenbein geschnitzte Figuren.

Auf dem aktuellen Gebrauchtmarkt fällt mehrere Jahrzehnte nach dem ursprünglichen Verkauf auf, dass fast ungenutzte Sets komplett in genau diesen Verpackungen angeboten werden. Für Fotoamateure mit geringen Kenntnissen war das System wohl kaum gedacht und anspruchsvolle Fotografen nutzten größere Filmformate mit höherer Auflösung. Manche Experten erlagen wohl der Faszination eines miniaturisierten SLR-Systems, das irgendwie begehrenswert war und Eindruck erweckte.

Objektive



Objektive von links nach rechts:

Brennweite Filter Nahgrenze Abmessungen Gewicht
         
18 mm 28 mm 25 cm 34 x 21 m 28 g
24 mm 25,5 mm 35 cm 29.6 x 12.8 mm 13 g
50 mm 37,5 mm 90 cm 43 x 27.2 mm 53 g
70 mm 49 mm   51 x 50.5 mm 160 g
20-40 mm Zoom 49 mm   54 x 45.2 mm * 174 g

* In kürzester Position des Schiebezooms.

Nicht aufgeführt und dargestellt ist das 18 mm Pan Focus F5.6 ∞-1,75 m Objektiv mit fester Scharfeinstellung.

Winder



Es gibt zwei Winder. Mit der Pentax Auto 110 super erschien 1982 der Pentax 110 Winder II. Er sieht genauso aus wie die vorherige Version. Ich habe nicht ausprobiert, ob der erste Winder mit der Pentax Auto 110 super kompatibel ist oder umgekehrt der Winder II mit der älteren Pentax Auto 110.


Wie schon erwähnt, muss der Spannhebel von der Pentax Auto 110 zweimal betätigt werden, während bei der Super einmal reicht. Eventuell macht dies den Unterschied zwischen den beiden Windern aus. Da sich aber beide an beide Kameraversionen anschließen lassen, vermute ich, dass es keine Kombination gibt, die Schäden verursacht, doch probierte ich es nicht aus.

Mit eingelegten Batterien (zwei AA Akkus) wiegt ein Winder etwa 160 g, also etwa so viel wie ein Gehäuse. Das zusätzliche Gewicht ist beim Spazierengehen keine übermäßige Mehrbelastung und verbessert insbesondere bei größeren Händen die Handhabung der Kamera. Allerdings passt sie damit auch nicht mehr in jede Jackentasche.

Unter schlechten Lichtverhältnissen, also wenn die Kamera eine längere Belichtungszeit einstellen muss, finde ich den Winder zur ruhigeren Haltung ganz praktisch. Scheint die Sonne und sind die Motive hell beleuchtet, kann man auf ihn verzichten.

Auch beim Einsatz des 70 mm Objektivs (ca. 140 mm kleinbildäquivalent) ist etwas mehr Gewicht zur Vermeidung von Verwaltungsunschärfe durchaus sinnvoll.

Ich persönlich verwende ihn allerdings so gut wie gar nicht, weil er den Vorteil der geringen Größe der Aufnahmetechnik verringert.

Blitzgeräte



Zum Pentax-Auto-110 System gibt es zwei Blitzgeräte, nämlich das AF130 P und das AF 100P. AF steht nicht für Autofokus, sondern für automatic flash. Leider haben die Kameras keinen normalen Blitzschuh. Einerseits ist es verständlich, weil das Draufsatteln damaliger schwerer und großer Blitzgeräte möglicherweise die mechanische Belastbarkeit der kleinen SLR-Gehäuse überfordert hätte. Andererseits wäre es natürlich schön, wenn man stattdessen einen kleinen, auch anderen Kameras nutzbaren Blitzer verwenden könnte oder heutzutage auch leistungsstarke, leichte und kleine LED-Leuchten. Die waren damals allerdings nicht vorhersehbar.  

Download Bedienungsanleitungen / Manual


Pentax auto 110 System Bedienungsanleitung




Manual /Bedienungsanleitung englisch

Persönliche Erfahrungen

Nach meiner Schulzeit war ich an diversen Standorten bei der Marine tätig, absolvierte dann eine Ausbildung in Hamburg und zog für ein Studium nach Berlin. Durch häufige Ortswechsel zog ich ‚leichtes Gepäck‘ vor. 1982 fiel mir das Pentax-110-System auf, das ganz gut ins Schema passte. Ganz leicht fiel mir die Entscheidung zum Kauf nicht, weil ich als Schüler zu Hause bereits eine Dunkelkammer hatte und meine Ansprüche an die Bildqualität nicht gering waren. Auf der anderen Seite konnte ich mir in den ersten Jahren nach dem Auszug aus dem Elternhaus gar keine Dunkelkammer einrichten und musste unkompliziert umziehen können.

Deshalb war die Pentax auto 110 zeitweilig ein guter Kompromiss. Nach dem Umzug nach Berlin zwecks Studiums wechselte ich allerdings wieder zum Kleinbildformat zurück, da mir sowohl an der Hochschule der Künste wie auch zu Hause wieder gute Labormöglichkeiten zur Verfügung standen. Außerdem konnte ich im Ostteil der Stadt zum Spottpreis sehr gute Roll- und Kleinbildfilme von ORWO kaufen, sodass qualitative Zugeständnisse an das kleinere Pocketfilm-Format nicht mehr nötig waren.

Jahrzehnte vergingen. 2021 ergab sich die Gelegenheit, für wenig Geld eine Pentax auto 110 Ausrüstung zu erwerben. Lomography verkaufte noch diverse Pocketfilme. In meiner Kramkiste mit alten Dunkelkammersachen befand sich die passende Filmspirale nebst Entwicklungstank von JOBO für den Pocketfilm.

Warum nicht? Ein erster Test erfolgte mit dem Schwarzweißfilm Lomo Orca 110 ISO 100. Die Aufnahmen digitalisierte ich rasch mit einer DSLR mit Makroobjektiv. Erstaunlicherweise erwies sich die Bildqualität für manche Motive besser als gedacht.

Ich hatte die Negative und Abzüge aus den 1980er noch und konnte vergleichen. Der aktuelle Schwarzweißfilm lieferte eine höhere Bildqualität. Zwar war und ist das Pocketformat nicht gut für Bilder mit vielen kleinen Details geeignet, sehr wohl aber für ansprechende Porträts.

Es macht gelegentlich Spaß, mit der Pentax auto 110 mit vorzugsweise dem 50mm oder 70mm Objektiv zu fotografieren. Bestechend ist immer noch, dass man sie aufgrund ihrer geringen Größe und ihres geringen Gewichts bequem dabeihaben kann. Auf jeden Fall ist diese Kamera ein Hingucker; sie weckt das Interesse anderer Leute.

Fazit

Mit dem Weitwinkel- oder Standard-Objektiv sind die Kameras klein genug, um in der Jackentasche mitgeführt zu werden. Auch wenn die kleine Pentax-Auto-110 einer großen Spiegelreflexkamera ähneln soll, bietet sie in Wirklichkeit keine ihrer Einflussmöglichkeiten auf die Blende und Belichtungszeiten. Es gibt nur zwei Lichtempfindlichkeiten für Filme, die automatisch von den Kassetten an die Kamera gemeldet werden. Alles andere regelt sie mit einem Programm, das sonst als P bekannt ist. Die Kombination aus Blende und Zeit wird von der Kamera anhand ihrer Belichtungsmessung gewählt.

Die Schärfekontrolle durch den Spiegelreflex-Sucher ist ein erheblicher Vorteil gegenüber den einfachen Pocketkameras. Stellt man richtig scharf und hält die Kamera ruhig, sind scharfe Aufnahmen möglich.

In der Praxis braucht man das gesamte System nicht. Beide Gehäuse sind okay, attraktiver ist allerdings die Pentax auto 110 super. Die beiden Teleobjektive mit 50 mm und 70 mm Brennweite sind sehr gut für Porträts geeignet. Wenn man die Filmentwicklung und das Scannen mithilfe einer Digitalkamera im Griff hat, macht es Spaß, damit zu fotografieren.

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