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Panasonic Lumix S1

Vollformat DSLM mit 24 Megapixel

2019 © Thomas Gade

Panasonic ist seit langem als Produzent von kompakten Systemkameras mit MFT-Sensor bekannt. Vor einigen Monaten brachte das Unternehmen erstmals zwei Vollformat-Kameras heraus. Panasonic lieh mir die Lumix S1 für einen Zeitschriftenartikel über das Focus Stacking. Die Kamera kann nämlich Bilderserien vom gleichen Motiv erstellen, bei der von Bild zu Bild die Scharfstellung schrittweise leicht verändert wird, um aus dem Bilderstapel ein Fotos mit erheblich größerer Schärfentiefe zu errechnen. Wie gut das geht, wollte ich wissen.

Panasonic Lumix DC-S1

Technische Daten

Hersteller Panasonic
Bezeichnung Lumix DC-S1
Markteinführung 2019
Preis (August 2019) 2500 €
Sensor Vollformat
Auflösung 24 Megapixel
Video Full HD / 4 K mit bis zu 60 fps
Belichtungszeiten 60 s - 1/8000 s, Blitzsynchronzeit 1/320 s
Shake Reduction ja
Display 2,1 Megapixel
Elektronischer Sucher 5,76 MP / -4 bis +2 Dioptrien
Objektiv Anschluss L - Mount
Speicherkarten SD (UHS II kompatibel) und XQD
USB USB 3.1 und USB-C Schnittstelle
Eingebauter Blitz nein
Gewicht (Gehäuse mit Akku) 1032 g



Erster Eindruck nach dem Auspacken und Anmontieren des 24-105 mm Zoomobjektivs: "Ist die groß und schwer!" Voll das Gegenteil zu den kompakten und leichten MFT Modellen von Panasonic. Auch der Akku ist deutlich größer als in anderen Kameras. Meine Briefwaage zeigt für diese Kombination 1,753 kg an. Das Gehäuse wiegt mit Akku und Speicherkarte 1,032 kg.


Pentax K-70 neben einer Panasonic Lumix S1

Zum Vergleich: Eine Pentax K70 mit dem kleineren APS-C Sensor und einem Sigma 2,8 - 4 / 17- 70 mm wiegt betriebsbereit 1178 g. Nur das Gehäuse mit Speicherkarte und Akku bringen 689 g auf die Waage. Der Unterschied ist deutlich zu spüren.


Panasonic Lumix S1 mit Panasonic 24-105mm F4 OIS Zoomobjektiv

1,75 kg Gewicht sind im Studio und auf dem Stativ kein Problem, aber vielen Fotografen für Exkursionen wohl zu schwer, zumal noch ein ergänzendes Tele fehlt, das die Traglast erhöht. Die individuelle Bewertung kann je nach Statur und Fitness der Fotografen unterschiedlich ausfallen. Wem kompakte Kameras wie von Sony zu klein sind, wird auf jeden Fall mehr Spaß mit der größeren Lumix S1 haben.

Bedienungsanleitung

Lassen Sie sich nicht von dem dünnen mehrsprachigen Heft täuschen, das der Kamera beiliegt. Die aktuelle (August 2019) Bedienungsanleitung zum Download umfasst 540 Seiten. Man sollte sie herunterladen, um verschiedene Funktionen nachschlagen zu können.



Sucher und Display

Der elektronische Sucher mit über 5 Millionen Bildpunkten ist hervorragend. Seine Bildqualität übertrifft jeden anderen elektronischen Sucher, in den ich bisher hineingeblickt habe. Die Reaktionszeit beim Schwenken der Kamera ist sensationell. Der Unterschied zum optischen Sucher der Spiegelreflex ist gering. Bei wenig Licht ist der elektronische Sucher durch sein helles Bild sogar im Vorteil. Ein Rändelrad am Okular ermöglicht einen Dioptrienausgleich.

Das 3,2" Display hat 2,1 Millionen Bildpunkte und ist zugleich ein Touchscreen, der die Bedienung der Kamera vereinfacht. Obwohl seine Oberfläche spiegelt, kann man das Bild vom Display auch bei hellem Umgebungslicht gut sehen. Der Klappmechanismus gefällt mir besser als die seitwärts wegschwenkenden Displays vieler anderer Kameras.

Der hochauflösende, schnell reagierende Sucher und das Display werden wohl reichlich Strom verbrauchen und den großen Akku erklären.

Menü

Das Menü enthält zahlreiche Einstellungen. Neben dem Festlegen verschiedener Parameter wie Dateiformate oder Auflösung beim Filmen, ist es auch zum Dialog nötig für spezielle Funktionen wie das Bracketing oder Post-Focus (Focus Stacking).

Wer solche Funktionen nutzt, muss sich an die optimalen Einstellungen herantasten. Man probiert etwas aus, prüft das Ergebnis und optimiert anschließend die Einstellungen. Diese Arbeitsweise verlangt einen wiederholten Zugriff auf das Menü, um die Änderungen einzutragen.

Störend ist bei der Lumix S1, dass beim erneuten Aufruf des Menüs es nicht mit dem zuletzt aufgerufenen Eingaberegister aufgeht, sondern an anderer Stelle startet. Wer also die Schrittweiten beim Bracketing ändern möchte und die Anzahl der Bilder muss sich stets aufs Neue durchs Menü hangeln.

Das sollte Panasonic mit einem Firmware Update ändern.


Schwenkbarer Touchscreen der Panasonic Lumix S1

Autofokus System

Sehr wichtig ist das Autofokussystem einer Kamera. Ist es schnell und treffsicher? Beide Punkte müssen weitgehend erfüllt sein. Es gibt verschiedene Autofokus-Modi zum einmaligen Scharfstellen oder zum Verfolgen des Motivs. Der AF der Lumix S1 ist flott und treffsicher. Er kann so ziemlich alles, was man von einem modernen, leistungsfähigen Autofokus erwartet. Das Erkennen von Gesichtern gehört dazu.

Man kann auch manuell fokussieren, doch ist das Umschalten von AF auf MF sowie das Drehen des Scharfstellrings am Objektiv meistens unnötig. Stattdessen wird auf dem Touchscreen das Bildelement angetippt, das scharf gestellt werden soll. Das funktioniert sehr gut.

Im Modus C verfolgt der Autofokus kontinuierliche bewegte Motive und sucht selbst das entsprechende Bildelement. Mit einem kleinen Joystick für den Daumen der rechten Hand, kann der Autofokuspunkt manuell verschoben werden. Drückt man kurz drauf, springt das Meßfeld in die Mitte.

Für unbewegte Motive sollte der Autofokus auf S einstellt sein. Auch hier will zunächst die Kamera entscheiden, welches Bildelement scharf zu stellen ist. Mit einem Klick auf den Joystick wird das mittlere Autofokusfeld gewählen. Man visiert das betreffende Bildelement mittig an, betätigt den Autofokus durch halbes Eindrücken des Auslösers, hält ihn in der Position und stellt den gewünschten Bildausschnitt neu ein.

High Resolution

Für eine besonders hohe Auflösung kann der Modus High Resolution aktiviert werden. Die Kamera erstellt dann nicht nur eine Aufnahme, sondern mehrere und bewegt dazwischen den Sensor minimal in vertikaler und horizontaler Richtung. Im Prinzip eliminiert man damit die Auswirkungen der Bayer-Matrix. Von der Gesamtzahl der Pixel eines Sensors mit Bayer-Matrix messen 50 % die Farbe Grün, 25 % die Farbe Rot und von 25 % die Farbe Blau. Durch die minimale Verschiebung des Sensors zwischen mehreren Aufnahmen vom gleichen Motiv wird dafür gesorgt, dass für jeden Bildpunkt Messungen für alle Farben stattfinden. Im Prinzip dürfte das Ergebnis nicht mehr Pixel haben als eine normale Datei, sondern lediglich eine bessere Farbwiedergabe ohne Morieffekte, aber es kommt tatsächlich zu einer verbesserten Detailauflösung, die nicht in einer 24 Megapixel Datei ausgegeben wird, sondern mit 96 Megapixel.

Aus den vier nahezu deckungsgleichen Einzelfotos mit 24 MP wird eine 96 MP Datei interpoliert. Die Ausgabe erfolgt ausschließlich als Rohdatei mit einer Größe von ca. 180 MB. Eine daraus konvertierte Tif-Datei mit 48 Bit Farbtiefe beansprucht ca. 550 MB Speicherplatz.


Panasonic Lumix S1 mit F4 24-105mm O.I.S. Zoomobjektiv eingestellt auf 105 mm Brennweite.


Links: High Resoution auf 100% / Rechts: Normaler Modus auf 200%

Das Bild wurde zur Darstellung auf dieser Webseite etwas kleiner gerechnet. Dadurch ist die Qualität etwas reduziert und der Unterschied nicht so stark sichtbar wie bei den originalen Bilddateien.

Die höhere Auflösung ist nur erreichbar wenn die Kamera während der Aufnahme fest auf einem Stativ steht und der Autofokus die bestmögliche Schärfe einstellt. Das Motiv darf sich während der Aufnahme nicht bewegen und die Optik muss sehr scharf abbilden können. Bei mehreren Versuchen stellte ich fest, dass High Resolution zu unterschiedliche Ergebnissen führte. Manche waren deutlich besser als Einzelaufnahmen, aber andere waren sogar etwas weicher. Zu sehen war das nur, wenn stark in die Bilder hinein gezoomt wurde.

Bracketing / Belichtungsreihe

Die Lumix S1 ermöglicht Belichtungsreihen mit verschiedenen Zielstellungen. Einerseits sind die klassischen Belichtungsreihe durchführen, in der jedes Foto unterschiedlich lang belichtet wird. Mit der Blenden-Belichtungsreihe werden mehrere Fotos aufgenommen, für die jeweils ein anderer Blendenwert eingestellt ist. Sie kann mit zwei Arten des Weißabgleich-Bracketings jeweils drei Fotos mit unterschiedlichen Weißabgleich-Anpassungen aufnehmen.

Am interessantesten ist wohl die Focus-Belichtungsreihe.

Während der Aufnahme einer Serie Fotos verändert die Kamera von Bild zu Bild minimalen die Fokusposition, um die nötigen Einzelbilder zu erhalten, mit denen durch Focus Stacking ein Foto mit einer erheblich erweiterten Schärfentiefe erstellt wird.

Im Menü zum Focus-Bracketing kann die Stärke der Anpassungsschritte eingestellt werden. Es gibt drei Einstellungen:

Schritt

Die Kamera verwende dabei aber keinen absoluten Wert, sondern nimmt im Nahbereich kleinere Schritte vor als für etwas weiter entfernte Motive. Panasonic spricht hier vom Fokus-Anpassungsschritt.

Bildzähler

Hier wird die Anzahl der Bilder eingestellt.

Sequenz

[0/-/+]  Mit dieser Einstellung wird die Fokusposition sowohl nach vorne als auch nach hinten von der ursprünglichen Einstellung verschoben.

[0/+] Diese Einstellung wird gewählt, wenn die Scharfstellung vor der Aufnahme auf den dichtesten Punkt vorgenommen wurde. Anschließend verschiebt die Kamera die Fokuseinstellung immer mehr nach hinten, also in Richtung weiter entfernter Bildstellen.

Die mit Focus-Bracketing aufgenommenen Bilder können am Computer mit Programmen zum Focus Stacking zu einem Foto mit erheblich erweiterter Schärfentiefe verrechnet werden.

Post-Focus

Die Panasonic Lumix S1 kann auch Focus-Stacking wenn die Pixelanzahl auf 4k oder 6k reduziert wird. Der Titel der betreffenden Seite in der Bedienungsanleitung von Panasonic lautet: "Aufnehmen mit der Post-Focus-Funktion. Im Text darunter wird sie auch Focus Stacking Funktion genannt.

Ist Post-Focus im Menü aktiviert, wird die Kamera auf ein Motiv gerichtet und die Aufnahme gestartet. Die Kamera entscheidet scheinbar selbst, wieviele Aufnahmen sie macht und man kann auf dem Display rasch das Rechteck um den Autofokuspunkt hin und her springen sehen.

Anschließen darf man vor dem Verrechnen wählen, ob dies im Modus 'Auto mischen' oder 'Bereich mischen' geschieht. Mir gefällt 'Bereich mischen' am besten, weil so mit Tippen auf das Display festgelegt wird, von wo bis wo scharfgerechnet wird. Das Ergbnis von 'Auto mischen' ist vor allem im Nahbereich nicht so gut.


Nahaufnahme von Blumen in einer Vase. Einzelfoto mit geringer Tiefenschärfe.



Ergebnis des Focus Stackings in der Kamera. Im Modus 'Bereich mischen' wurden Punkte von ganz nah bis zum entferntesten auf dem Touchscreen angetippt. Trotzdem sind die hinteren Blätter unscharf. Die Post-Focus Funktion soll nachträglich festlegen lassen, von wo bis wo das Bild scharf ist. Wenn die größtmögliche Schärfentiefe aus dem Bildern der mp4 Datei erzeugt werden soll, muss die Kamera die vom Fotografen angetippten Nah- und Fernpunkte aus dem Antippen auf dem Touchscreen richtig interpretieren. Das gelingt nicht immer oder es werden die falschen Punkte angetippt. Abhilfe bietet das Programm Helicon Focus, das die mp4 Dateien der Panasonic Lumix S1 zum Focus Stacking am Computer verwenden kann.



Das Ergebnis des Focus Stackings der mp4 Datei mit Helicon Focus zeigt die Blumen in der Vase von vorne bis hinten alles scharf.

Foto und Video

Beim Kennenlernen dieser Kamera lag mein Schwerpunkt auf der Fotografie. Dass eine Kamera, die 6K Filme mit 30 Bildern pro Sekunde aufnimmt und einen Vollformatssensor hat, sehr gut für Videoaufnahmen geeignet ist, stellte ich gar nicht infrage. Die Lumix S1 hat unter zahlreichen Steckplätzen auch Buchsen zum Anschluss eines Mikrofons und eines Kopfhörers.

Die Filmfunktion habe ich nur im Post-Focus Modus genutzt. Dabei wird wahlweise ein Film mit 4K oder 6K Auflösung aufgenommen. Die MP4 Datei ist ein Container für die Einzelbildaufnahmen mit jeweils unterschiedlicher Scharfstellung.

Display und Bodenplatte erwärmen sich

Einige Male fiel mir auf, dass das Display und der darunterliegende Bereich der Bodenplatte warm wurden. Im Internet berichteten auch andere davon. Jemand vermutete, dass der sehr hoch auflösende Sucher und das ebenfalls sehr hoch auflösende Display viel Strom verbrauchen und teilweise in Wärme umsetzen.

Ladegerät

Das Zubehör zum Laden besteht aus drei Kabeln, einem Netzteil und einer Ladeschale. Die Ladeschale kann an eine beliebige Powerbank angeschlossen werden, benötigt aber zum Anschluss an das Stromnetz ein externes Netzteil.

Auf den ersten Blick mutet das kompliziert an, aber man kann den Akku auch in der Kamera aufladen. Darüber hinaus liefern die Netzteile von Smartphones den nötigen Strom für die Ladeschale. Wer eine Powerbank dabei hat, kann damit den Akku in der Kamera aufladen. Dazu wird sie mit einem im Set befindlichen Kabel an die Powerbank angeschlossen.

Bildstabilisierung

Die 5-Achsen Bildstabilisierung im Gehäuse arbeitet mit dem optischen Bildstabilisator (Optical Image Stabilization / OIS) des Objektivs zusammen. Das funktioniert hervorragend.

Fazit

Mit der Lumix S1 hat Panasonic eine leistungsstarke Vollformat-Kamera im Programm, die ausgezeichnete Bilder ermöglicht. Wer üblicherweise mit APS-C Kameras fotografiert, staunt über die hohe Bildqualität der Lumix S1 mit hohen ISO-Werten. ISO 6400 verlangt vom Fotografen nicht viele Zugeständnisse. Wer praktisch so gut wie keine qualitativen Abstriche hinnehmen möchte, reduziert auf ISO 3200 und kann mit dieser immer noch hohen Lichtempfindlichkeit kaum etwas falsch machen. Ganz minimale Qualitätseinbrüche werden durch die kurzen Belichtungszeiten wieder wettgemacht. Der APS-C Sensor aus zeitnaher Produktion schafft das nur bis ISO 800.

Die Kamera mitsamt dem 24-105mm Objektiv wirkt solide. Fotografen, die vorzugsweise mit leichtem Gepäck unterwegs sind, dürften die Größe und das relativ hohe Gewicht dieses Fotoapparates beanstanden. Abgesehen davon ist die Lumix S1 eine hervorragende Kamera, die hohe Ansprüche erfüllt.


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