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DxO PhotoLab 4

2020 © Thomas Gade

DxO PhotoLab 4 stammt vom französischen Unternehmen DxO Labs. Ein Schwerpunkt des RAW-Konverters besteht in seiner automatischen Korrektur von Abbildungsfehlern basierend auf Vermessungen der konkreten Abbildungseingeschaften von Objektiven. Darüber hinaus misst DxO Labs die Eigenschaften von Kameras, also ihrer Sensoren und konkreten RAW-Ausgabe für verschiedene ISO-Werte. Sogar die Kombinationen aus Kameras und Objektiven werden untersucht. Die Kameraprofile unterstützen das Entrauschen von Bildern. Aktuell sollen es 60.000 Kamera-Objektivkombinationen sein. DxO PhotoLab 4 minimiert so Verzeichnung, Vignettierung und Farbsäume sowie die Tonwerte und das Bildrauschen. Profile heißen in diesem Programm DxO-Module.

Mit dieser Version wird eine zusätzliche Option zum Entrauschen eingeführt, DeepPRIME. Der Funktionsumfang dieses Raw-Konverters wird im Internet hinlänglich beschrieben und soll hier nur auszugsweise vorgestellt werden.



DxO PhotoLab 4. Oberfläche im Modus 'Fotothek' mit Verzeichnisbaum

Preise

DxO PhotoLab 4 Essential

DxO PhotoLab 4 ELITE

Einführungspreis * regulärer Preis Einführungspreis* regulärer Preis
99,99 € 129 € 149,99 199 €
       
Upgrade   Upgrade  
49,99 € 69 € 69,99 € 89 €

* Der Einführungspreis gilt vom 21.10. bis 19.11. 2020

Betriebssysteme

Die Installation von DxO PhotoLab 4 setzt Windows 10 oder macOS voraus.

Registrierung und Installation

Beim Test lässt DxO PhotoLab 4 sich problemlos auf einem PC mit Windows 10, i7 7700k CPU, 16 GB Ram und 500 GB SSD installieren. Der Registriercode wird per Internetverbindung vor der Aktivierung geprüft.

Im Installationsverzeichnis sind anschließend die Ordner fr (französisch) und jp (japanisch) überflüssig und können gelöscht werden.



Konfiguration

Datenbank und Cache aus der Systempartition verlagern

DxO PhotoLab 4 legt in der Systempartition eine Datenbank und ein Cache-Verzeichnis an. Solche Dateien haben dort nichts verloren und sollten in ein anderes Volumen verlagert werden. Die Umstellung ist im geöffneten Programm möglich unter: Bearbeiten ->  Programmeinstellungen



Empfehlenswert ist für solche Zwecke eine eigene Partition (D: ) für Datenbanken und sonstige Hilfsdateien verschiedener Programme.



Auch die Cache-Dateien gehören nicht in die Systempartition. In den Programmeinstellungen wird ein neuer Pfad eingegeben.



Leider ist es nicht möglich, auch den Speicherpfad für eigene Presets (Enwicklungsvorgaben) von C auszulagern. Sollte ein Systemcrash zu einer Neuinstallation aller Programme führen, wären eigene Presets verloren. Man kann sie aber manuell kopieren und sichern.

Praktische Arbeit

Nach dem Starten des Programms, kommen erfahrene User schnell zurecht. Es gibt zwei Modi: Fotothek und Bearbeiten. In der Ansicht Fotothek, befindet sich links ein Verzeichnisbaum, darunter ein Feld für Projekte und rechts oben die Vorschau eines Bildes und darunter einige Miniaturbilder aus dem gewählten Verzeichnis. In der linken Spalte der Oberfläche 'Fotothek' befindet sich ein Verzeichnisbaum zum Navigieren. Beim Öffnen von Verzeichnissen mit Bildern, werden sie als kleine Thumbnails in der Fußleiste dargestellt. Es gibt keine langwierigen Importvorgänge, die bsp. Adobe Lightroom voraussetzt.

Unterhalb des Verzeichnisbaum gibt es eine Schaltfläche, um 'Projekte' anzulegen. Das sind im Prinzip eigene Datenbanken zu bestimmten Themen. Die dazugehörigen Bilder können in verschiedenen Verzeichnis gespeichert sein.



DxO PhotoLab 4. Bearbeitungs-Modus mit Werkzeugen

Im Modus Bearbeiten verschwindet die linke Spalte mit dem Verzeichnisbaum. Stattdessen wird eine größere Ansicht eines gewählten Bildes geboten. In einer Fußleiste sind wie auf einem Filmstreifen kleine Vorschaubilder von benachbarten Fotos in dem Verzeichnis zu sehen. Die Höhe der Fußleiste kann verändert werden. Verringert man ihre Höhe, ändert sich auch die Größe der Miniaturansichten. Sie werden kleiner und deshalb werden mehr Bilder angezeigt. In der rechten Spalte befinden sich diverse Einstellmöglichkeiten zur Bildbearbeitung.

Werkzeugleiste

DxO PhotoLab 4 enthält diverse Werkzeuge für die Tonwertkorrektur, Detaildarstellung und zum Reduzieren des Rauschens. Weiterhin kann man Bilder beschneiden, Horizonte begradigen, einen Reparaturpinsel anwenden und rote Augen beseitigen. Zur Korrektur von perspektivischen Verzeichnungen gibt es kein Werkzeug. Dafür kann die optionale Erweiterung DxO Viewpoint oder ein Tool aus der NIK Collection eingesetzt werden.

Die Einstellungen in der rechten Spalte sind in verschiedene Gruppen eingeteilt, die minimiert, geschlossen oder abgekoppelt werden können. Wer mit einem großen Bildschirm arbeitet oder mit zweien, kann die Gruppen aus der Spalte herausholen und anders organisieren. In der Standardansicht befindet sich oben ein Histogramm gefolgt von ‚Neue Funktionen in PL3‘. Darunter folgende ‚Wesentliche Werkzeuge‘ mit Weißabgleich, Belichtungseinstellung, DxO Smart Lightning, selektive Tonwerte, DxO ClearView Plus, Kontrast, Mikrokontrast, Farb-Akzentuierung (Farbsättigung), Rauschminderung-RGB, Horizont, zuschneiden und lokale Anpassungen.

Über der Werkzeugspalte befindet sich eine Reihe Symbole, die Registerkarten entsprechen und entsprechende Werkzeuggruppen öffnen. Dadurch ist die Navigation durch die Vielzahl der Einstellungen leichter als in den vorherigen Versionen.


Nik Collection

DxO Lab hat die Nik Collection von Google erworben und in DxO PhotoLab 4 die U-Point-Technologie daraus integriert, um lokale Korrekturen einfacher durchzuführen als mit Pinseln. Die Nik Collection kann an DxO PhotoLab angedockt werden.

DxO Module zur Bildkorrektur

Die Software prüft beim Öffnen eines Verzeichnisses, mit welchen Kameras und Objektiven die darin enthaltenen Fotos aufgenommen wurden. Dieser Vorgang weist auf eine Besonderheit von DxO PhotoLab hin. Der Softwarehersteller hat nämlich ein Labor zum Messen der Eigenschaften von Optiken und Kameras. Aus den Messergebnissen werden Profile erstellt zur automatischen Korrektur von Abbildungsfehlern wie Verzeichnung, Vignettierung und Farbsäume sowie auch für das Rauschverhalten von Sensoren. Findet das Programm im geöffneten Verzeichnis Fotos, die mit Objektiven oder Kameras aufgenommen worden, für welche die entsprechenden Profile nicht auf dem Computer installiert sind, bietet es sie zum kostenlosen Download an, falls verfügbar. DxO hat eine umfangreiche Profil-Bibliothek, die ständig erweitert wird. DxO nennt seine Profile DxO-Module oder nur Module.

Ist der Computer mit dem Internet verbunden, kann der Download und die Integration der Module rasch initiiert werden. Für manche Objektive bewirken solche Module eine erstaunliche Verbesserung der Abbildungsqualität. Besonders zum Bildrand und insbesondere in den Ecken kann die Kompensierung von Abbildungsdifferenzen in den RGB-Kanälen die Detailauflösung und Schärfe erheblich steigern. Das setzt aber voraus, dass das eigene Objektiv zum angebotenen DxO-Modul passt.

Allerdings sind die Objektive nicht alle identisch. Es gibt eine gewisse Streuung in der Abbildungsleistung. Mehrere eigentlich gleiche Objektive von demselben Hersteller und mit exakt der gleichen Bezeichnung können unterschiedliche Abbildungseigenschaften haben. Die Abweichungen müssen nicht stark sein, können aber im direkten Vergleich entsprechender Bilder durchaus erkennbar sein. Es ist deshalb möglich, dass ein DxO-Modul nur teilweise zum konkret verwendeten Objektiv passt. Eine 100-prozentige Übereinstimmung kann nur durch die Vermessung der betreffenden Optik erreicht werden. DxO PhotoLab kann die genutzten Objektive nur identifizieren, wenn sie korrekt in den EXIF-Daten aufgeführt sind.

Automatische Korrektur


Grafik von DxO Labs aus dem Pressekit

Mit dieser Grafik veranschaulicht DxO Labs seine automatische Korrektur. Neben der Vermessung von Kameras und Objektiven flossen im Laufe der Jahre viele Millionen in die Bildkorrektur von DxO PhotoLab ein.

Entrauschen


Foto mit Pentax K-1-II (Vollformat mit 36 Megapixel), Einstellung ISO 1600


Entrauschen mit HQ auf 26%

Entrauschen mit DeepPRIME auf 26%

DxO PhotoLab 4 enthält drei Methoden zur Rauschverminderung. Neben HQ und Prime aus den bisherigen Versionen ist DeepPRIME hinzugekommen, das erstaunlich gut ist. Man sollte die Prozentstufe nicht zu hoch stellen, um keine Mikrodetails zu verlieren, die zum Bild gehören. Bereits mit 10% Luminanz ist die Leistung von DeepPRIME sehr gut.

Die Unscharfmaskierung von DxO PhotoLab kann ebenfalls Mikrodetails kosten, insbesondere beim Entrauschen-Modus HQ, aber DeepPRIME verträgt sie ganz gut. Die optimalen Werte muss man nach seinen Vorstellungen sorgfältig ermitteln.

High-ISO Entrauschen


Aufnahme mit Pentax K-70. ISO 12800, Blende 7.1 und 0,3 sec

Nachtaufnahme. Die Bäume lagen im Dunkeln. In der linken oberen Bildecke befand sich ein Kraftwerk, das besser beleuchtet war. Das Bild wurde zur Darstellung aufgehellt, sonst wäre die Struktur in den Bäumen kaum zu sehen.

Die Ausschnitte zeigen die Wirkung verschiedener Methoden zum Entrauschen. Es wurden jeweils Einstellungen für einen guten Kompromiss zwischen Rauschminderung und Detaildarstellung verwendet.


ACDSee Photo Studio Ultimate 2021


DxO PhotoLab 4. Entrauschen mit HQ


DxO PhotoLab 4. Entrauschen mit Prime

DxO PhotoLab 4. Entrauschen mit Deep Prime

Die Bilder sprechen für sich. Deep PRIME von DxO PhotoLab 4 hat die Nase weit vorne. Im Gegenzug benötigt das Verfahren mehr Zeit als die anderen.

Objektivkorrektur

Das folgende Beispiel stammt aus meinem Review über DxO PhotoLab 2. Es ist auch für DxO PhotoLab 4 in gleicher Weise gültig, um die Bildkorrektur mithilfe der DxO Module darzustellen.

Beim Vergleich von DxO PhotoLab 4 mit anderen RAW-Konvertern bringt es mit den Standardeinstellungen mehr Zeichnung in die Schatten als beispielsweise ACDSee. Aber mit allen guten RAW-Konvertern sind gute Ergebnisse erzielen; es ist eine Frage der Einstellungen. Grundsätzlich muss man sich gründlich mit jedem vertraut machen, um das Bestmögliche herauszuholen.

Die Korrektur optischer Fehler (Verzeichnung, Farbsäume, Unschärfen) gelingt DxO PhotoLab allerdings besonders gut, wenn Objektivprofile vorliegen.


Pentax K-70 mit SMC Pentax-DA 1:3.5-5.6 18-135mm. Blende 8 und 135 mm.

Ausschnitte aus dem Bild


800 x 533 Pixel Ausschnitt aus dem Foto (linker Bildrand). Konvertiert mit ACDSee PhotoStudio 19 ohne Korrektur der Abbildungsfehler. Am Rand sind deutliche Farbsäume erkennbar.


800 x 533 Pixel Ausschnitt aus dem Foto (linker Bildrand). Nutzung der automatischer Korrektur der Abbildungsfehler durch DxO Photolab.

Die Farbsäume sind fast verschwunden. Mit Adobe Photoshop wurde noch ein schwacher violetter Farbsaum durch eine selektive Farbkorrektur unterdrückt.

Bei diesem Bild leistet DxO PhotoLab wirklich eine Menge. Das Ergebnis ist hervorragend, allerdings müssen die Einstellungen stimmen, die man erst durch Versuche herausfindet. Die Korrektur der optischen Schwächen funktioniert aber nicht mit allen Objektiven. Manchmal sind die Ergebnisse nur unwesentlich besser.

Kein Objektivprofil für einige Objektive

Die Datenbank mit Objektivprofilen ist nicht vollständig. Es gibt zahlreiche Objektive, die nicht berücksichtigt werden. Das sind vor allem ältere, die aber noch gerne gebraucht werden. Manchmal gibt es auch Lücken im aktuellen Sortimente der Hersteller. Es dauert immer etwas bis neue Modelle berücksichtigt werden, aber manche bleiben auch jahrelang unbeachtet, wie das HD-Pentax-DA 55-300mm PLM ED [IF] WR, welches unter Pentax-Fotografen beliebt ist.

DxO Smart Lightning und DxO ClearView Plus

DxO Smart Lightning und DxO ClearView Plus sind Werkzeuge zur Verbesserung der Tonwerte. Smart Lightning optimiert die Zeichnung in den Schatten und Lichtern. Clear View Plus erhöht Kontraste, um Fotos dramatischer aussehen zu lassen. Mit beiden kann man zu viel des Guten tun. Eine moderate Anwendung mit niedrigen Einstellungen ist auf jeden Fall vorzuziehen, wenn gar nicht die RAW-Dateien als Master aufgehoben werden, sondern daraus generierte TIF-Dateien ohne Tonwertverluste.

Unscharfmaskierung

Die gleiche Zurückhaltung ist auch angebracht bei der Unscharfmaskierung. Sie beeinträchtigt schon relativ früh Mikrodetails, die an verstärkten Kanten für einen besseren Schärfeeindruck etwas verloren gehen. Man sollte mit Pixel Peeping Vergleiche für unterschiedliche Einstellungen anstellen, um sinnvolle zu treffen.

Exzellente Rauschkorrektur

Die Reduzierung des Rauschens unter Berücksichtigung eines Profils für den belichteten Sensor, ermöglicht optimale Ergebnisse mit geringen Verlusten an feinen Details. Das farbige Rauschen, hervorgerufen durch die Bayer-Matrix, insbesondere bei homogenen Flächen, wird sehr gut reduziert.

Sehr gute Tonwertkurve

Die Gradationskurve heißt Tonwertkurve in DxO PhotoLab 4. Beim Verstellen der Kurve in den einzelnen Farbkanälen, bleiben die anderen Kurven als farbige Linien sichtbar. Sie ist sehr gut zu modellieren. Daher kann man dieses Programm auch verwenden, um abfotografierte Negative zu bearbeiten. Die Tonwertumkehrung ist einfach und kann als Preset gespeichert werden.

Arbeiten mit Presets

Gute Einstellungen lassen sich als Presets speichern, um für ähnliche Bilder oder ganze Bilderserien erneut verwendet zu werden. Beim Speichern von Presets sind Namen zu vergeben, die eine eindeutige Zuordnung ermöglichen. Wie beispielsweise ‚Vogel am Himmel‘. Ich verwende dieses Preset für Fotos von fliegenden Vögeln vor einem blauen Himmel.

Das Arbeiten mit Konvertierungsvorgaben (Presets) erhöht die Effizienz von DxO PhotoLab 4 enorm. In den Programmeinstellungen kann sogar ein individuelles Standard-Preset festgelegt werden.



Was fehlt?

Kameras ersetzen immer häufiger konventionelle Filmscanner. Die automatische Tonwertumkehrung mit Weißabgleich für Farbnegative ist allerdings noch nicht Bestandteil von DxO PhotoLab 4. Für Smartphones gibt es dafür längst kostenlose Apps und für Adobe Lightroom das Plugin Negative Lab Pro. RAW Therapee bietet diese Funktion ebenfalls an. Dxo Labs sollte sie nachliefern oder eine Schnittstelle für Adobe Plugins hinzufügen.

Fazit

DxO PhotoLab ist ein exzellenter RAW-Konverter, der auch JPG- und Tif-Dateien verarbeitet. Es wird für jährliche neue Versionen laufend weiterentwickelt, ist aber längst mit den nötigen Werkzeugen in guter Qualität ausgestattet, die kaum noch Wünsche offen lassen. Die Technik der Verringerung von Abbildungsfehlern mithilfe von DxO-Modulen ist hervorragend.


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