Fotoalbum
2017 © Thomas Gade
Historisches Erbe. Fotoalben in verschiedenen Größen
Vorgeschichte
In den 1830er Jahren wurden in Frankreich und in England die ersten fotografischen Verfahren erfunden, die den Beginn der Fotografie darstellten. Aus Frankreich verbreitete sich das Verfahren der Daguerreotypie. Als Träger fungierten versilberte Kupferplatten. Die Abbildung war seitenverkehrt und die Oberfläche der Daguerreotypie war berührungsempfindlich. Anfangs war es nicht üblich und technisch kaum realisierbar, Daguerreotypien zu vervielfältigen. Somit entstanden Unikate, die jeweils aufwendig und unter Glas gerahmt waren.In England experimentierte Fox Talbot mit lichtempfindlich gemachten Papieren, die durch die Belichtung dunkel wurden. Daher entstand beim Fotografieren ein Negativ, dass erst durch Umkopieren auf ein anderes lichtempfindliches Papier zum Positiv wurde. Dieses Verfahren (Kalotypie) ermöglichte die Anfertigung mehrerer Kopien, die sowohl verteilt als auch in Alben untergebracht werden konnten.
In den 1840ern und 1850ern war die Fotografie zunächst den Wohlhabenden vorbehalten und konkurrierte mit dem klassischen gemalten Porträt oder der Landschaftsmalerei. Um den Kundenkreis zu erweitern, bedurfte es technischer Standards und industrieller Produktionsprozesse, die zu einer erheblichen Verbilligung des fertigen Produkts führten.
1851 stellte Frederick Scott Archer ein verbessertes Verfahren vor, basierend auf der Kollodium-Nassplatte, bei der eine Glasplatte das Papier ersetzte und eine bedeutend höhere Abbildungsqualität erlangt wurde. Nahezu zeitgleich, im Jahr 1850, wurde das Albuminpapier von Louis Désiré Blanquart-Evrard vorgestellt, das bis 1900 das Standardmaterial für fotografische Abzüge war. Albuminpapier wurde industriell hergestellt und ebenso die Materialien für die Nassplattenfotografie.
Der Franzose André Adolphe-Eugène Disdéri ließ sich 1854 das sogenannte Carte-de-Visite Verfahren patentieren. Eine Kamera mit mehreren Objektiven konnte auf einer Kollodium-Naßplatte acht Porträtbilder aufnehmen. Die einzelnen Fotos wurden auf Kartons geklebt und maßen ca. 6 × 9 cm. Meistens waren diese Kartons am Rande geprägt und trugen unterhalb des Fotos und auf der Rückseite kunstvoll gestaltete Angaben zur Herkunft, dem Fotoatelier.

Carte-de-Visite Fotoalbum des 19. Jahrhunderts für 6x9 Foto auf Karton.
Die ersten Fotoalben
Damit waren die Voraussetzungen für erschwingliche Porträtfotos für die breite Masse geschaffen. Das Normen der Bildgrößen ermöglichte die Herstellung von Fotoalben mit Seiten aus dicken Karton und Aussparungen zum Einschieben der Carte-de-Visite Bilder. Um 1860 erlebte die Fotografie einen regelrechten Boom mit einer starken Verbreitung, dem Entstehen zahlreicher Fotoateliers, der Bildung des Berufsstandes Fotograf und weitgehend genormten Verfahren und Produkten. Es wurde in weiten Kreisen üblich, sich zu bestimmten Anlässen fotografieren zu lassen. Von den Aufnahmen konnten mehrere Kopien bestellt werden. Die Fotoateliers bewahrten die Negative für Nachbestellungen auf. Viele Familien legten Fotoalben an.© Thomas Gade | photoinfos.com | ISSN 3054-4769 (Online). Unsere Texte und Bilder sind urheberrechtlich geschützt. Jede Nutzung ist nur mit schriftlicher Erlaubnis des Verfassers gestattet und stets honorarpflichtig.