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ON1 Photo RAW

2026 @ Thomas Gade



ON1 Photo RAW ist eine Software für Windows und macOS, die – wie ACDSee Photo Studio Ultimate - Bildverwaltung, RAW-Entwicklung und allgemeine Bildbearbeitung in einem Programm vereint.

2005 wurde onOne Software von Craig Keudell in Portland, Oregon (USA) gegründet und 2015 in ON1 umbenannt. Das Ziel war es, Software speziell für Fotografen zu entwickeln und nicht für Grafikdesigner. Diese Ausrichtung bildete ein Gegengewicht zu Anbietern wie Adobe und Corel, deren Programme viele Workflows und Funktionen enthalten, die für authentische Fotos oder für klassische Retusche in den Bereichen Beauty, Fashion oder Produktfotografie unnötig sind. Das Unternehmen begann mit Photoshop-Plugins und entwickelte später vollständige Verwaltungs- und Bearbeitungssoftware für Fotos. Sie trägt heute den Namen ON1 Photo RAW.

Historischer Ablauf

Von 2005 bis 2010 entstanden die ersten Plugins sowie frühe mobile Innovationen, darunter die Möglichkeit, DSLR-Kameras per iPhone fernzusteuern.

Zwischen 2011 und 2015 wurde die Bildbearbeitungssoftware Perfect Photo Suite angeboten, die den Übergang von einzelnen Plugins zu einer umfassenden Softwarelösung markierte.

2016 startete das Photo RAW Projekt. Nutzer konnten die Software aktiv durch Vorschläge und Feedback mitgestalten. Die Software erhielt den Namen ON1 Photo RAW und bot unter anderem Ebenenbearbeitung und eine sehr schnelle RAW-Entwicklung.

Von 2017 bis 2020 wurden Funktionen wie HDR, Panorama, verschiedene KI-Werkzeuge, mobile Apps und die ON1 360° Cloud-Synchronisation integriert.

Zwischen 2021 und 2024 kamen weitere KI-Funktionen hinzu, darunter NoNoise AI, Sky Swap AI, Tack Sharp AI, Generative Erase und Auto Crop AI.

2025 feierte ON1 sein 20-jähriges Jubiläum und veröffentlichte ON1 Photo RAW 2025.

2026 wurde Restore AI eingeführt, ein Werkzeug zur Wiederherstellung alter oder beschädigter Fotos. Es koloriert unter anderem Schwarz-Weiß-Fotos, was zwangsläufig zu Ergebnissen führt, die nicht authentisch sein können.

Damit stellt sich die Frage, inwieweit ON1 seinem ursprünglichen Anspruch treu geblieben ist. Einerseits wurde die Software bewusst als Werkzeug für Fotografen entwickel. Andererseits kann ON1 dem allgemeinen Trend zur Generierung künstlicher Bildinhalte durch KI nicht ausweichen. Funktionen wie der Austausch des Himmels, Restore AI und generatives Löschen erzeugen Inhalte, die nicht mehr dem Originalfoto entsprechen.

ON1 unternimmt damit eine Gradwanderung zwischen dem ursprünglichen Anspruch und der aktuellen Marktentwicklung, die stark durch die Implementierung KI-basierter Werkzeuge geprägt ist. Dieser scheint sich derzeit kein Anbieter hochwertiger Software zur Bildbearbeitung entziehen zu können. Leider verleiten solche Tools die Nutzer zum Ausprobieren und letztlich zum Einsatz, ohne Rücksicht auf den Verlust der Authentizität ihrer Fotos zu nehmen. Es ist eine unglückliche Entwicklung, die einen immer größer werdenden Bilderpool schafft, in dem oft nicht mehr erkennbar ist, ob es sich um ein echtes Foto oder um eine mehr oder weniger starke Bearbeitung beziehungsweise ein vollständig künstlich generiertes realistisches Bild handelt.

Praxis

Beim ersten Start nach der Installation kann es zu längeren Wartezeiten kommen, da das Programm im Hintergrund zusätzliche Datenpakete nachlädt, etwa beim erstmaligen Aufrufen der Register „Himmel“ oder „Effekte“. Danach reagiert die Software jedoch zügig und flüssig.

Die Benutzeroberfläche wirkt aufgeräumt. Die Werkzeugleiste auf der linken Seite bietet Zugriff auf „Stile“ und „Filter“, während die klassischen Bearbeitungsfunktionen rechts in den Registern „Entwickeln“, „Transformieren“ und „Effekte“ zu finden sind. Dort stehen Werkzeuge für Tonwertkorrekturen wie Kontrast, Helligkeit oder Lichter/Schatten, Farboptimierung, Rauschreduzierung, Schärfung, perspektivische Anpassungen sowie eine Gradationskurve bereit. Ebenen werden ebenfalls unterstützt, sodass komplexere Bildbearbeitungen möglich sind.



IPTC - nur eingeschränkt unterstützt

Metadaten werden teilweise angezeigt und lassen sich bearbeiten. IPTC Felder zeigen Urheber, Stichwörter und Bildbeschreibungen an und man kann sie auch editieren. Aber der Titel fehlt. Das ist eine unnötige Schwäche, die

Die integrierte KI zur automatischen Verschlagwortung liefert derzeit überwiegend unpassende Ergebnisse und ist praktisch wertlos. Abgesehen davon funktioniert die Bildverwaltung solide.

Auch wenn die Bedienung anfangs etwas unübersichtlich wirkt, findet man sich mit grundlegenden Kenntnissen in der Bildbearbeitung und etwas Unterstützung aus dem Internet schnell zurecht.



Preise - Das Programm wird in drei Varianten angeboten:

1. Photo RAW MAX + Creative Pack als Dauerlizenz für 126 € für bis zu drei Computer. Diese Version kann als Plugin in Adobe Lightroom, Photoshop, Capture One und Apple Fotos genutzt werden. Eine neue Zusatzfunktion „Restore AI“ soll ab April 2026 verfügbar sein.

2. Photo RAW MAX + Creative Pack im Abo für 84 € jährlich, inklusive 200 GB Cloudspeicher und laufenden Updates, ebenfalls für bis zu drei Computer. Auch hier ist Plugin-Nutzung möglich und „Restore AI“ soll dazugehören.

3. Photo RAW MAX + Creative Pack als günstige Dauerlizenz für 53 € ohne Cloudspeicher, ohne Plugin-Funktion und ohne Updates. Diese Lizenz gilt für zwei Computer und enthält kein „Restore AI“.

Empfehlung

Empfehlung: Version 3. Die teureren Varianten wirken im Verhältnis weniger attraktiv. Zudem ist es widersprüchlich, dass ON1 Photo RAW sich als „Your All-in-One Alternative to Adobe“ bewirbt, gleichzeitig aber die Plugin-Funktion für Adobe-Produkte als kostenintensives Zusatzargument nutzt. Die preisgünstige Version für 53 € bietet jedoch ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis und ist für Einsteiger sowie Anwender mit mittleren Ansprüchen völlig ausreichend, um einige Jahre ohne große Updates auszukommen.



© Thomas Gade | photoinfos.com | ISSN 3054-4769 (Online). Unsere Texte und Bilder sind urheberrechtlich geschützt. Jede Nutzung ist nur mit schriftlicher Erlaubnis des Verfassers gestattet und stets honorarpflichtig.